Ende der Geisterspiele?
Bundesliga-Start mit Fans immer wahrscheinlicher

Eine Teil-Rückkehr der Fans in die Stadien wird zum Start der Bundesliga wohl möglich sein. Doch nicht überall kommen die halben Geisterspiele gut an.

Donnerstag, 02.07.2020, 12:55 Uhr aktualisiert: 02.07.2020, 12:58 Uhr
Sind Geisterspiele in der Fußball-Bundesliga bald Geschichte?. Foto: Kai Pfaffenbach

Leipzig (dpa) - Bekommt der Fußball seine Fans zurück? Die Bundesliga-Bosse arbeiten mit Hochdruck am Ende der Geister-Tristesse in den Stadien und stehen wohl vor einem Durchbruch.

Laut einem Bericht der «Bild» steigen die Chancen, dass zum Saisonstart im September wieder Zuschauer in die Stadien dürfen - zumindest teilweise. Detaillierte Planungen sollten am Donnerstag in einer Sonderkommission der Deutschen Fußball Liga (DFL) besprochen werden. Nachfragen beantwortete die DFL nicht. Das letzte Wort hat ohnehin die Politik.

«Ich bin hoffnungsfroh, dass Zuschauer zumindest zu einem kleinen Teil wieder zugelassen werden ab September. Falls es ein stabiles Infektionsgeschehen in den nächsten Monaten gibt, sehe ich eine realistische Chance. Wer allerdings von vollen Stadien träumt, muss erst einmal weiter träumen», sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke (61). Man sei dabei, die nötigen Konzepte zu erstellen und an die zuständigen Stellen zu versenden.

Bei Meister München, in Dortmund, Leipzig und Köln sollen die Planungen am weitesten vorangeschritten sein. «Wir haben ein Konzept für Spiele mit Zuschauern für die neue Saison entwickelt und dies mit dem Gesundheitsamt Leipzig diskutiert», sagte Ulrich Wolter (46), Director Operations bei RB, am Donnerstag. «Das Gesundheitsamt trägt das Konzept, was zunächst mit etwa der Hälfte der Zuschauer beginnen würde, insoweit grundsätzlich mit, wenn sich die Pandemielage weiter so positiv entwickelt und ab September seitens der Politik die Coronaschutzverordnungen so angepasst werden, dass Veranstaltungen mit Zuschauern wieder grundsätzlich erlaubt werden.»

Für die Red Bull Arena entspräche das einer Kapazität von etwa 21.000 Zuschauern. Zwischen jedem Fan soll ein Platz freibleiben, es besteht Maskenpflicht. Gäste-Fans sollen nicht zugelassen werden. Zur Verringerung des Infektionsrisikos soll die Anreise zum Stadion nicht mit dem öffentlichen Nahverkehr erfolgen.

Aufgrund der unterschiedlichen Infrastruktur und Bauweise muss für jede Arena ein eigenes Konzept erstellt werden. Das wird zu unterschiedlichen Zuschauerzahlen führen. Beim BVB sollen es im Idealfall 28.000 Fans sein, was einer Auslastung von knapp unter 35 Prozent entspricht. Beim Spiel gegen Hoffenheim hatte der Club bereits spezielle Technik getestet: Wärmebildkameras, die kontaktlos die Körpertemperatur vor Eintritt ins Stadion messen sowie 3D-Sensoren zur Ermittlung des Abstands in einem Tribünenblock.

Allerdings gibt es zur Teilrückkehr der Fans auch kritische Stimmen. «Ich bin immer noch für ganz oder gar nicht», sagte Eintracht Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic. «Ich kann mir das mit 8000 oder 10.000 Zuschauern im Stadion einfach nicht vorstellen. Natürlich ist es besser als nichts, aber bringt der ganze Aufwand überhaupt etwas?»

Viel Geld wird unterm Strich wohl nicht hängenbleiben. Denn mit einer höheren Zahl an Personen im Stadion müssen auch die Sicherheitsvorkehrungen erhöht werden. Zudem ist derzeit unklar, wie die Tickets im Fall der Fälle überhaupt verteilt werden sollen. «Wird es ein Lotterieverfahren geben oder regeln wir das über Dauerkarten?», fragte Bobic.

In Dortmund wird der Dauerkartenverkauf aufgrund der Situation überhaupt nicht gestartet. «Wir wissen ja nicht, was wir den Fans anbieten können», sagte BVB-Marketingchef Carsten Cramer. Laut Cramer wird gerade mit den Fans über ein Konzept diskutiert, wie man bei einer teilweise Rückkehr von Fans vorgehen könnte. Die Clubs dürften ein Interesse daran haben, neben den normalen Plätzen möglichst viele der renditestarken Logen zu füllen.

Alle Bemühungen könnten jedoch durch die jüngsten Fan-Ansammlungen torpediert werden. Nach den Aufstiegen von Bielefeld und Braunschweig trafen sich ebenso Anhänger vor den Stadien wie nach dem Abstieg von Dresden. Die Polizei der sächsischen Landeshauptstadt leitete diverse Verfahren wegen Ordnungswidrigkeiten ein. Die Clubs sind weitestgehend machtlos, die DFL äußerte sich auf dpa-Anfrage nicht. Doch nach den Relegationsentscheidungen mit Bremen und Nürnberg drohen ähnliche Szenarien.

© dpa-infocom, dpa:200702-99-645456/4

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