Vor EM Handballer wollen Euphorie neu entfachen - Semper fehlt

Deutschlands Handballer hoffen bei der Europameisterschaft auf Edelmetall. Doch die Personalsorgen werden immer größer. Gleich sechs Rückraumspieler fehlen. Der Bundestrainer hält dennoch am Ziel Halbfinale fest.

Von dpa
Franz Semper wird die EM verpassen.
Franz Semper wird die EM verpassen. Foto: Peter Steffen

Frankfurt/Main (dpa) - Der Griff nach einer EM-Medaille wird für die deutschen Handballer langsam zu einer «Mission impossible» - doch Bundestrainer Christian Prokop bleibt trotz der nächsten Hiobsbotschaft an Silvester zuversichtlich.

«Wir haben einen ganz schönen Aderlass, deshalb wäre es nicht verkehrt, wenn die Erwartungshaltung der Öffentlichkeit nicht ins Unermessliche steigt. Aber ich finde, dass wir bewusst und konsequent an unseren Zielen festhalten sollten», betonte Prokop vor dem Start der Turniervorbereitung am Donnerstag in Frankfurt.

Der Ausfall von Rückraumspieler Franz Semper, der wegen «Zeichen einer Herzmuskelentzündung» für die Endrunde vom 9. bis 26. Januar absagen musste, bedeutete den nächsten Rückschlag für die Ambitionen der DHB-Auswahl. «Mit der krankheitsbedingten Absage von Franz Semper fällt uns erneut ein Rückraumrechter aus, der eine hohe Durchschlagskraft besitzt», stellte Prokop fest.

Für den 22 Jahren alten Linkshänder vom SC DHfK Leipzig wurde der Stuttgarter Neuling David Schmidt nachnominiert. Semper ist nach Fabian Wiede, Tim Suton, Simon Ernst, Martin Strobel und Steffen Weinhold bereits der sechste Rückraumspieler, der dem WM-Vierten beim Turnier in Norwegen, Österreich und Schweden fehlt. «David Schmidt wird nun mit Kai Häfner zusammen die Position Rückraumrechts ausfüllen. Ich hoffe, dass er die im Verein gezeigten Leistungen voll in die Nationalmannschaft einbringen kann», sagte Prokop.

Denn der Bundestrainer möchte mit dem DHB-Team bei der EM eine ähnliche Euphorie entfachen wie bei der Heim-WM 2019, als die Handballer die Herzen der Fans eroberten. «Ich glaube, dass die Euphorie im Land wieder schnell entstehen kann, aber jetzt geht es erstmal bei Null los», sagte Prokop in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. «Bei der EM braucht es unseren Anschub, dass wir mit Erfolgen und der Art und Weise, wie wir spielen, den Handball wieder in die Öffentlichkeit bringen und damit an die WM-Euphorie anknüpfen.»

Am Donnerstagvormittag reisen seine 17 Auserwählten zum EM-Feinschliff in Frankfurt an. Auf dem Programmen stehen dann auch die letzten Test-Länderspiele gegen Island in Mannheim am Samstag und Österreich in Wien am kommenden Montag. «Jeder Spieler hat in der Vorbereitung seine Einzelaufgaben bekommen - ob im athletischen, technisch-taktischen oder mentalen Bereich. Ich bin zuversichtlich, dass jeder sein Investment gemacht hat, damit wir als Mannschaft den entscheidenden Schritt weiterkommen», sagte Prokop.

In der EM-Vorrunde trifft das DHB-Team um Kapitän Uwe Gensheimer auf die Niederlande (9. Januar), Titelverteidiger Spanien (11. Januar) und Lettland (13. Januar). «Wir wollen gut starten und uns von Spiel zu Spiel in das Turnier hineinspielen», formulierte Prokop die Marschroute. «Erreichen wir das Halbfinale, wollen wir aus der Vergangenheit gelernt haben. Aber bis dahin ist es ein weiter Weg.»

Die Entwicklung der Mannschaft in den vergangenen zwölf Monaten bewertet der 41 Jahre alte Familienvater positiv. Als Voraussetzungen für eine gelungene EM bezeichnete er ein starkes Torhütergespann, eine aggressive Deckung und ein diszipliniertes Angriffsspiel. «Wir wollen unsere Stärken, die zum Erfolg geführt haben, wieder voll abrufen», betonte Prokop.

Gedanken an ein Scheitern verschwendet er nicht. «Wir wollen einfach an das anknüpfen, was wir vor einem Jahr gezeigt haben. Dafür müssen wir alle wieder Lust haben, 100 Prozent zu investieren und als Mannschaft füreinander da zu sein», sagte Prokop und formulierte seinen Wunsch für das sportliche Superjahr 2020 mit EM und Olympia: «Ich hoffe, dass es für uns ein sportlich sehr erfolgreiches Jahr wird und wir konsequent für unsere Hoffnungen arbeiten und handeln. Wir träumen als Leistungssportler von den Medaillen.»

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