TBV Lemgo beim 26:36-Debakel gegen Hannover völlig chancenlos
Ausgespielt und vorgeführt

Lemgo (WB). Der TBV Lemgo hat in der Handball-Bundesliga das dritte Spiel in Folge verloren. Unter den Augen des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, der bei einem Privatbesuch in der lippischen Heimat einen Abstecher in die Phoenix-Contact-Arena unternahm, kassierte die Mannschaft des Trainers Florian Kehrmann gegen den Tabellenzweiten TSV Hannover-Burgdorf eine 26:36 (12:18)-Niederlage.

Sonntag, 08.09.2019, 17:44 Uhr aktualisiert: 08.09.2019, 18:52 Uhr
Im Zweikampf (von links): Andreas Cederholm (TBV Lemgo) und Joshua Thiele (TSV Hannover-Burgdorf) Foto: imago

Beste Werfer vor 3145 Zuschauern waren zwei Außen, Bjarki Mar Elisson beim TBV (7/3 Tore) und Timo Kastening (10/1) bei Hannover. Die weiterhin ungeschlagenen Niedersachsen schlossen durch ihren hochverdienten Erfolg bei nunmehr 8:0-Punkten zu Spitzenreiter SC Magdeburg auf. Lemgo rutscht mit 2:6-Zählern ins untere Mittelfeld ab. Die nächste Chance zum Punktesammeln besteht für den TBV am kommenden Sonntag in Erlangen.

»Das war ein perfektes Spiel von uns, sagte Hannovers Trainer Carlos Ortega: »Alles hat funktioniert. In der Abwehr war es super, und im Angriff waren wir sehr intelligent.« Kollege Kehrmann gratulierte zu einer »Topleistung und einem völlig verdienten Sieg.«

Lemgo behauptete nur in den Anfangsminuten eine knappe Führung. Aber nach dem 3:2 durch Fabian van Olphen (5. Minute) übernahmen die Gäste das Kommando. Mit drei Treffern in Folge zogen sie auf 5:3 (8.) davon. Beim 8:5 durch Linksaußen Cristian Ugalde führten die Niedersachsen erstmals mit drei Treffern.

Die Probleme des TBV

Lemgos Probleme waren nicht nur eindimensional. Im Angriff hatten sie gegen die mit Basketballelementen gespickte Raumabwehr der Hannoveraner ganz erhebliche Probleme, überhaupt in Kreisnähe zu gelangen. Und am eigenen Kreis bekamen sie die taktisch versierten und selbstbewusst auftretenden Gäste nicht zu fassen. Als Nationalspieler Fabian Böhm (13.) für die TSV das 9:6 (13.) erzielte, hatte Lemgo noch keinen gegnerischen Angriff unterbunden.

Kurz darauf sah Böhm nach einem Foul an Isaias Guardiola die Rote Karte. Doch auch diese Schwächung des Gegners vermochten die Lipper nur kurzzeitig zu nutzen. Elisson erzielte per Siebenmeter den 9:10-Anschlusstreffer (17.). Schagen gelang das 11:12.

Tor des Tages

Anschließend nutzte Hannover bis zum Seitenwechsel jede TBV-Schwäche gnadenlos aus. Das Tor des Tages gelang Kastening in der 27. Minute. Erst setzte er sich mit einer Pirouette im Eins-gegen-Eins gegen Lemgos Jonathan Carlsbogard durch. Dann erzielte er mit dem Rücken zum Tor per Rückhand seinen bereits siebten Treffer zum zwischenzeitlichen 16:11. Dem so viel Dynamik und Spielwitz gegenüber hilflos wirkenden TBV-Schweden hängte er dabei auch noch eine Zwei-Minuten-Strafe an. Zum Seitenwechsel führte Hannover 18:12. Hochverdient.

Doch der Tiefpunkt aus Lemgoer Sicht war noch gar nicht erreicht. Angeführt vom überragenden Spielgestalter Morten Olsen, dessen intelligenter Spielaufbau sogar aus dem Stand funktionierte, machten die Gäste nach der Pause weiter, wo sie zuvor aufgehört hatten. Keine zehn Minuten waren nach Wiederbeginn gespielt, da lag der TBV zweistellig zurück – 15:25. Getroffen hatte der Weltklasse-Mittelmann aus Dänemark dieses Mal selbst.

Spät aufgewacht

Erst nach dem 17:27 (44.) überwand der TBV die Schockstarre. Mehr als eine zwischenzeitliche Ergebniskorrektur war aber nicht mehr drin. Eine respektable Angriffsleistung zeigte in dieser Phase Lemgos Carlsbogard, der in der ersten Halbzeit noch so einfach von Kastening ausgetanzt worden war. Der Schwede versuchte viel in seinem ersten Spiel nach monatelanger Verletzungspause. Ihm gelangen zwei Tore.

Lemgo - Hannover 26:36 (12:18)

TBV-Tore: Elisson 7/3, Klimek 3, van Olphen 3, Carlsbogard 2, Cederholm 2, Guardiola 2, Suton 2, Theuerkauf 2, Zerbe 2/1, Schagen 1

TSV-Tore: Kastening 10/1, Olsen 7/1, Pevnov 5, Hanne 4, Cehte 2, Martinovic 2, Thiele 2, Böhm 1, Büchner 1, Patrail 1, Ugalde 1

Zuschauer: 3145

...

»Wir haben 20 Minuten dagegengehalten können und waren beim von 11:12 voll im Spiel«, bilanzierte Kehrmann: »Dann sind uns zwei, drei individuelle Fehler unterlaufen, die uns das Genick gebrochen haben. Kurz vor der Halbzeit kamen noch zwei Fehler hinzu, und wir lagen minus sechs zurück. Dann ist es gegen eine Mannschaft, die mit 6:0 Punkten gestartet ist, sehr, sehr schwer aufzuholen.« Der Trainer haderte vor allem mit der Abwehrleistung: »Wir wollten Hannover zu schweren Würfen zwingen und unter Druck setzen. Das haben wir überhaupt nicht geschafft. Wenn man Morten Olsen und Evgeni Pevnov machen lässt, dann läuft man nur hinterher, und die Torhüter haben keine Chance. Wenn man ihnen dann in der zweiten Halbzeit weiter diese Freiheiten gibt, ist das Spiel ganz schnell weg.« Kehrmanns Fazit: »Heute hätten wir noch drei Stunden spielen können. Solange man keine Abwehr spielt, hat man gegen keine Mannschaft in der Bundesliga eine Chance.«

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