Bei der Formel 1 im belgischen Spa gelingt die Balance aus Gedenken und Rennsportfaszination
Zwischen Leben und Tod, Freude und Trauer

Spa (WB). Wenn 90.000 Menschen gemeinsam für eine Minute schweigen, dann vergisst man diesen Moment nicht. Es ist 14.53 Uhr an diesem Formel-1-Sonntag im belgischen Spa. Dort, wo gleich die 1000-PS-Motoren lautstark röhren und heulen, herrscht eine ohrenbetäubende Stille. Am Vortag hat der französische Formel-2-Pilot Anthoine Hubert (22) auf der Strecke sein Leben verloren. Dass der Tod immer mitfährt, wird hier jetzt jedem wieder ins Bewusstsein gerufen.

Mittwoch, 04.09.2019, 03:01 Uhr aktualisiert: 04.09.2019, 09:40 Uhr
Der Monegasse Charles Leclerc gewinnt den Großen Preis von Belgien in Spa in seinem Ferrari. Auf seinem ersten Sieg liegt ein Schatten: der Tod seines Freundes Anthoine Hubert. Foto: Andreas Schnadwinkel

Der Circuit de Spa-Francorchamps öffnet schon um 6 Uhr. Und die ersten Rennsportfans bewegen sich mit ihren Campingstühlen und Kühltaschen zu den Plätzen in den Kurven, wo sie sich einen guten Blick erhoffen. Die Motorsport-Familie macht den Eindruck einer eingeschworenen Gemeinschaft. Man kennt sich und verbringt so manches Wochenende entlang der Leitplanken und Zäune. Was auffällt: Formel 1 ist keine Männerdomäne.

Fans kommen aus ganz Europa. In Spa haben die Niederländer die Oberhand. Gut 50.000 Menschen in Orange setzen ein optisches Zeichen. Der Personenkult um Max Verstappen (21), der als Nachfolger von Sebastian Vettel (32) bei Ferrari oder Valtteri Bottas (30) bei Mercedes gehandelt wird, kennt kaum eine Grenze. Das Gesicht des Red-Bull-Fahrers ist allgegenwärtig auf T-Shirts und Mützen. Wer die Heldenverehrung nicht übertreiben will, trägt eine dunkelblaue Teamjacke. Und natürlich, wie sollte es anders sein, bestätigen viele Niederländer schon morgens das Klischee: Pommes (sieben Euro) und Heineken (3,50 Euro) zum Frühstück.

Rund um das Formel 1-Rennen in Spa (Belgien)

1/48
  • Rund um das Formel 1-Rennen in Spa (Belgien)
Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel

»Rennzirkus«

Der Begriff »Rennzirkus« passt. Da die Zeit bis zum Start um 15.10 Uhr erfolgreich vertrieben werden muss, sorgen die Veranstalter für jede Menge Unterhaltung rund um die Formel 1. Die Fanzone ist eine große Kirmes. Besucher messen sich im Playstation-Bereich mit anderen auf dem virtuellen Kurs und scheitern beim Reifenwechsel in der Boxengasse.

Das größte Interesse ziehen die Autos auf sich. Mitten auf dem Gelände steht in einem Glaskasten ein Mercedes-Silberpfeil von Lewis Hamilton. Weniger schnittig, dafür noch faszinierender: die Ausstellung »Bond in Motion« der originalen James-Bond-Wagen mit dem Rolls Royce aus »Goldfinger«, dem Unterwasser-Lotus aus »Der Spion, der mich liebte« und diversen Aston-Martin-Modellen.

Tod von Anthoine Hubert

Dass Anthoine Hubert am Samstag gestorben ist , gerät bei so viel Ablenkung beinahe in Vergessenheit. Auf den überall platzierten Großleinwänden sendet das Formel-1-TV. Um 10.30 Uhr kündigt die britische Moderatorin eine spontane Gedenkminute an. 20 Minuten später stehen die Rennteams in der Boxengasse. Und praktisch veranlagte Leute fragen sich, ob der Formel-1-Zirkus immer einige hundert Trauerflore mit sich führt. Nach den Augenblicken absoluter Ruhe bringt der vierfache Formel-1-Weltmeister Alain Prost auf den Punkt, dass der Tod immer mitfährt: »Wir haben gedacht, dass tödliche Unfälle wie in den 80er Jahren heute nicht mehr passieren können. Aber es kann immer passieren.«

Nach diesen Worten zieht es einen zu Alain Prosts Rivalen von einst. Aus dem Ayrton-Senna-Truck werden Devotionalien des 1994 beim Großen Preis von San Marino in Imola tödlich verunglückten Brasilianers verkauft. Einer seiner Rennhelme in den Nationalfarben steht auf einem Sockel in einer Vitrine. Die Bilder seiner Todesfahrt sind sofort wieder da – der abgeknickte Kopf auf dem Rand des Cockpits. Auch am Michael-Schumacher-Stand überkommt einen ein Gefühl der Trauer über das Schicksal des begnadeten Racers. Nur seine Familie weiß, wie es ihm seit dem Skiunfall vom 29. Dezember 2013 geht. Der mittlerweile 50-Jährige lebt abgeschirmt in der Schweiz. »Ich glaube, Schumi sehen wir nie wieder«, sagt eine Frau zu ihrem Mann, während sie die roten Kappen betrachten. Hoffnung macht Mick Schumacher. Der 20-Jährige sagt zwar nichts über den Gesundheitszustand seines Vaters, aber er wirkt so ausgeglichen, als wäre zuhause alles in Ordnung – den Umständen entsprechend.

Die Formel 1 in Spa (Belgien)

1/45
  • Die Formel 1 in Spa (Belgien)
Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel
  • Foto: Andreas Schnadwinkel

Gedenken

Vor dem Start des Formel-3-Rennens kondoliert auch der Sohn der Legende Anthoine Huberts Mutter. Mick Schumacher ist Formel-2-Pilot und hat den tödlichen Unfall des jungen Franzosen auf der Strecke miterlebt. Vor dem offiziellen Gedenken drehen die Formel-1-Piloten noch eine Runde über die sieben Kilometer lange Ardennenschleife – als Beifahrer in Oldtimercabriolets hinter dem Safety Car, aus dem eine französische Flagge weht.

Die niederländischen Fahnen wehen nicht lange. Max Verstappen scheidet nach einer Kollision mit Kimi Räikkönen schon in der ersten Runde aus. Die Atmosphäre leidet: Zur Trauer kommt die Enttäuschung. Doch nach 44 spannenden Runden – Ohrstöpsel sind in Spa übrigens nicht notwendig – hätte es an diesem Rennwochenende keinen besseren Sieger geben können. Charles Leclerc (21) gewinnt seinen ersten Grand Prix und widmet den Sieg seinem am Vortag verstorbenen Freund Anthoine Hubert. Nebenbei ist es der erste Saisonsieg für Ferrari – vor dem Heimrennen am kommenden Sonntag in Monza. Wo jeder Fahrer wieder sein Leben riskiert.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6899539?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2509832%2F2198364%2F
Wolf bei Lichtenau im Kreis Paderborn nachgewiesen
Symbolbild. Foto: Alexander Heinl/dpa
Nachrichten-Ticker