Coronavirus-Pandemie Bund erlaubt wieder Training im Freizeitsport

Der Sport- und Trainingsbetrieb im Breitensport darf im Freien und unter Corona-Regeln wieder aufgenommen werden. Oberstes Gebot: Abstandhalten und Kontaktlosigkeit. Deshalb darf es im Judo oder Ringen noch kein Nahkampf-Training geben.

Von dpa
«Sportdeutschland ist bereit und braucht nun klare Rahmenbedingungen»: Alfons Hörmann begrüßt die Lockerungen für den Sport.
«Sportdeutschland ist bereit und braucht nun klare Rahmenbedingungen»: Alfons Hörmann begrüßt die Lockerungen für den Sport. Foto: Frank Rumpenhorst

Berlin (dpa) - Deutschlands Breiten- und Freizeitsportler dürfen wieder mit Golfschläger oder Tennisball, im Kanu oder im Ruderboot trainieren - Nahkämpfe im Judo oder Ringen sind weiter nicht erlaubt.

Zunächst ist das Sporttreiben nur im Freien und unter Beachtung der Corona-Vorschriften sowie sportartbezogener Übergangsregeln genehmigt. Darauf, dass wieder mehr Bewegung ins Land kommt, einigten sich Kanzlerin Angela Merkel und die Länderchefs.

«Nach Wochen der verordneten Bewegungslosigkeit beginnt nun die schrittweise Rückkehr zur "neuen Normalität"», sagte Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, und begrüßte die beschlossenen Lockerungen im Sport als «bewegende Nachricht». Die bundesweite Wiedereröffnung des Vereinssports unter klaren Regeln sei «ein ermutigendes und enorm wertvolles Signal der Politik».

Die Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag hält die Wiederaufnahme des Sportbetriebs in «zumindest abgespeckter Form» für wichtig. «Sowohl in Sportvereinen als auch in Fitnessstudios tun Menschen etwas für ihre physische und psychische Gesundheit - und das ist in diesen Krisenzeiten mehr als wichtig», sagte Dagmar Freitag. «Uns fehlen doch weder Klopapier noch Nudeln, sondern das gewohnte soziale Miteinander», meinte die SPD-Politikerin.

Nach Wochen des Stillstands darf sportartenspezifisch nun nach bestimmten, coronabedingten Regeln trainiert werden. Abstandhalten und Kontaktlosigkeit sind dabei erstes Gebot. Deshalb gilt für Zweikampf- und Mannschaftssportarten: Zunächst nur Individualtraining. Erst schrittweise soll im Basketball oder Handball in Kleinstgruppen geübt werden können.

Neben der Maßgabe, 1,5 bis 2 Meter Abstand zu anderen Athleten oder Trainern zu halten und kontaktfrei zu üben, müssen Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen, insbesondere bei der gemeinsamen Nutzung von Sportgeräten konsequent eingehalten werden. Darüber hinaus haben die Spitzenverbände des DOSB Konzepte mit Übergangsregeln für ihre Sportarten entwickelt, die dem noch besseren Schutz vor Coronavirus-Infizierungen dienen sollen. Im Golf und Tennis dürfen demnach nur eigene Bälle benutzt, Kanuten und Ruderer können lediglich im Einer fahren.

Die Länder sollen laut Beschluss vom Mittwoch zudem in eigener Verantwortung über die schrittweise Öffnung des Sportbetriebs in allen öffentlichen und privaten Indoor-Sportanlagen sowie Schwimmbädern oder Fitnessstudios entscheiden. Dies gilt auch für dieWiederaufnahme von Wettkampf- und Leistungssport.

Spitzenathleten der olympischen und paralympischen Sportarten dürfen bereits seit Anfang April an Bundes-, Landesstützpunkten oder den Olympiastützpunkten trainieren. Dafür wurden sowohl die Indoor- wie die Outdoor-Sportanlagen fast überall wieder geöffnet. Problematisch ist die Trainingssituation vielerorts für die Schwimmer, deren Hallen zuletzt geschlossen blieben.

Für die 90.000 Sportvereine mit rund 27 Millionen Mitgliedern sind die Lockerungen nicht nur aus sportlichen und sozialen, sondern auch aus finanziellen Aspekten wichtig. So startete der DOSB die Kampagne «Support Your Sport» für ihre Unterstützung in der Krise, an der sich auch prominente Sportgrößen wie Katharina Witt, Fabian Hambüchen oder Boris Becker beteiligen. Sportstätten seien seit Wochen gesperrt, Wettkämpfe würden bis auf weiteres ausfallen oder Kurse könnten nicht angeboten werden, hieß es in einer DOSB-Mitteilung.

Da gemeinnützige Vereine keine finanziellen Reserven bilden dürften, seien sie in hohem Maße auf die Einnahmen durch die Mitgliedsbeiträge angewiesen, hieß es weiter. Erste Signale aus den Vereinen deuteten aber darauf hin, dass nicht wenige Mitglieder darüber nachdenken würden, aus dem Verein auszutreten oder dies bereits getan hätten. «In vielen Ländern dieser Welt werden wir um unsere gewachsene Vereinsstruktur beneidet. Ich glaube auch nicht an den Untergang der Sportvereinskultur durch die Corona-Krise», meinte Freitag.

 

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