Radprofi Rick Zabel ist bei Katusha-Alpecin erneut auf dem Weg zur Tour de France
»Ich vergleiche mich nicht mit Papa«

Bielefeld (WB). Bereit für größere Aufgaben: Mit seinem zweiten Profisieg hat Radrennfahrer Rick Zabel auf dem Weg zur Tour de France viel Selbstvertrauen getankt. Im Interview mit WB-Redakteur Hans Peter Tipp spricht der 25-Jährige aus dem Team Katusha-Alpecin auch über seinen Vater, den früheren Weltklassesprinter Erik Zabel. Der ist seit dieser Saison in der Mannschaftsleitung tätig.

Mittwoch, 05.06.2019, 14:00 Uhr
Rick Zabel hat seinen eigenen Weg im Profirennsport gefunden – auch beim Klassiker Paris-Roubaix beißt er sich durch. Foto: imago

Ihr Vater Erik Zabel ist als Performance Manager seit Jahresbeginn bei Katusha-Alpecin auch Ihr Vorgesetzter. Wann hat er Sie zuletzt einbestellt?

Rick Zabel: Eigentlich gar nicht. Als Performance Manager schaut er darauf, was die Trainer und Sportlichen Leiter mit den Fahrern abmachen. Er steht noch einmal eine Stufe darüber und kon­trolliert, ob alle ihre Arbeit gründlich machen. Wenn das nicht der Fall ist, dann ruft er auch mal an und fragt nach. Das ist bei mir nicht anders als bei allen anderen Fahrern auch. Da ich aber jemand bin, der eher mehr als weniger trainiert, bin ich mit ihm noch nicht angeeckt.

Ist Ihr Vater weiterhin Ihr wichtigster Ratgeber in Sachen Radsport?

Zabel: Ich glaube schon, dass ich einen starken eigenen Kopf habe. Ich lasse mir ungern etwas sagen. Ratgeber zu sein, ist immer ein bisschen schwierig bei mir. Ich würde sagen, dass ich viel auf André Greipel höre, mit dem ich häufig zusammen trainiere. Trotzdem ist mein Papa an vielen Entscheidungen beteiligt. Trainingsprogramm, Rennprogramm, Trainingslager – da frage ich ihn schon, was er davon hält.

Spüren Sie, dass Sie sich aus seinem großen Schatten lösen?

Zabel: Definitiv. Für mich persönlich ist dieser Schatten gar nicht da. Ich spüre diese Last nicht. Dieser Vergleich kommt ja immer von außen. Aber der belastet mich nicht, weil ich meinen eigenen Weg gehe. Ich vergleiche mich nicht mit meinem Papa. Das habe ich oft gemacht, als ich jünger war, und das hat mich frustriert. Aber dann habe ich erkannt: Ich bin glücklich mit der Person, die ich bin. Ich bin glücklich mit dem Leben, das ich führe. Ich bin glücklich als der Sportler, der ich bin. Mein Anspruch ist es nicht, der zweite Erik Zabel zu werden. Wenn ich meine Karriere mit zehn Siegen beende anstatt mit 212 wie er, dann ist das auch völlig okay für mich – solange ich eine gute Zeit hatte.

Sind Sie nach Marcel Kittels Ausfall im Sprint nun die Nummer eins in Ihrem Team?

Zabel: Mit Marco Haller, Jens Debusschere und mir gibt es bei uns drei Fahrer, die ungefähr auf Augenhöhe sind. Da wird immer die Tagesform entscheiden. Das ist aber gut so, denn das macht uns als Team ein bisschen unberechenbarer als bislang. Solange Marcel dabei war, war klar: Wir fahren für Marcel. Jetzt ist so, dass wir je nach Situation entscheiden, wer die besseren Beine hat. Es ist auf der einen Seite ein gutes Gefühl, wenn man weiß, dass es einen Plan B gibt, falls man sich nicht gut fühlt. Andererseits gilt: Wenn man selber zu oft der Plan B ist, kommt man auch wieder auf das Abstellgleis. Also muss man sich immer wieder beweisen. Dieser Konkurrenzkampf im Team bringt im Endeffekt jeden auf eine bessere Stufe. Wir fahren im Moment ganz gut damit.

So gut sogar, dass sie kürzlich bei der Tour de Yorkshire ihren ersten Etappensieg seit vier Jahren eingefahren haben. Was hat dieser Erfolg in Ihnen ausgelöst?

Zabel: Ich war in den letzten zwei Jahren eher in der Rolle des Anfahrers. In dieser Position kommt man zwar ins tiefe Finale, aber dem Sieg doch nicht ganz nahe. Ich war zufrieden mit der Rolle. Es war okay, nicht um den Sieg zu fahren. Trotzdem ist es schön, wenn man wie in Yorkshire als Sprinter nach einer langen Zeit die Chance bekommt, abliefert und einen eigenen Sieg auf das Konto holt. Das ist, gerade nach vier Jahren, ein Megagefühl. Da habe ich gesehen: Helfen ist schön. Aber es gibt nichts Schöneres, als selber zu gewinnen. Und bei der jetzigen Situation im Team war es schon wichtig für mich, auch dem Team zu zeigen: Hey, ihr könnt auf mich zählen.

Sie sind nicht beim Giro gefahren. Ist das ein Fingerzeig, dass es für Sie wieder zur Tour de France geht?

Zabel: Ja klar. Ich bin die Tour of California gefahren, die immer die erste Vorbereitung auf die Tour ist. Jetzt folgt im Juni als zweiter wichtiger Höhepunkt die Tour de Suisse. Und ich denke, dann ist es fast wieder so weit, dass man die Entscheidung vom Team bekommen wird, ob man gut genug für das Tour-Team ist. Ich trainiere definitiv, um meine dritte Tour-Teilnahme in Folge zu schaffen.

Zur Person

Radprofi Rick Zabel (25) fährt seit fünf Jahren in der World Tour, der Königsklasse des internationalen Radsports. 2014 und 2015 stand er bei BMC unter Vertrag. 2016 wechselte der Sohn des früheren Weltklassesprinters Erik Zabel zum Team Katusha-Alpecin. Vor einem Monat feierte Zabel junior auf der zweiten Etappe der Tour de Yorkshire seinen zweiten Profisieg, nachdem er vier Jahre zuvor eine Etappe bei der Österreich-Rundfahrt gewonnen hatte. In diesem Jahr ist Rick Zabel von Unna nach Köln umgezogen, wo er mit Nils Politt und André Greipel eine Trainingsgruppe bildet. An diesem Freitag startet Zabel bei der 40. Gütersloher Nacht, einem Dernyrennen mit zwei Vorläufen. Das Finale beginnt um 22 Uhr.

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