Multi-Funktionär
Peters behält trotz Aus auf Schalke seine DFL-Ämter

Als Schalker Finanzvorstand scheidet Peter Peters aus. Doch seine zahlreichen Ämter bei der DFL und dem DFB kann er vorerst behalten. So wird der Multifunktionär die Richtung im deutschen Profifußball weiter mitbestimmen. Und wie geht es auf Schalke weiter?

Samstag, 06.06.2020, 19:34 Uhr aktualisiert: 06.06.2020, 19:36 Uhr
Wird den FC Schalke 04 verlassen: Peter Peters. Foto: Thomas Böcker

Gelsenkirchen (dpa) - Beim FC Schalke 04 endet seine Ära nach 27 Jahren, doch im deutschen Profifußball bleibt der Multi-Funktionär Peter Peters in den nächsten Jahren eine wichtige Figur.

Der 57-Jährige kann trotz seines überraschenden Ausscheidens beim Fußball-Bundesligisten seine Ämter bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) und beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) für die Dauer seiner Wahl behalten. Das geht aus der Satzung des DFL e.V. hervor. Schalke hatte am Freitag bekanntgegeben, dass sich ihre Wege am 30. Juni trennen.

Bei der DFL ist Diplomkaufmann Peters seit 21. August 2019 erster Stellvertretender Sprecher des DFL-Präsidiums und damit Stellvertreter von DFL-Chef Christian Seifert sowie Aufsichtratsvorsitzender der DFL GmbH. Die Amtszeiten betragen drei Jahre, sind nicht an eine Funktion bei einem Profiverein geknüpft und enden somit erst im August 2022. Zudem ist Peters DFB-Vizepräsident und sitzt in der Clublizenzierungskommission der Europäischen Fußball-Union UEFA.

DFB-Vizepräsident Peters hat sich als Sportfunktionär nach oben gearbeitet. Der in Ochtendung/Rheinland-Pfalz geborene Peters wurde im Ruhrgebiet heimisch. Nach seinem BWL-Studium war er Fußballchef beim «RevierSport», machte ein Volontariat bei der «Westfälischen Rundschau» in Dortmund und arbeitete als Sportredakteur bei der «Westdeutschen Allgemeinen Zeitung». Von 1991 bis 1993 war Peters Stellvertretender Geschäftsführer des 1. FC Kaiserslautern, ehe er von 1993 an zunächst als Geschäftsführer gemeinsam mit Schalkes früherem Manager Rudi Assauer und Finanzchef Josef Schnusenberg das neue und moderne Schalke mit aufbaute und prägte.

1994 stieg er in den Vorstand der Königsblauen auf, verantwortete den Finanzbereich nach dem Ausscheiden von Schatzmeister Schnusenberg, der 2007 Vorstandschef wurde, allein. Das Trio Peters, Schnusenberg und Assauer baute in den 1990er Jahren das moderne Schalke mit neuer Satzung und Struktur auf. Der UEFA-Cup-Sieg als größter Erfolg der Vereinsgeschichte und der dauerhaften Präsenz in den europäischen Clubwettbewerben war das sportliche Werk, der Bau der 2001 eröffneten Veltins-Arena ihr bauliches Leuchtturm-Projekt. Gemeinsam umschiffte das Triumvirat so manche Klippe.

So ist es durchaus ehrlich gemeint, wenn Schalkes mächtiger Aufsichtsratschef Clemens Tönnies dem treuen Peters zum Abschied dankt, obwohl es nie die große Liebe zwischen ihnen war. «Peter Peters hat in den vergangenen fast drei Jahrzehnten unseren Verein entscheidend mitgeprägt. Dabei hat er mutige und weitsichtige Entscheidungen zum Wohle des Clubs mitgetragen. Ohne ihn wäre der FC Schalke nicht der Verein, der er heute ist», betonte Tönnies.

Die Gründe für die - angeblich einvernehmliche - Trennung sind vielschichtig. Sicher kam sie nicht auf Betreiben von Peters zustande, der es stets verstand, hinter den Kulissen die Strippen zu ziehen. Offenbar haben sich die Machtverhältnisse beim Revierclub zuletzt verschoben. Erst vor wenigen Wochen verlor auch der langjährige Medienchef Thomas Spiegel seinen Job.

Nun hat es Peters erwischt, der es unter dem Strich trotz immer neuer Umsatz-Rekorde nicht schaffte, den riesigen Schuldenberg von fast 200 Millionen Euro abzubauen. Gleichwohl hinterlässt er ein großes Erbe, das nun andere erstmal besser verwalten müssen. «Um Schalke muss sich niemand sorgen machen», betonte Peters trotz der Turbulenzen zuletzt.

Ob die Zusammenarbeit der drei Vorstandsmitglieder Peters (Finanzen und Organisation), Alexander Jobst (Marketing und Kommunikation) und Jochen Schneider (Sport) zuletzt noch so harmonisch war, wie es nach außen dokumentiert wurde, ist offen. Der jüngste Fauxpas im Umgang mit den Dauerkartenbesitzern beim Thema Ticketrückerstattung, als Schalke eine Härtefall-Begründung von den Mitgliedern forderte, fällt zwar grundsätzlich in Peters Finanzbereich.

Doch hakt es zuweilen auch an der Kommunikation, die wiederum hat Jobst zu verantworten. Ein weiterer Trennungsgrund könnten unterschiedliche Auffassungen über die künftige strategische Ausrichtung des Traditionsclubs sein. In der Corona-Krise, von der Schalke besonders betroffen ist, rückten zuletzt Pläne für eine Ausgliederung der Lizenzspielerabteilung in den Fokus. Jobst ist ein klarer Befürworter, Peters eher Traditionalist, der stets die womöglich nicht mehr zeitgemäße Rechtsform des e.V. befürwortete.

Der frühere Schalke-Manager Christian Heidel hält den Abschied von Peters für nachvollziehbar. «Der Posten Finanzvorstand bei Schalke ist nicht unbedingt vergnügungssteuerpflichtig. Peter hat das jetzt über viele, viele Jahre auf Schalke gemacht. Vielleicht ist irgendwann auch der Punkt gekommen, zu sagen, es reicht», sagte Heidel in der Sendung «Wontorra - der Fußball-Talk» des TV-Senders Sky über die Entwicklungen bei seinem Ex-Club. «Ich kann mir schon vorstellen, dass auch bei ihm irgendwann ein Punkt erreicht ist zu sagen, das war es jetzt, irgendwann ist es genug.»

Dissonanzen seien völlig normal. «Man darf da nicht zu viel reinspekulieren. Das würde auch Peter Peters nach 27 Jahren in keinster Weise gerecht werden» sagte der 57-Jährige.

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