WM in Japan Ein Niederländer verantwortlich für Höhenflug der DHB-Frauen

Ruhig und abgeklärt, kommunikativ und erfolgreich: So führt der Niederländer Henk Groener die deutschen Handballerinnen gerade wieder in Richtung Weltspitze. Am Sonntag wartet zum WM-Hauptrundenstart in Japan auf ihn ein besonderes Spiel.

Von dpa
Trainer Henk Groener (M) spricht zu den deutschen Nationalspielerinnen in einer Auszeit.
Trainer Henk Groener (M) spricht zu den deutschen Nationalspielerinnen in einer Auszeit. Foto: Marco Wolf

Kumamoto (dpa) - Henk Groener weiß, wie man in die Weltspitze kommt. Vor fast genau vier Jahren führte der Handball-Fachmann die Niederländerinnen ins erste WM-Finale und mit Silber zur ersten Medaille ihrer Geschichte.

Jetzt ist der Holländer Macher des deutschen Höhenfluges, den er am Sonntag (10.00 Uhr) im ersten Hauptrundenspiel der Weltmeisterschaft in Japan gegen sein früheres Team fortsetzen will. Noch ist Groeners Oranjes-Bilanz mit zwei Niederlagen und einem Testspiel-Sieg negativ.

«Wir kennen uns, viele Niederländerinnen spielen zudem in der Bundesliga. Dennoch ist es für mich immer noch etwas Besonderes», sagte der 59-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. Beide Kontrahenten zogen am Samstag ins gleiche Teamhotel in Kumamoto ein. «Natürlich wird da ein bisschen gefrotzelt, aber es geht neben der gesunden Konkurrenz sehr freundschaftlich zu», sagte Groener.

Vor einem Jahr gab es bei der EM in Frankreich genau dieses Duell zum Abschluss der Hauptrunde für Groener. Die Niederlande gewannen gegen ihren Ex-Trainer, qualifizierten sich fürs Halbfinale und gewannen Bronze, Deutschland wurde am Ende Zehnter. «Mittlerweile sind wir aber deutlich eher auf Augenhöhe als 2018», sagte Groener. Bei der aktuellen WM wirkt die deutsche Mannschaft deutlich gereifter - und hat viel mehr von Groeners Ideen aufsaugen können.

«Er lässt uns viele Freiheiten, wir sollen und dürfen vieles mitentscheiden. Henk ist ein unglaublich kommunikativer Trainer, der uns sowohl Selbstvertrauen als auch Lockerheit vermittelt», sagt Torfrau Dinah Eckerle. Im Frühjahr 2018 hatte Groener sein Amt als Nachfolger von Michael Biegler angetreten, nachdem die deutsche Mannschaft bei der Heim-WM bereits im Achtelfinale gescheitert war.

Acht Spielerinnen - darunter fast alle Leistungsträger - beendeten ihre Auswahlkarriere. Groener musste das Team fast komplett neu aufbauen, mit vielen Spielerinnen Anfang 20 wie Eckerle, Emily Bölk, Alicia Stolle oder der etwas routinierteren Julia Behnke. Beim ersten Turnier unter Groener, der EM 2018, fehlte noch die Konstanz, um ins Halbfinale einzuziehen. Mittlerweile spielt das Team viel stabiler und lässt sich selbst von klaren Rückständen nicht beeindrucken.

Die bislang einzige WM-Niederlage gab es gegen Frankreich. Doch weil der Welt- und Europameister als erster Titelverteidiger der WM-Geschichte bereits in der Vorrunden ausschied, nehmen die Deutschen die drei Punkte in die Hauptrunde mit. Damit ist die Auswahl des Deutschen Handballbundes zum Start Zweiter hinter den Niederländerinnen (4:0). Weitere Hauptrundengegner sind am Montag Serbien und am Mittwoch Rekord-Europameister Norwegen.

Die Chancen auf ein Ticket für die Olympia-Qualifikationsturniere im März 2020 stehen damit nicht schlecht. Dazu muss die DHB-Auswahl mindestens WM-Siebter werden. Aber insgeheim träumt man im deutschen Lager sogar von der ersten Medaille seit WM-Bronze 2007.

Groener weiß, wie man ein Team nach ganz oben bringt. 2009 übernahm er die «Oranjes» und führte sie mit einem intensiven Nachwuchsprogramm nach WM-Silber 2015 ins Olympia-Halbfinale von Rio. Parallel ist Groener seit einigen Jahren Chef der Trainerausbildung am renommierten Johan-Cruyff-Institut in Amsterdam.

Und so impft er seinen Spielerinnen Stärke ein, investiert viel Zeit in Gespräche und Analysen. Dabei ist Groener kein Vulkan an der Seitenlinie, sondern eher ruhig und abgeklärt. Wie sehr sein Arbeitgeber Groeners Aufbauarbeit schätzt, zeigt die Vertragsverlängerung schon vor der WM bis Ende 2021.

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