Bielefelder Boxer Marko Huck auf dem Weg zum Traum Titelverteidigung Schlagen und Tanzen

Braunlage/Bielefeld (WB). Beim Griff in das Vaseline-Töpfchen verzieht sich das Gesicht von Marco Huck angewidert: »Ich hasse dieses Zeug. Und schon seit über zwölf Jahren muss ich es mir immer wieder ins Gesicht schmieren.«

Von Oliver Kreth
Hochleistungssport bedeutet dauerhaften Aufenthalt im körperlichen Grenzbereich: Marco Huck nach einer harten Trainingseinheit.
Hochleistungssport bedeutet dauerhaften Aufenthalt im körperlichen Grenzbereich: Marco Huck nach einer harten Trainingseinheit. Foto: Oliver Schwabe

 Der 32-Jährige ist im 13. Jahr seiner Profikarriere. Und der Griff zum Schmiermittel gehört für einen Boxer eben zur Vorbereitung nicht nur eines echten Kampfes, auch vor dem Sparring muss das »Zeug« ins Gesicht. Und derzeit muss es beim Weltmeister jeden Tag ins Gesicht.

Weg zum zweiten WM-Gürtel

Am 1. April will der in Bielefeld aufgewachsene Huck sich einen zweiten WM-Gürtel umhängen lassen – neben dem der IBO auch den des renommierten Weltverbandes WBC. Dabei steht ihm in der Dortmunder Westfalenhalle »nur« noch der Lette Mairis Briedis im Weg.

Und ein bisschen auch Tony Bellew. Der Brite boxte kürzlich im Schwergewicht gegen Landsmann David Haye und gewann. Bleibt Bellew bei den ganz schweren Jungs, ist der Sieger aus dem Duell Huck/Briedis WBC-Weltmeister, will Bellew allerdings doch zurück ins 90-Kilo-Fach, muss Huck (oder Briedis) gegen ihn antreten – und erst dann ist der grüne Gürtel endgültig beim neuen oder alten Weltmeister angekommen.

Jeden Tag drei bis vier Gegner

Marco Huck. Foto: Oliver Schwabe

Um all diese Modalitäten kümmert sich der ehemalige WBO-Weltmeister Huck derzeit nicht. Er steckt in der Sparringsphase. Sparring ist so etwas wie Wettkampf light. Wobei jeder Boxer das sicher so nicht umschreiben würde. Für die Faustkämpfer ist es eher schwieriger. Marco Huck stehen gerade fast täglich drei bis vier Gegner im Ring gegenüber. Zwei aus der Gattung flink und wendig, zwei aus der Gattung schwere Brocken. Sie sollen das komplette Spektrum der zu erwartenden Herausforderungen abdecken, die man auch von Briedis erwartet.

Und natürlich geben die Sparringspartner in ihren Runden Vollgas. Zwar ist neben dem Unterleib auch zusätzlich der Kopf geschützt, aber ansonsten fliegen die Fäuste in voller Geschwindigkeit Richtung Gegner, der Schweiß fließt in Strömen. Anders als nach einem WM-Schlussgong umarmen sich die Kontrahenten nach den Runden, klatschen sich ab.

Lob und Tadel halten sich die Waage

 Ganz genau schauen Oktay Urkal und Varol Vekiloglu in den Ring. Die Trainer rufen Anweisungen in den Ring. Lob und Tadel halten sich die Waage. Nur in Sachen Stabilität, da ist Ex-Europameister Urkal gar nicht zufrieden. Er schlüpft elegant durch die Ringseile, schnappt sich seinen Arbeitgeber und demonstriert, wie es besser geht. Marco Huck hat danach alles im Griff.

Acht Runden Sparring (bis zum Kampf werden es 70 sein) standen auf dem Programm. Die vier Trainingspartner sehen nach ihren sechs Minuten im Ring schon wie frisch gebadet aus. Der Weltmeister erst nach 24 Minuten.

Mehr als 100 Sit-ups

Doch die Arbeit ist da noch nicht zu Ende. Eine Runde Schattenboxen (damit ging das Training auch los), zwei Mal drei Minuten am Sandsack (Urkal ist als Motivator gefragt), dann noch mal irgendwas deutlich über 100 Sit-ups. Danach ist immer noch nicht Schluss. Dann gibt es noch eine besonderes Ballettaufführung. Urkal und Huck in fließenden Meidbewegungen: Das ist Eleganz pur.

Die letzte Sparringseinheit wird am nächsten Freitag absolviert. Dann geht es wieder runter vom Berg. Der zweifache Familienvater ist darüber glücklich. Huck: »Irgendwann fällt einem hier die Decke auf den Kopf. Wirklich viel ist hier nicht los.«

Zeit zum Grübeln

Was ja durchaus sinnvoll sein kann in einer kraftraubenden Vorbereitung auf einen WM-Vereinigungskampf. »Aber wenn man so viel Zeit hat, dann kommt man auch schon mal ins Grübeln«, gesteht der Profiboxer. Er weiß aber auch: Gewinnt er in Dortmund gegen Mairis Briedis, hat er sich einen weiteren Traum erfüllt. Und kann dann auch ausgelassen feiern.

Bis es dann wieder so weit sein wird – fürs Schlagen und Tanzen in Braunlage.

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