Beleidigungen «Trauriger Höhepunkt»: Die Hopp-Eskalation und deren Folgen

Ein beleidigendes Plakat - und plötzlich wird unterbrochen. Im Kampf gegen Ausgrenzung verfolgt der DFB eine neue Linie. Der FC Bayern und die TSG Hoffenheim setzen ein bisher noch nicht gesehenes Zeichen.

Von dpa
In Sinsheim beleidigten die Bayern-Anhänger Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp.
In Sinsheim beleidigten die Bayern-Anhänger Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp. Foto: Tom Weller

Sinsheim (dpa) - Über eine Stunde glänzte der FC Bayern München sportlich in Sinsheim - dann wurd das überdeutliche 6:0 (4:0) zur Nebensache.

Trainer Hansi Flick, die Profis um die wütenden David Alaba und Serge Gnabry sowie Vorstandsmitglied Oliver Kahn standen im strömenden Regen vor der eigenen Fankurve und wirkten auf die Anhänger ein. Was war passiert?

DER EKLAT: Ein Spruchband genügte, und Schiedsrichter Christian Dingert unterbrach die Partie zum ersten Mal. Die Fans des FC Bayern hielten Banner gegen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp in die Höhe, deren Wortlaut zutiefst beleidigend war. Im Grundsatz wollten sie damit gegen die wiedereingeführte DFB-Kollektivstrafe gegen die Fans von Borussia Dortmund protestieren, die aufgrund von Beleidigungen gegen den Hoffenheimer mit einem Auswärtsbann belegt worden waren. Wieder war Hopp das Ziel. Die Bayern eilten zur Kurve, redeten wild gestikulierend auf die Fans eins, das Plakat abzuhängen. Es klappte - aber nur vorübergehend. Zehn Minuten später wurde das nächste Banner enthüllt, und Dingert pfiff wieder.

DIE KONSEQUENZEN: Dieses Mal blieb es nicht bei der Intervention der Bayern. Dingert schickte beide Mannschaften in die Kabine. Vor der Kurve versuchten mehrere Profis sowie Ex-Keeper Kahn erneut und emotional, auf die eigenen Fans einzuwirken. Im Kabinentrakt wurde das weitere Vorgehen beratschlagt, auch Hopp und Bayerns Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge waren inzwischen in den Katakomben angekommen.

DAS ZEICHEN: Nach fast 20-minütiger Pause kehrten die Teams auf den Rasen zurück. Doch wirklich Fußball gespielt wurde nicht mehr, stattdessen zeigten die Mannschaften auf ihre Weise, was sie von der Fan-Aktion hielten. Demonstrativ schoben sie sich den Ball hin und her, während Hopp und Rummenigge neben dem Rasen standen und genauso wie die meisten Fans applaudierten. Nach dem Spiel gingen Hoffenheim- und Bayern-Profis gemeinsam mit Hopp in die Kurve der Gastgeber. Die eigenen Fans besuchten Manuel Neuer und Co. an diesem Nachmittag nicht.

DIE REAKTIONEN: Rummenigge nannte die Vorgänge «einen schwarzen Tag für den Fußball», er forderte «klare Kante» gegen solche Fans. «Wir müssen mutig dagegen vorgehen und uns nicht immer wegducken», mahnte der Vorstandschef der Münchner. DFL-Boss Christian Seifert sagte: «Die permanenten Anfeindungen gegen Dietmar Hopp sind schon lange nicht mehr hinnehmbar und auf das Schärfste zu verurteilen. Wir haben diesbezüglich heute einen traurigen Höhepunkt erlebt.» Jegliche Art von Hass dürfe keinen Platz haben. Ähnliche Äußerungen waren auch in den anderen Bundesliga-Stadien zu vernehmen. Der Fall wird den deutschen Fußball noch lange beschäftigen.

DIE FANS: Die Verursacher des Eklats zeigten keine Einsicht. In einer online veröffentlichten Stellungnahme hieß es: «Will man zukünftig immer, wenn solche Beleidigungen auf der Zuschauertribüne geäußert werden, Fußballspiele ab- oder unterbrechen, wird man keine Partie mehr über 90 Minuten spielen können. Die Unterbrechung heute war einfach nur überzogen und absurd.» Die Aktion machte allerdings wieder einmal deutlich, wie heterogen die deutsche Fanszene ist. In der Vorwoche waren einige Gladbacher Anhänger mit Hopp-Beleidigungen aufgefallen, aus anderen Bereichen des Stadions hatten sie dafür Pfiffe geerntet.

DIE HINTERGRÜNDE: Hopp ist seit Jahren das Ziel harscher Kritik aus verschiedensten Fangruppen. Der 79 Jahre alte Milliardär und Mitbegründer des SAP-Konzerns hat aus dem Hoffenheimer Dorfverein mit seinem Privatvermögen einen Bundesligisten und Europapokal-Teilnehmer gemacht. Für den harten Kern mancher Fangruppierungen gilt er deshalb als Symbol für die Kommerzialisierung wie sonst nur der Red-Bull-Club RB Leipzig. Ohne Hopps Geld würde es den Profiverein TSG Hoffenheim nicht geben. In der Rhein-Neckar-Region gilt Hopp als Förderer, für sein gesellschaftliches Engagement wurde er mehrfach ausgezeichnet.

DIE FOLGEN: Mit den Verfehlungen der Bayern-Fans wird sich das DFB-Sportgericht befassen, auch bei den Spielen in Dortmund und Köln gab es wegen Schmähgesängen und Hass-Plakaten gegen Hopp kurzzeitig Unterbrechungen. Auf die Clubs kommt deshalb eine Strafe zu. Viel spannender dürfte allerdings die Frage sein, wie bestimmte Fangruppierungen, die eine solche Aktion gegen Hopp und die Kollektivstrafen bereits vorab angekündigt hatten, in den kommenden Wochen auf das Novum vom Samstag reagieren werden. Dem Deutschen Fußball-Bund und der Deutschen Fußball Liga steht der nächste, langwierige Konflikt mit einigen Fans ins Haus.

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