Fußball-Regionalligist will in die 3. Liga – Essen und Oberhausen haben etwas dagegen
Verl reicht die Bewerbung ein

Verl (WB). Raimund Bertels, der Vorstandsvorsitzende des SC Verl, hat alle Hände voll zu tun. Bis Montag, 17 Uhr, müssen alle Bewerber aus der Fußball-Regionalliga ihren Zulassungsantrag für die 3. Liga beim Deutschen Fußball-Bund eingereicht haben. Denn während Viertliga-Spitzenreiter SV Rödinghausen Mitte Februar bekannt gab, im Falle der sportlichen Qualifikation auf den Aufstieg in die 3. Liga verzichten zu wollen, ist der andere ostwestfälische Dorfklub im Viertliga-Aufstiegsrennen fest entschlossen, das Abenteuer einzugehen.

Freitag, 28.02.2020, 08:00 Uhr aktualisiert: 04.03.2020, 18:02 Uhr
Fein, aber zu klein: Die Sportclub-Arena in Verl genügt nicht den Drittligaanforderungen. Ein Umbau ist ebenso im Gespräch wie ein Umzug. Foto: Thomas F. Starke

„An diesem Freitag, spätestens aber am Montag werden wir per Onlineverfahren unsere Unterlagen beim DFB einreichen“, erklärt Bertels. Der Klubboss steht mit dem DFB dieser Tage in ständigem Austausch. Er betont: „Es geht nur noch um Kleinigkeiten.“

Gespräche mit Arminia und Paderborn

Der SC Verl belegt vor seiner Partie des 27. Spieltags am Samstag bei Borussia Mönchengladbach II hinter Rödinghausen den zweiten Tabellenplatz. Falls Rödinghausen die Saison als Meister der West-Staffel abschließt, würde durch den Zulassungsverzicht laut DFB-Spielordnung die nächstplatzierte Mannschaft nachrücken und sich für die Aufstiegsspiele gegen den Vertreter der Regionalliga Nordost qualifizieren. Erst von der Saison 2020/21 an hat die Regionalliga West dann einen festen Aufstiegsplatz.

Mit dem Verweis auf die DFB-Auflagen in Sachen Stadioninfrastruktur begründete Rödinghausen den Verzicht auf den Zulassungsantrag. Das Häcker-Wiehenstadion des SVR hat nur 2489 Plätze. Vorgeschrieben ist in der 3. Liga unter anderem ein Stadion mit einer Zuschauerkapazität von mindestens 10.001 Plätzen.

Um die Auflagen des DFB zu erfüllen, muss auch der SC Verl eine Lösung finden. Die Sportclub-Arena fasst 5153 Zuschauer. Bertels betont, dass der SCV um die „kostengünstigste Lösung“ bemüht ist. „Mobile Tribünen, das Versetzen des Daches, eine Schallschutzwand: Wir prüfen alles – sowohl eine Erweiterung unseres Stadions als auch mögliche Ausweichspielstätten“, sagt Bertels. Gespräche mit Vertretern des DSC Arminia und des SC Paderborn hat es bereits gegeben. Allerdings wären sowohl die Bielefelder Schüco-Arena als (26.515 Plätze) als auch die Paderborner Benteler-Arena (15.000 Plätze) für die Ansprüche der Verler (Zuschauerschnitt aktuell 1062 pro Heimspiel) eigentlich ein paar Nummern zu groß.

Bertels ist Realist

Unter anderem aus diesem Grund zog der SV Rödinghausen zurück. „Der DFB stellt die Anforderungen für die 3. Liga bei sämtlichen Vereinen auf eine Stufe, egal, ob du jetzt in Duisburg, München oder Rödinghausen spielst. Die Heimspiele stattdessen in Bielefeld, Osnabrück oder Lotte auszutragen, ist für uns keine wirkliche Option“, sagt SVR-Geschäftsführer Alexander Müller.

Verls Klubboss Bertels ist Realist. „Dass wir bis zum ersten Heimspiel, das theoretisch am Wochenende 24. bis 27 Juli stattfinden könnte, unser eigenes Stadion auf 10.001 Plätze erweitert hätten, halte ich für sehr unwahrscheinlich“, sagt der 52-Jährige. Demzufolge wäre ein Umzug zumindest in der Anfangsphase der Saison unumgänglich.

Immerhin müsste der Sportclub im Falle des Aufstiegs nicht jede Auflage sofort umsetzen. „Eine Rasenheizung ist erst im zweiten Jahr Pflicht, ebenso eine Mindestkapazität von 2000 Sitzplätzen“, sagt Bertels. Ein TV-Studio, ein Stellplatz für die Übertragungswagen von mindestens 400 Quadratmetern, großzügige Toilettenanlagen, neue Parkplätze – das sind weitere der vielen Anforderungen, die der DFB stellt und die Bertels aber, wie er sagt, kein größeres Kopfzerbrechen bereiten.

RWE hat Antrag eingereicht

Kein größeres jedenfalls, als die Hartnäckigkeit der beiden ärgsten Verfolger. In Rot-Weiss Essen mit dem früheren Erstligatrainer Christian Titz (Hamburger SV) und Rot-Weiß Oberhausen sitzen den Verlern zwei ehemalige Bundesligaklubs im Nacken. Die Essener haben bereits Donnerstag ihren Zulassungsantrag eingereicht. 13 Punkte beträgt bei drei Spielen weniger derzeit Essens Rückstand auf Rödinghausen. Dass der SVR auf den Aufstieg verzichtet, „hat uns natürlich einen zusätzlichen Schub gegeben“, sagt Marcus Uhlig. Der RWE-Vorstand und frühere Geschäftsführer von Arminia Bielefeld spricht nun von einem „Dreikampf“ um die Qualifikation für die Playoff-Partien gegen den Meister der Regionalliga Nordost, wo zwischen VSG Altglienicke, Energie Cottbus und Lok Leipzig ebenfalls ein Dreikampf tobt.

Essen will seit Jahren zurück in die 3. Liga. Uhlig: „Wir sind getrieben von dem Gedanken, Verl noch einzuholen. Wenngleich wir wissen, wie schwierig das wird. Wir können uns fast keinen Ausrutscher mehr erlauben.“

Oberhausens Trainer Mike Terranova glaubt, dass es „ein Kopf-an-Kopf-Rennen bleiben wird“. Wegweisend für das Aufstiegsrennen dürfte die Woche Mitte März sein, wenn innerhalb von vier Tagen erst Oberhausen (Mittwoch, 18. März) und dann Essen (Samstag, 21. März) in Verl gastieren.

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