DFB-Pokal
Saarbrücken feiert: «Größte Sensation seit Christi Geburt»

Der 1. FC Saarbrücken hat Pokal-Geschichte geschrieben und als erster Viertligist das Halbfinale erreicht. Doch der Außenseiter hat noch nicht genug - und träumt vom Finale in Berlin.

Mittwoch, 04.03.2020, 18:16 Uhr aktualisiert: 04.03.2020, 18:20 Uhr
Die Spieler des 1. FC Saarbrücken feiern den sensationellen Halbfinal-Einzug im DFB-Pokal. Foto: Thomas Frey

Völklingen (dpa) - Vereins-Ikone Dieter Ferner verzog sich in eine zumindest halbwegs ruhige Ecke, blickte ungläubig durch das in den Grundfesten wackelnde Völklinger Stadion und rieb sich immer wieder Tränen aus den Augen.

«Das ist die größte Sensation seit Christi Geburt», sagte der frühere Bundesliga-Torhüter, zweimalige Chef-Trainer und aktuelle Vize-Präsident des 1. FC Saarbrücken der Deutschen Presse-Agentur. Dann stürzte sich auch der 71-Jährige in eine der größten Fußball-Partys, die das Saarland je erlebt hat.

Bis weit in den Mittwochmorgen hinein feierte der Regionalligist seinen historischen Einzug ins Halbfinale des DFB-Pokals. «Das hier ist einfach geiler Scheiß», sagte Trainer Lukas Kwasniok: «Ich habe weinende Erwachsene gesehen, die schon schwere OPs über sich ergehen lassen mussten und viele Schlachten geschlagen haben.»

Durch das 7:6 in einem Elfmeterkrimi mit 20 Schüssen gegen den Bundesligisten Fortuna Düsseldorf erreichte der FCS als erster Viertliga-Club die Vorschlussrunde. Und nun hofft das Saarland auf den ganz großen Coup. Auch der aus Saarlouis stammende Bundesaußenminister Heiko Maas träumt von einem Endspiel am 23. Mai mit dem großen Underdog. «Der Wahnsinn», twitterte der SPD-Politiker: «Ich erwarte euch in Berlin!» Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer gratulierte mit den Worten: «Super Leistung. Glückwunsch!» Und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier twitterte, flankiert von drei Emojis: «Saarländer halt.»

Die Düsseldorfer waren nach ihrem Liga-Rivalen Köln und den Zweitligisten Regensburg und Karlsruhe das vierte Opfer des aufmüpfigen Außenseiters. Vor dem Halbfinale, das am Sonntag ausgelost wird, fürchtet das Gründungsmitglied der Bundesliga niemanden mehr. «Wir haben Bock auf mehr. Wenn man im Halbfinale ist, will man auch ins Endspiel», sagte Tobias Jänicke, dessen 1:0 (31.) Düsseldorfs Zanka in der Schlussminute egalisiert hatte. «Wir wollen unsere Reise fortsetzen», sagte Kwasniok lächelnd: «Wir müssen uns einfach wieder ins Elfmeterschießen retten.»

Dort hielt Keeper Daniel Batz vier Elfmeter - auch das hatte es seit Beginn der Datenerfassung noch nicht gegeben. Einen weiteren hatte Batz schon im Spiel gegen Rouwen Hennings pariert (83.). «Fünf Elfmeter - das ist mehr, als ich vorher in meiner ganzen Karriere zusammen gehalten habe», sagte der 29-Jährige, der 2012 ein Bundesliga-Spiel für den SC Freiburg absolvierte, und kündigte vor dem Party-Start an: «Bier vertrage ich nicht so gut. Ich vertrage mehr die Longdrinks. Aber ich werde nicht schlafen.» Der saarländische Schlager-Sänger «Manni Manta» schrieb spontan einen Song für den Keeper mit der Zeile: «Der Weg zum Elfmeterpunkt, der ist für die Katz. Die Pille, die geht eh nicht rein, denn wir haben den Batz.»

Ihr Halbfinale wollen die Saarbrücker unbedingt im kleinen alten Stadion in Völklingen austragen - in dem Wissen, dass auch die für Profi-Clubs ungewohnten Bedingungen mit mobilen Flutlichtmasten und fehlender Tribünenseite das Pokal-Märchen ermöglichten. Auf den Hinweis, dass die Partie wegen der Anforderungen für die Live-Übertragung im Free-TV wohl in Mainz stattfinden müsse, sagte Torschütze Jänicke: «Dann kommt halt kein Fernsehen.»

Ex-Trainer Dirk Lottner, der in den ersten beiden Runden das Team betreute, glaubt: «In dem rauchigen Charme von Völklingen ist alles möglich». Dem «Express» sagte er: «Bis auf Bayern haben die Jungs gegen jeden Gegner, der da noch möglich ist, eine Chance.»

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