Die Schande von Cordoba – Häßler zu klein für den Kopfball – Untergang gegen Kroatien Erinnerungen an andere Ernüchterungen

Von Friedrich-Wilhelm Kröger
Aus, Ende, vorbei: Erstmals seit mehr als 30 Jahren fliegt die deutsche Fußballnationalmannschaft bei einer Weltmeisterschaft schon in der Vorrunde raus.
Aus, Ende, vorbei: Erstmals seit mehr als 30 Jahren fliegt die deutsche Fußballnationalmannschaft bei einer Weltmeisterschaft schon in der Vorrunde raus. Foto: dpa

Bielefeld (WB). Die deutsche Nationalmannschaft ist über die Jahre eine verlässliche Größe bei Fußball-Weltmeisterschaften gewesen. Ein Vorrunden-Aus so wie jetzt in Russland – undenkbar bisher. Insgesamt waren Misserfolge in der Vergangenheit selten, gegeben hat es sie schon. Erinnerungen an ein paar Ernüchterungen.

1978: WM in Argentinien

Der Schuss ins leere Tor: Der ehemalige Bundesligaspieler Heung-Min Son vollendet in der 96. Minute zum 2:0. Deutschland ist draußen. Foto: dpa

Titelverteidiger Deutschland bestreitet das Eröffnungsspiel in Buenos Aires. Gegen die Polen will der Mannschaft von Jupp Derwall beim 0:0 nicht viel gelingen. Der anschließende 6:0-Erfolg gegen Mexiko erweist sich als Strohfeuer, denn die letzte Gruppenpartie gegen Tunesien endet erneut torlos.

Als Zweiter erreicht der amtierende Champion die Zwischenrunde, auch dort bleibt die Mannschaft im Unentschieden-Modus. Gegen Italien spielt sie zum dritten Mal in vier Partien bei diesem Turnier 0:0, gegen die Niederlande folgt ein 2:2. Mit dem Finale wird’s schwierig, und nicht einmal für das kleine Endspiel mit der Chance auf Platz drei reicht es. Am 21. Juni passiert die Schande von Cordoba.

Österreichs Torjäger Hans Krankl schenkt dem Weltmeister zwei Minuten vor Abpfiff das 3:2 ein. Deutschland scheidet aus. Den Titel holt Argentinien.

1994: WM in den USA

Ein Star am Boden: Mats Hummels zeigt sich im Spiel gegen die Koreaner resolut im Zweikampf, er vergibt aber zwei große Chancen. Foto: dpa

Auf Jahre hinaus sei Deutschland unschlagbar, hat Weltmeister-Teamchef Franz Beckenbauer nach dem WM-Triumph vier Jahre zuvor in Italien verkündet, für riesig hält er das Reservior des Landes nach dem Mauerfall. Doch das Turnier in den Vereinigten Staaten wird zum Reinfall.

Und das nicht, weil Stefan Effenberg den Fans nach einer durchwachsenen Leistung beim 3:2 gegen Südkorea in Dallas den Stinkefinger zeigt und anderntags auf Weisung von DFB-Präsident Egidius Braun aus dem WM-Aufgebot entfernt wird. Bis zum Wackelauftritt in Texas hatte das Team von Berti Vogts die Bolivianer 1:0 geschlagen und gegen Spanien 1:1 gespielt.

Die Doppelspitze Völler (2) und Klinsmann (1) erledigt im Achtelfinale die Belgier, 3:2. Danach zieht die Mannschaft von Chicago nach New York um. Doch im Giants Stadium erweist sich die DFB-Elf in Person von Thomas Häßler im entscheidenden Moment gegen Bulgarien als zu mickrig.

Der 1,66-Hüne vom 1. FC Köln verliert zwölf Minuten vor Abpfiff ein Kopfballduell gegen den für den Hamburger SV kickenden Yordan Letchkow. So fällt das 1:2. Der Außenseiter hatte die Deutschen erstmals in der 75. Minute mit dem 1:1 durch Christo Stoitschkow genervt. Lothar Matthäus’ Elfmeter zum 1:0 (47.) interessiert niemanden mehr, der Heimflug geht nach dem Viertelfinale. Weltmeister wird Brasilien.

1998: WM in Frankreich

Nichts geht mehr: Südkoreas Führungstor lässt Manuel Neuer (Mitte) schlecht aussehen. Der Anfang vom Ende ist besiegelt. Foto: dpa

In einer überschaubar starken Vorrundengruppe holt Deutschland sieben Punkte (2:0 gegen die USA, 2:2 gegen Jugoslawien, 2:0 gegen den Iran). Doch schon im Achtelfinale eines Turniers, das später der Gastgeber gewinnt, wird es für die DFB-Elf knapp. Der Gegner heißt (ha, ha): Mexiko.

Nach dem 0:1 dauert es bis zur 75. Minute, ehe Jürgen Klinsmann bei seiner dritten WM-Teilnahme ausgleicht. Oliver Bierhoff erspart dem Europameister vier Minuten vor Schluss die Verlängerung. Aber wieder ist im Viertelfinale Endstation. In Lyon fliegt Christian Wörns im Spiel gegen Kroatien vom Platz.

Zehn Deutsche gehen am Ende 0:3 unter. Gut zwei Monate nach dieser Ernüchterung nimmt Trainer Vogts seinen Hut. Seither hat Deutschland bei Weltmeisterschaften immer mindestens Platz drei erreicht. Bis zum 2018er-Desaster in Russland.

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