Weltcup
Süßer Sieg: Leyhes «Sahnehäubchen» bei Willingen-Party

Lange hat Stephan Leyhe auf seinen ersten Einzelsieg im Skisprung-Weltcup warten müssen. In seiner Heimat ist es dann soweit. Die Fans feiern ihn mit einem speziellen Lied. Leyhe selbst denkt schon an die nächsten Aufgaben und nimmt vom Efolg etwas mit.

Sonntag, 09.02.2020, 13:17 Uhr aktualisiert: 09.02.2020, 13:20 Uhr
Stephan Leyhe aus Deutschland springt von der Mühlenkopfschanze. Foto: Swen Pförtner

Willingen (dpa) - Die Absage des letzten Aktes der Willinger Skisprung-Party konnte Stephan Leyhe nach seinem hochemotionalen Heimspiel-Coup verkraften.

Während die Fans wegen des Orkantiefs «Sabine» am Sonntag auf eine weitere Flugshow verzichten mussten, war Lokalmatador Leyhe immer noch beeindruckt von der Freude und Euphorie, die er durch seinen ersten Einzelweltcupsieg an der Mühlenkopfschanze ausgelöst hatte. «Den ersten Weltcupsieg vergisst man nie», sagte der derzeit beste deutsche Skispringer der Deutschen Presse-Agentur. «Und dann noch in Willingen - das ist das Sahnehäubchen!»

Die vorzeitig gewonnene Serie «Willingen Five» und die damit verbundenen 25.000 Euro Preisgeld versüßten dem 28-Jährigen zusätzlich das Wochenende. Stephan Leyhe wäre aber nicht Stephan Leyhe, wenn er nicht schon wieder an die nächsten Aufgaben denken würde.

Zwar habe er am Abend noch mit den Teamkollegen angestoßen, große Feierlichkeiten waren aber nicht drin. Anders als Bundestrainer Stefan Horngacher, der mit seinen Kollegen und den Norwegern zunächst an der Schanze in der Wachskabine und anschließend bei Leyhes Eltern auf einer Spontanparty in der Hauseinfahrt feierte, ging es für Leyhe nach Pressekonferenz und Dopingkontrolle zurück ins Hotel. «Wir sind ja mitten in der Saison, die Zeit zum Feiern kommt noch», erklärte Leyhe, der betonte, dass er in seiner Form natürlich auch gerne nochmal gesprungen wäre.

Schon am kommenden Wochenende steht in Österreich am Kulm der erste Skiflug-Wettkampf der Saison an. Und die Skiflug-WM zum Winter-Abschluss in Planica gibt es ja auch noch. Statt mal auszuschlafen oder die intensiven Momente des Vortages an einem freien Tag in Ruhe zu verarbeiten, stand am Sonntag daher schon wieder Krafttraining auf dem Programm. Leyhe denkt gar nicht daran, sich auch nur einen Moment zurückzulehnen.

«Wer den Stephan kennt, der weiß, dass er immer gleich und sehr bescheiden ist», charakterisierte Horngacher seinen derzeit besten Athleten. Leyhe ist keiner dieser Sportler, die plötzlich aus dem Nichts auftauchen und alles gewinnen. Er hat sich seinen Erfolg über viele Jahre erarbeitet.

Zuletzt war er häufig stark gesprungen, aber immer wieder knapp am Podest vorbeigeschrammt. Am vorherigen Wochenende war Platz zwei im japanischen Sapporo dann sein bis dahin größter Saison-Erfolg. Sechs Tage später setzte er im Upland, wo der mittlerweile im Schwarzwald lebende Leyhe aufwuchs, zur Schule ging und seine ersten Skisprung-Versuche wagte, noch einen drauf.

«Für mich hat es eine sehr, sehr hohe Bedeutung, dass ich das hier geschafft habe», sagte Leyhe. Für die Zuschauer auch: Dem Local Hero zu Ehren spielte die Stadionregie nach der Siegerehrung und der deutschen Nationalhymne das Waldecker Lied ein - eine Art Hymne der Region. Zum 25-jährigen Jubiläum des Weltcups gewann erstmals ein Skispringer aus Willingen. Mit Ballermann-Musik und Bier feierten die Fans dies ausgiebig.

«Das ist wie ein Märchen für ihn», kommentierte Horngacher Leyhes großen Sieg vor dem Norweger Marius Lindvik und Kamil Stoch aus Polen. Der Gesamtweltcup-Zweite Karl Geiger war als zweitbester Deutscher Fünfter geworden. Vor allem Leyhes zweiter Sprung auf die Tageshöchstweite von 144,5 Meter beeindruckte Horngacher. «Ich bin total erleichtert, dass er es jetzt geschafft hat - und dann noch auf seiner Heim-Schanze», sagte der Österreicher.

Bisher hatte Leyhe seine großen Erfolge im Team gefeiert: Olympia-Silber in Pyeongchang, WM-Gold in Seefeld und drei Teamsiege im Weltcup stehen in seiner Vita. Der Erfolg im Einzel gibt dem introvertierten Sportler zusätzlich Selbstvertrauen. Oder, um es mit Leyhes Worten zu sagen: «Mental kann jetzt vieles kommen: Das werde ich schaffen!»

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