Tim Rose (21) aus Warburg jüngster Deutscher beim Ironman auf Hawaii »Top Ten – das wäre genial«

Warburg/Kailua-Kona (WB). Traumziel Hawaii: Für Triathlet Tim Rose aus Warburg-Scherfede geht dieser Traum in Erfüllung – als jüngster von mehr als 200 deutschen Teilnehmern bei der Ironman-WM auf Big Island. Der 21-Jährige startet um 7.05 Uhr Ortszeit (19.05 Uhr MESZ) in der jüngsten Altersklasse der 18- bis 24-jährigen Amateure. Unser Redakteur Günter Sarrazin erreichte Rose im Start- und Zielort Kailua-Kona.

Schwimmen, Radfahren, Laufen – in diesen drei Disziplinen geht der 21-jährige Scherfeder Tim Rose bei der Ironman-WM auf Hawaii an diesem Wochenende an seine Grenzen.
Schwimmen, Radfahren, Laufen – in diesen drei Disziplinen geht der 21-jährige Scherfeder Tim Rose bei der Ironman-WM auf Hawaii an diesem Wochenende an seine Grenzen.

Wie geht es Ihnen? Wie sind die Bedingungen?

Tim Rose: Der größte Unterschied zu den europäischen Rennen sind auf jeden Fall die hohen Temperaturen in Kombination mit der sehr hohen Luftfeuchtigkeit. Wenn dann noch sehr starker Wind dazukommt, sind das die Zutaten für einen Ort, an dem es einem nicht leicht gemacht wird, einen Ironman zu absolvieren. Durch meine frühe Anreise vor drei Wochen hatte ich genug Zeit, mich gut vorzubereiten und auf diese harten klimatischen Bedingungen einzustellen. Das hilft mir am Renntag hoffentlich, meine beste Leistung abrufen zu können.

Will am Renntag seine beste Leistung abrufen: Tim Rose.

Bei der Anreise ist aber nicht alles glattgelaufen...

Rose: Ich bin von Frankfurt nach Vancouver geflogen und von dort aus über Honolulu auf der hawaiianischen Insel Oahu nach Kona auf Big Island. Durch die zwei Umstiege ist mein Fahrrad leider in Vancouver geblieben, und ich bin ohne Rad auf Hawaii angekommen. Glücklicherweise haben sie es dann am Sonntag nachgeflogen, so dass ich keinen Trainingsausfall hatte.

Wo haben Sie seit Ihrer Ankunft für die Megaherausforderung mit 3,86 Kilometern Schwimmen, 180,2 Kilometern auf dem Rad und dem Marathon über 42,195 Kilometer trainiert?

Rose: Vor Ort und größtenteils auf Teilen der Wettkampfstrecke. Schwimmen gehe ich entweder im Meer oder im Kona Aquatic Center. Rad gefahren wird auf dem Queen K-Highway und gelaufen auf dem Ali’i Drive und im Energy Lab. Zur Erklärung: Die Radstrecke ist ein Kurs auf dem Highway mit Wendepunkt. Man fährt die ganze Westküste hinauf, bis man im kleinen Dorf Hawi umdreht und zurück nach Kona fährt. Der Marathon führt dann zuerst durch Kona, bevor es über den Highway aus der Stadt raus ins Energy Lab geht. Das Energy Lab ist so ziemlich der feindseligste Ort, an dem man Teile eines Marathons laufen will. Es handelt sich um ein militärisches Sperrgebiet, in dem die Hitze steht und es gerne mal über 40 Grad bei fast 100 Prozent Luftfeuchtigkeit hat.

Deutsche sind Favoriten

In der Nacht von Samstag zu Sonntag wird der berühmteste Ironman-Wettkampf der Welt zum 40. Mal auf Hawaii ausgetragen. Mit Sebastian Kienle (2014), Jan Frodeno (2015 und 2016) und Patrick Lange (2017) ging der Sieg bei den Männern zuletzt an deutsche Triathleten. Lange und Kienle zählen auch dieses Mal wieder zum Favoritenkreis. Nach Frodenos verletzungsbedingter Absage gilt das Rennen aber als sehr offen. Der Scherfeder Tim Rose sieht es so: »In meinen Augen gibt es gut zehn Athleten, denen ich den Sieg zutraue, darunter Sebastian Kienle.« Unter den 53 männlichen Profis sind mit Lionel Sanders (Kanada) und David McNamee (Großbritannien) auch die Nummer zwei und drei des Vorjahres. Bei den Frauen (39 Profis) führt der Sieg nur über die Schweizerin Daniela Ryf, die seit 2015 drei Mal in Folge als Erste im Ziel war.

Das ZDF überträgt die Ironman-WM live – Samstag als Livestream im Internet (ab 18.35 Uhr) und Sonntag (ab 0.30) auch im Fernsehen.

Was bedeutet es für Sie, dass ihr Hawaii-Traum nach bislang nur drei Starts auf der Ironman-Distanz schon jetzt in Erfüllung geht?

