Corona-Risikogebiete
Quarantäne? - Widerstand in der Liga bei Länderspielreisen

Nach den Bundesligaspielen am Wochenende steht der nächste Länderspiel-Block auf dem Programm. In Zeiten von stark steigenden Corona-Zahlen wollen immer mehr Clubs ihre Nationalspieler nicht mehr auf Reisen schicken. Die Quarantäne-Regelungen sind unterschiedlich.

Donnerstag, 05.11.2020, 16:56 Uhr aktualisiert: 05.11.2020, 17:00 Uhr
Frank Baumann lässt die Bremer Spieler wegen der Corona-Krise nicht zu den Länderspielen reisen. Foto: Carmen Jaspersen

Berlin (dpa) - Lange Reisen nach Südamerika, Afrika oder auch in europäische Risikogebiete mitten in der Corona-Pandemie?

Die Clubs der Fußball-Bundesliga stellen sich angesichts stark steigender Infektionszahlen bei den anstehenden Länderspielen zunehmend quer und verweigern ihren Profis Trips zu den Nationalmannschaften. Werder Bremen hat bereits angekündigt, dass seine Nationalspieler in der Hansestadt bleiben müssen. Einzige Ausnahme: Torhüter Jiri Pavlenka, der für Tschechien gegen Deutschland am Mittwoch in Leipzig spielen darf.

«Wir haben mit unseren Spielern und den Verbänden gesprochen. Die FIFA entbindet die Vereine von der Abstellungspflicht, sofern eine Quarantäne im Anschluss erfolgt», sagte Bremens Geschäftsführer Frank Baumann. Genau dies hat das Bremer Gesundheitsamt angeordnet. Spieler, die aus internationalen Risikogebieten zurückkehren, müssen für fünf Tage in Quarantäne.

Andere Clubs wollen dem Bremer Weg folgen. So hat Aufsteiger Arminia Bielefeld fünf Profis nicht für die nächsten Länderspiele freigestellt. Auch Hertha BSC wird seine Profis im Fall einer Quarantäne-Pflicht bei einer Rückkehr aus Risikogebieten nicht auf Reisen schicken, sollten die lokalen Behörden ihre jetzigen Vorgaben ändern.

«Wenn das Gesundheitsamt Charlottenburg ähnlich verfügen würde, würden wir auch so reagieren», sagte Manager Michael Preetz mit Blick auf das Vorgehen von Werder. Ähnlich will es der VfB Stuttgart handhaben. «Wenn sie danach fünf bis 14 Tage in Quarantäne müssen und für unser nächstes Punktspiel gesperrt sind, geht das natürlich nicht», stellte Trainer Pellegrino Matarazzo am Donnerstag klar.

Deshalb will der VfB mit dem Gesundheitsamt in Kontakt treten. Und genau da kommt es wieder zum großen Wirrwarr. Zwar hat der Bund eine Musterverordnung zur Quarantäne-Regelung aufgestellt, die Umsetzung ist aber Ländersache. «Es gibt nicht nur keine einheitliche Regelung im Land, auch in Berlin ist es für Bundesligisten unterschiedlich, das ist die Situation, die wir haben. Im Föderalismus ist das so», monierte Preetz.

Von Gleichbehandlung kann da keine Rede mehr sein. So werden manche Clubs in der Länderspiel-Pause nahezu in voller Kaderstärke trainieren können, während andernorts zahlreiche Spieler mehr als eine Woche abwesend sein werden. Laut FIFA besteht bei einer anschließenden Quarantäne keine Abstellungspflicht für die Clubs.

Die Quittung bekommen am Ende die Vereine. Nach dem letzten Länderspiel-Block musste Hoffenheim im Spiel gegen Borussia Dortmund (0:1) auf Torjäger Andrej Kramaric, Pavel Kaderabek und Kasim Adams verzichten, die nach der Reise zu ihren jeweiligen Nationalteams in Quarantäne waren. RB Leipzig fehlte der corona-infizierte Amadou Haidara rund zwei Wochen. Prominentester Fall war Weltstar Cristiano Ronaldo. Beim Portugiesen war am 13. Oktober während eines Aufenthalts bei der Nationalmannschaft eine Corona-Infektion festgestellt worden. Daraufhin verpasste Ronaldo einige Spiele für Juventus Turin, unter anderem das Gipfeltreffen in der Champions League mit dem FC Barcelona und Lionel Messi.

Beim 1. FC Köln geht Manager Horst Heldt davon aus, dass er seine Spieler ziehen lassen muss. Bisher gebe es noch Ausnahmeregelungen für Reisen einiger Berufsgruppen in Corona-Risikoländer, zu denen auch Fußball-Profis zählten. «Diese beinhaltet, dass wir die Spieler abstellen müssen», sagte Heldt.

Der SC Freiburg sucht indes nach individuellen Lösungen. «Wir sind in Gesprächen mit den einzelnen Verbänden», sagte Trainer Christian Streich am Donnerstag. «Manche unserer Spieler spielen nur einmal, manche zweimal, manche dreimal - da muss man Absprachen treffen mit den Verbänden. Und das tun wir gerade, das ist im Prozess.» Streich stünden Freiburgs Nationalspieler laut eigener Aussage nach ihrer Rückkehr zunächst nicht zur Verfügung. «Wenn sie aus Risikogebieten kommen, sind sie mehrere Tage nicht auf dem Platz, bis zwei negative Tests durchgeführt wurden», sagte der 55-Jährige.

© dpa-infocom, dpa:201105-99-217283/9

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