US Open
Aus dem Schatten in die Loge: Struff fordert Djokovic

Jan-Lennard Struff steht meist im Schatten der Großen im Tennis. Doch inzwischen zählt der Davis-Cup-Profi selbst zu den Etablierten. Was ihm in New York eine besondere Behandlung zuteil werden lässt.

Donnerstag, 03.09.2020, 12:48 Uhr aktualisiert: 03.09.2020, 12:53 Uhr
Jan-Lennard Struff hat bei den US Open die dritte Runde erreicht. Foto: Frank Franklin II

New York (dpa) - Wie sehr Jan-Lennard Struff im Kreis der Etablierten auf der Tennis-Tour angekommen ist, zeigt sich an einem Privileg, das bei den US Open in Corona-Zeiten nur wenigen Spielern zuteil wird.

Struff darf im Arthur-Ashe-Stadium in New York eine Loge benutzen, was nur den Gesetzten und ehemaligen Champions gestattet ist. Während sich der Großteil der Profis also nach den Matches oder Trainingseinheiten schnell wieder auf den Weg ins Hotel macht, kann Struff in den eigentlich von der «New York Times» gebuchten Räumlichkeiten entspannen. Von einer Art Balkon aus kann er sich die Begegnungen im größten Tennisstadion der Welt anschauen.

«Das ist natürlich eine feine Sache, die mir und meinem Team das Leben sehr viel leichter macht», sagte Struff. Massagebank, Sofa, Kühlschrank und ein eigenes Bad - Struff hat es gut getroffen. Durch konstant starke Leistungen hat sich der 30 Jahre alte Warsteiner bis auf Platz 29 der Weltrangliste vorgearbeitet. Dass er bei den US Open nun in Runde drei steht und auf den Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic trifft, ist längst zur Normalität geworden. «Er hat sich toll entwickelt und spielt nun schon seit längerem auf konstant hohem Niveau. Die Spieler, die er qua Ranking schlagen muss, schlägt er auch», lobte Davis-Cup-Kapitän Michael Kohlmann seinen Schützling.

Meist steht Struff dennoch nach wie vor im Schatten anderer deutscher Spieler. Fast immer bestimmen Alexander Zverev oder Angelique Kerber die Schlagzeilen. So auch am Mittwoch, nachdem das deutsche Trio geschlossen in die dritte Runde der US Open eingezogen war. Zverev erzählte davon, wie seine Schuhe im schwülen New York vor lauter Schweiß plötzlich unter Wasser standen. Kerber berichtete von der Zusammenarbeit mit ihrem neuen, alten Coach Torben Beltz. Dass Struff durch ein sicheres 6:2, 6:2, 7:5 gegen den Amerikaner Michael Mmoh ebenfalls weiterkam, ging fast unter.

Am Freitag wird dem Davis-Cup-Profi das Rampenlicht aber gewiss sein. Denn da fordert er im Kampf um den Achtelfinal-Einzug Djokovic und will gegen den Serben endlich den ersten Sieg feiern. «Natürlich ist es für einen Gesetzten das unglücklichste Los, in der dritten Runde schon gegen Novak zu spielen», sagte Struff mit Blick auf das Duell. «Aber ich will es besser machen als vor ein paar Tagen.»

Im Viertelfinale des von Cincinnati nach New York verlegten Masters-1000-Events war der Sauerländer beim 3:6, 1:6 völlig ohne Chance, kassierte im vierten Duell mit dem in diesem Jahr nach wie vor noch ungeschlagenen Branchenprimus die vierte Niederlage. «Ich werde mich mit meinem Trainer hinsetzen, gucken was wir aus dem Spiel lernen können und dann einen Matchplan entwickeln», sagte Struff.

Seit fast fünf Jahren arbeitet er mit Carsten Arriens zusammen, früher einmal Coach der deutschen Davis-Cup-Mannschaft. Arriens ist es gelungen, aus Struff einen kompletten Spieler zu machen, der auch abseits des Parketts gereift ist. Was auch stark mit der Geburt seines Sohnes vor etwa eineinhalb Jahren zu tun hat. «Carsten ist ein großartiger Coach und menschlich Weltklasse», lobte Struff seinen Trainer. Gerade in diesen komischen Zeiten, in denen man wegen all der Hygieneregeln kaum etwas machen dürfe, sei es wichtig, jemanden an der Seite zu haben, mit dem man sich richtig gut versteht.

Das Nahziel des Duos heißt Sieg gegen Djokovic, langfristig will Struff in der Rangliste weiter klettern. Und endlich seinen ersten Titel auf der ATP-Tour feiern. «Das fehlt ihm noch. Aber wenn er so weitermacht, wird ihm das auch noch gelingen», sagte Kohlmann.

© dpa-infocom, dpa:200903-99-415914/2

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