Rose: Der Ironman Hawaii ist das Rennen im Triathlon und war schon immer mein großes Ziel. Dass ich mich in diesem Jahr qualifizieren würde, habe ich im Frühjahr nicht für möglich gehalten. Ich war im Februar auf Lanzarote mit dem Rad gestürzt und hatte mir den linken Arm gebrochen. Diagnostiziert wurde das erst sechs Wochen später, als es plötzlich hieß, dass ich operiert werden müsse. Da war die Saison für mich mehr oder weniger gelaufen. Aber es ist ja zum Glück anders gekommen, und ich konnte Anfang August in Maastricht in 10:04:12 Stunden als Sieger meiner Altersklasse das Ticket für Hawaii lösen. Konkret heißt die Qualifikation, dass ich zu den besten Ironman-Athleten der Welt gehöre.

Was haben Sie sich vorgenommen?

Rose: Mein Ziel ist es, meine beste Leistung am Renntag abzuliefern. Konkret heißt das: Ich will so schnell schwimmen, wie es geht, in meiner stärksten Disziplin, dem Radfahren, konstant meine Wattwerte treten, und dann zum Abschluss einen guten Marathon laufen. Wenn ich das schaffe, bin ich zufrieden. Ich mache mein Ziel also nicht direkt an einer Platzierung fest. Aber wenn ich am Ende unter den ersten zehn Athleten meiner Altersklasse 18 bis 24 Jahre lande, dann wäre das absolut genial.

Wer ist Ihr Vorbild?

Rose: Ein richtiges Vorbild habe ich nicht. Es gibt einige Athleten wie den amtierenden Vizeweltmeister Lionel Sanders aus Kanada, die mich durch ihre Art und Weise inspirieren und von denen ich mir etwas abschaue.

Wie ist aus Ihnen ein Triathlet geworden?

Rose: Meine erste Erfahrung habe ich bereits vor zehn Jahren als Elfjähriger im Familienurlaub in Österreich gemacht. Dort hat ein Extremsportler ein Sportprogramm angeboten. Wir sind jeden Tag um sieben Uhr Mountainbike gefahren, und an einem Tag gab es auch einen Triathlon. Die Distanzen waren 100 Meter Schwimmen, 17 Kilometer Radfahren und 2,5 km Laufen. Eigentlich behalte ich nie eine Urkunde, aber die steht immer noch in meinem Zimmer, weil sie mich an meine Anfänge erinnert. Bis ich aber richtig zum Triathlon gekommen bin, hat es bis 2013 gedauert. Bis 2010 habe ich Fußball gespielt, unter anderem ein Jahr in der Jugend des SC Paderborn. Dann bin ich drei Jahre nur Rennrad gefahren und über die Erinnerung an den Wettkampf in Österreich schlussendlich zum Triathlon gekommen.

Welches Trainingspensum haben Sie 2018 absolviert?

Tim Rose: Durch meinen gebrochenen Arm und länger anhaltende Wadenprobleme im Frühjahr habe ich nicht ganz das gewünschte Pensum absolvieren können. Beim Schwimmen habe ich keine Statistik, aber Rad gefahren bin ich in diesem Jahr bereits gut 9000 Kilometer, und 1600 Kilometer habe ich in den Laufschuhen verbracht. Zeitlich sind es ungefähr 20 Stunden pro Woche.

Wie ist das zu schaffen?

Rose: Mit viel Disziplin und Selbstmotivation. Ich liebe es einfach, draußen in der Natur zu sein und Sport zu machen. Aber natürlich muss auch ich ständig meinen inneren Schweinehund überwinden. Sei es morgens um kurz vor sechs aufzustehen, damit ich um kurz vor sieben in den Pool hüpfen kann, oder mich bei schlechtem Wetter aufs Rad zu setzen. Darüber hinaus gibt es auch deutlich angenehmere Sachen im Leben als beispielsweise 8 x 1 Kilometer ›All-Out‹ um den Sportplatz zu rennen. Aber selbst das macht irgendwo auch wieder Spaß.

Tim Rose erfüllt sich auf Hawaii einen Traum.

Was treibt Sie an, solch ein Pensum leisten zu wollen?

Rose: Eine sehr gute Frage, die ich oft gestellt bekomme, aber nur sehr schwer beantworten kann. Ich weiß gar nicht, was genau der Auslöser war. Aber ich finde es einfach unglaublich spannend herauszufinden, wie weit ich mich und meine Leistung entwickeln kann. Ich möchte der beste Athlet werden, wie es möglich ist und dieser stetige Prozess treibt mich an – tagein, tagaus.

Müssen Sie auf vieles verzichten?

Rose: Das Gefühl habe ich nicht. Ich verbiete mir auch beim Essen nichts. Klar ernähre ich mich überwiegend gesund, aber wenn ich Lust auf Schokolade oder Eis habe, dann esse ich das. Und mit meinem Fernstudium Sportmanagement an der Universität Wismar lässt sich das alles gut vereinbaren.

Wer unterstützt Sie?

Rose: Meine wichtigsten Unterstützer sind meine Eltern. Das war beim Fußball schon so und ist es auch jetzt noch. Ohne ihre kompromisslose Bereitschaft, mich immer zu unterstützen und für mich da zu sein, wenn ich sie brauche, könnte ich den Sport nicht auf diesem Level absolvieren. Der familiäre Rückhalt ist insbesondere am Renntag sehr wichtig, und wir sind da mittlerweile ein sehr gut eingespieltes Team.

Sind die Eltern auch auf Hawaii dabei?

Rose : Ich war zunächst allein vor Ort. Heute kommen meine Eltern nach, und nach dem Wettkampf machen wir dann noch zehn Tage gemeinsam Urlaub.

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