Arminia-Trainer als WM-Experte Saibenes Sicht: »In drei Spielen nicht einmal gut«

Bielefeld (WB). Ich finde, das Ausscheiden der deutschen Mannschaft ist verdient und gemessen an den Leistungen auch gerecht. Mexiko war ein Mal richtig gut, Schweden auch – Deutschland in drei Spielen nicht ein Mal. Gegen die Schweden hatten sie den Kopf noch mal aus der Schlinge gezogen. Aber trotz dieses Sieges wurde gegen Südkorea überhaupt nicht befreit aufgespielt. Die Selbstverständlichkeit hat gefehlt, die Leichtigkeit fehlte auch komplett. Am Ende musste es dann so kommen.

Von Jeff Saibene
Jeff Saibene ist seit Mitte März 2017 Trainer des Zweitligisten DSC Arminia Bielefeld. Er schreibt als WM-Experte für das WESTFALEN-BLATT.
Jeff Saibene ist seit Mitte März 2017 Trainer des Zweitligisten DSC Arminia Bielefeld. Er schreibt als WM-Experte für das WESTFALEN-BLATT. Foto: Thomas F. Starke

Extrem viele deutsche Spieler waren nicht in Form bei dieser WM, zum Beispiel auch Joshua Kimmich, der gestern auch einen schlechten Tag hatte, vor allem aber sicher die Kreativen.

Wir haben nicht den Thomas Müller gesehen, den wir als WM-Torjäger von 2010 und 2014 kannten. Und Mesut Özil spielte auch gegen Südkorea viele Querpässe, geht aber nicht dahin, wo es wehtut. Er zieht sich aus dem Strafraum raus, geht allem aus dem Weg. Die Präsenz im Strafraum hat größtenteils gefehlt, nur am Ende mit Mario Gomez war etwas mehr davon da. Man hat das Gefühl gehabt, vieles passt nicht zusammen.

»Extrem viele deutsche Spieler waren nicht in Form«

Ob die Aufstellung gegen Südkorea falsch war? Da maße ich mir kein Urteil an, denn Joachim Löw ist der Trainer, er sieht jedes Training und stellt nach bestem Gewissen auf. Wir alle haben dagegen kein Training gesehen.

Frische, Freude am Spiel, Lust und Begeisterung haben mir gefehlt. Es kam mir so vor, als wären die Spiele bei dieser WM für die deutschen Spieler eine Last, fast eine Qual. Das hatte ich ja schon nach dem Auftaktspiel gegen Mexiko geschrieben.

»Bitter für eine große Fußballnation wie Deutschland«

Natürlich kann so ein Vorrunden-Aus passieren. Das ist bei den letzten vier Turnieren drei anderen Weltmeistern auch schon passiert. Und klar ist das bitter für eine große Fußballnation wie Deutschland, das tut weh. Die Fragen, ob Joachim Löw noch der Richtige ist, kommen natürlich auf. Aber er hat über viele Jahre super Arbeit gemacht und ist sicher in der Lage, eine neue Generation heranzuführen. Und das muss er nun machen. Das Spielermaterial dafür ist in Deutschland vorhanden.

  • Jeff Saibene ist seit Mitte März 2017 Trainer des Zweitligisten DSC Arminia Bielefeld. Der 49-Jährige wurde in Luxemburg geboren, lebt aber seit vielen Jahren in der Schweiz. Er schreibt als WM-Experte für das WESTFALEN-BLATT.

Kommentare

Neuanfang

Natürlich ist eine schonungslose Analyse notwendig, aus der die entsprechenden Konsequenzen gezogen werden müssen. Ich wage aber zu bezweifeln, dass Herr Löw dafür der richtige Mann ist. Er hat mehrfach bewiesen, dass er nicht in der Lage ist, dem Leistungsprinzip, ohne Rücksicht auf "große" Namen, Geltung zu verschaffen. Das erzeugt Ungerechtigkeiten und Frustration. Es ist völlig egal, welche Spieler einen Beitrag zum Gewinn der letzten WM geleistet haben.Wenn die Leistung nicht passt, haben sie bei einem solchen Turnier nauch ichts zu suchen. Ein Özil ist nicht deshalb zu nominieren, weil er m a l einen genialen Pass schlägt. Er spielt viele schlechte Pässe, ist kein Kämpfer, gibt schnell auf und taucht dann ab. Er ist kein Führungsspieler, sondern überwiegend Mitläufer und nicht in der Lage, andere mitzureißen, wenn es mal schlecht läuft. Ein solcher Spielertyp gehört nicht in die Nationalmannschaft.
Aus gut informierten Kreisen ist mir bekannt, dass Löw von der Mannschaft nicht ernst genommen wird. Er ist ohne Autorität. Und genau das ist es, was einen Nationaltrainer auszeichnet.

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