Champions League
Bayern ohne Corona-Fall Süle nach Salzburg - Alaba irritiert

Ein TV-Auftritt von Präsident Hainer sorgt für Wirbel vorm Spiel der Bayern in Salzburg. Der Verein zieht sein Vertragsangebot an seinen Abwehrchef zurück! Trainer Flick missfällt das Vorgehen in der Dortmund-Woche. Dazu kommt auch noch Corona-Fall Süle.

Montag, 02.11.2020, 15:46 Uhr aktualisiert: 02.11.2020, 15:48 Uhr
Bayern Münchens Niklas Süle ist positiv auf das Coronavirus getestet worden. Foto: Matthias Balk

München (dpa) - Eigentlich wollte David Alaba ganz entspannt über seine «riesige Vorfreude» auf die Champions-League-Premiere in der österreichischen Heimat plaudern, auf die er bis zum 85. Einsatz in Europas Königsklasse warten musste.

Doch sein Arbeitgeber hatte vor der kurzen Busreise der Münchner Fußballstars ins nahe Salzburg ein anderes Thema gesetzt: Präsident Herbert Hainer verkündete am Sonntagabend im Bayerischen Fernsehen, dass der FC Bayern nach monatelangem Poker das aus seiner Sicht sehr lukrative und faire Vertragsangebot an den Abwehrchef zurückgezogen habe.

Alaba verblüffte 32 Stunden vor dem Gruppenspiel am Dienstag (21.00 Uhr/Sky) bei Austrias Serienmeister Red Bull Salzburg damit, dass er diese Neuigkeit ebenfalls «aus den Nachrichten erfahren» habe. Er wirkte irritiert, die Konsequenzen ließ er spontan offen. «Es war eine besondere Situation. Wie es weitergeht, wird sich zeigen. Ich habe mir in der kurzen Zeit nicht die Gedanken machen können», sagte er: «Es wurde nicht an mich ran getreten. Es hat noch keiner mit mir darüber gesprochen von offizieller Seite. Deshalb ist es schwierig einzuschätzen, wie die Zukunft aussehen wird.» Es könnte nach mehr als einem Jahrzehnt zum Saison-Ende tatsächlich zur Trennung kommen. Wobei Alaba den Verein im Sommer 2021 ablösefrei verlassen könnte.

Bayern-Coach Hansi Flick war - gelinde gesagt - not amused über Hainers Wort am Vortag. «Ich bin alles andere als glücklich, dass wir uns mit diesem Thema in einer Woche, in der wir zwei schwere Spiele in Salzburg und in Dortmund haben, befassen müssen», sagte der Trainer, der in seiner nun exakt einjährigen Amtszeit noch nie so schmallippig in einer Pressekonferenz auftrat wie am Montag.

Der 55-Jährige warb vehement für und um seinen Abwehrchef: «Was den David betrifft, wäre ich sehr, sehr froh, wenn er über die Saison hinaus dem FC Bayern erhalten bliebe. Denn David ist ein absoluter Topspieler und ein ganz toller Mensch. Das will ich hier bewusst erwähnen, weil er für die Mannschaft enorm wichtig ist.»

Flick hat vor dem Salzburg-Spiel schon Probleme genug, nachdem Nationalspieler Niklas Süle wegen eines positiven Corona-Tests in einer so wichtigen Woche nicht zur Verfügung steht. Alaba wird für Süle in Salzburg wieder in die Startformation zurückkehren.

Der 28-Jährige erzeugte im Pressestüberl auf dem Vereinsgelände nicht das Gefühl, als wenn er den FC Bayern wirklich verlassen wollte. Aber die angeblich extrem hohen Gehaltsforderungen seines Beraters Pini Zahavi, der auch Bayerns Topverdiener Robert Lewandowski zu seinen Klienten zählt, sind dem Bundesliga-Krösus viel zu hoch - gerade in Corona-Zeiten. «Ich kann jedem einzelnen Fan versichern, dass die Summen, die in den Raum gestellt wurden, nicht der Wahrheit entsprechen», konterte Alaba. Von 20 Millionen Euro war die Rede.

Alaba steht in Fan-Kreisen als raffgierig da, was er «aus der Perspektive von Außenstehenden» sogar nachvollziehen könne. Er habe «eine ganz andere Perspektive auf die ganze Geschichte». Alaba hätte gewünscht, «dass Internes auch intern bleibt». Die Millionenzahlen, die kursierten, seien von Vereinsseite nicht dementiert worden. «Meine Person dann in der Öffentlichkeit so darzustellen wie in den vergangenen Monaten, darüber war ich enttäuscht und verletzt.»

Der Verein wollte nach etlichen Gesprächsrunden «bis Ende Oktober» eine Antwort. Die Sieben-Tage-Deadline war Alaba in dieser Zeit mit mehreren Auswärtsspielen am Stück zu kurz. «Wie die Verantwortlichen dann handeln werden, habe ich gestern erfahren», bemerkte Alaba.

Hainer wiederum machte aufseiten des Vereins «Planungssicherheit» auf einer wichtigen Position und in einer wichtigen Personalie geltend. Womöglich wollte er auch ein Exempel statuieren, so wie einst bei Michael Ballack vor dessen Wechsel zum FC Chelsea.

Hainer schlug die Tür aber auch nicht zu: «David ist ja noch acht Monate bei uns unter Vertrag und wir schätzen ihn unheimlich.» Der gebürtige Wiener ist ein Eigengewächs, zweimaliger Triple-Champion (2013, 2020) und seit 2008 im Verein. «Ich bin ein Spieler, der wirklich sehr gerne für den FC Bayern spielt», betonte Alaba.

Flick ist zu «hundert Prozent überzeugt davon, dass David seine Topleistung auch weiter abruft und alles gibt, dass die Mannschaft und der FC Bayern Erfolg haben». In Salzburg und Dortmund erhofft er sich eine «gute Antwort». Flick wird in der zuschauerlosen Salzburger Arena im Vergleich zum 2:1 in Köln wieder eine Königsklassen-Elf mit Alaba und Torjäger Lewandowski aufbieten. «Wir sind 13 Spiele in der Champions League ungeschlagen. Wir wollen unsere Serie fortsetzen, das wird unsere Zielsetzung sein», versprach Führungskraft Alaba.

© dpa-infocom, dpa:201102-99-176946/6

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