Coronavirus
Virologe: Ligaspiele im Rheinland müssten abgesagt werden

Virologe Christian Drosten wäre wegen des Coronavirus für eine Absage von Bundesligaspielen in der stark betroffenen Region Rheinland. Ein Politiker vermisst Erklärungen.

Freitag, 06.03.2020, 10:05 Uhr aktualisiert: 06.03.2020, 10:08 Uhr
Christian Drosten ist der Direktor des Instituts für Virologie an der Berliner Charité. Foto: Britta Pedersen

Mönchengladbach (dpa) - Der Chef-Virologe der Berliner Charité ist wegen der vielen Coronavirus-Fälle im Kreis Heinsberg bei Mönchengladbach für die Absage von Bundesligaspielen in der Region.

«Volle Stadien mit Zehntausenden von Fans - gerade in Gegenden wie dem vom Coronavirus jetzt stark betroffenen Rheinland - müssten aus medizinischer Sicht eigentlich gestoppt werden», sagte Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie der Charité, der «Neuen Osnabrücker Zeitung».

Das Stadion von Borussia Mönchengladbach liegt keine zehn Kilometer vom Kreis Heinsberg entfernt, der bundesweit am stärksten vom Coronavirus betroffen ist. Die Behörden hatten dennoch entschieden, dass das Bundesliga-Spitzenspiel gegen Borussia Dortmund am Samstag (18.30 Uhr/Sky) stattfinden kann.

Auch der Heinsberger Landrat Stephan Pusch (CDU) äußerte sich in einer Videobotschaft verwundert über diese Entscheidung in der Nachbarstadt. Während im Kreis Heinsberg noch mindestens bis zum Ende der kommenden Woche alle Schulen und Kitas geschlossen bleiben müssten, um die Ausbreitung des Virus Sars-CoV-2 zu verhindern, finde wenige Kilometer weiter eine solche Großveranstaltung statt. «Ich würde mir natürlich wünschen, dass man das mal näher erklärt», sagte Pusch. «Beispielsweise, welche Risikoabwägung dem zugrunde liegt, warum man davon ausgeht, dass vielleicht die Ansteckungsgefahr geringer ist als üblich.» Eine solche Erklärung der Behörden in Mönchengladbach vermisse er.

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hatte am Mittwoch mitgeteilt, das Gesundheitsamt der Stadt Mönchengladbach sehe keinen Grund für eine Absage des Bundesliga-Spitzenspiels.

Kommentare

Hermann  wrote: 06.03.2020 11:41
"NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hatte am Mittwoch mitgeteilt, das Gesundheitsamt der Stadt Mönchengladbach sehe keinen Grund für eine Absage des Bundesliga-Spitzenspiels" (Westfalenblatt vom 06.03.2020). Weiterhin teilte er sinngemäß im TV (er musste dabei nach meiner Erinnerung selbst lächeln) mit, dass es dabei nicht "um Geld ginge". Ein Schelm wer Böses dabei denkt?

Den Empfehlungen des Herrn Prof. Drosten ist, neben denen anderer Experten und in auslegender Ergänzung zu denen des RKI, ohne Einschränkung zu folgen.

Viele Veranstaltungen werden (vermutlich völlig zu Recht) abgesagt, Schulen und Kitas werden lageangepasst geschlossen usf.; die Bundesliga hingegen füllt weiterhin ihre Stadien. Jedenfalls dem interessierten Laien erschließt sich diese Diskrepanz nicht. Dem einschlägig vorerkrankten Laien (und das dürften sicherlich recht viele Bundesbürger sein, Bsp. Atemwegserkrankungen: "Asthma ist eine Volkskrankheit" [vgl. KVN-Internetpräsenz, ebenso vgl. Lingner et al., Volkskrankheit Asthma/COPD] wird sich dieser Umstand erst recht nicht erschließen.

Die, nach einigen Tagen intensiver medialer Berichterstattung, zunächst "zurückgefahrene" (vermeintliche) "Panikmache" in der Bevölkerung wich einer Berichterstattung "unter ferner liefen...". Vom Grunde her richtig gedacht, keine Frage. Man möchte keine Unruhe erzeugen, schon gar keine Panik. Dies sind schlechte Berater, das steht auch außer Frage!

Aber: Es gibt unzählige Menschen, (leicht) vorerkrankte, schwer erkrankte (etwa immunsupprimierte Menschen mit Spenderorganen, Krebspatienten usw.), ältere, Raucher, Behinderte...die Liste ließe sich sicherlich fortsetzen, die teilweise völlig unbemerkt unter uns sind, neben uns arbeiten, Verwandte, Freunde...viele! All diese Menschen haben berechtigte Angst, sei es vor großen Influenza"wellen" oder nun vor neuartigen Formen der Coronaviren.

Mein Fazit: Nicht jede Angst ist eine unberechtigte, wenngleich ohne Zweifel Panik fehl am Platze ist...ebenso wie (aus welchen Gründen auch immer) "auf Biegen un Brechen" durchgeführte Großveranstaltungen!

P. S.: Woher stammt eigentlich (zumindest etwas genauer) die im Kreis Lippe infizierte Frau? Aus allen anderen Gebieten werden die betroffenen Ortschaften genannt, im Kreis Lippe nicht. Man könnte sich m. E., sollte die ausbleibende Benennung zum Schtuz der Betroffenen, etwa in sehr kleinen Ortschaften, verständlicherweise erfolgt sein, jedenfalls auf eine etwas genauere Eingrenzung (Nordlippe, Westlippe o. ä.) zur Information der Bevölkerung verständigen...
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