Gesundheit
Nägelkauen: Lästige Angewohnheit oder medizinisches Problem?

Millionen Menschen haben die lästige Angewohnheit, ihre Fingernägel abzukauen. Studien zufolge ist diese schlechte Angewohnheit ein Indiz für Depressionen und Verlustängste. Menschen, die an ihren Nägeln herumkauen, haben nicht automatisch ein medizinisches Problem. Vielmehr können sie einfach gelangweilt oder unfähig sein, sich während ihrer Freizeit aufrichtig zu entspannen. In solchen Fällen ist das Laster als Begleitsymptom zu werten. Doch der Grat zwischen schlechter Angewohnheit und ernsthaftem medizinischem Problem verläuft schmal.

Freitag, 05.02.2021, 05:27 Uhr aktualisiert: 05.02.2021, 13:30 Uhr
Foto: Colourbox

Fingernägel kauen: Welche Ursachen stecken dahinter?

Der aktuelle Forschungsstand unterscheidet jeweils verschiedene Subtypen von „Nägelkauen“ voneinander. Bei einer Gruppe handelt es sich um Kinder und/oder Jugendliche, die schon in jungen Jahren mit dem Abknabbern der Nägel beginnen. Mitunter zieht sich die lästige Angewohnheit bis ins Erwachsenenalter, sofern es den Betroffenen nicht gelingt, damit aufzuhören. Erst bei dieser Ausprägung spricht man im medizinischen Sinne von der klassischen „Onychophagie“. Sie unterscheidet sich von der anfangs lästigen Angewohnheit durch aggressives Verhalten. So essen Menschen, die an dieser Art der körperbezogenen Verhaltensstörung leiden, ihre Nägel beispielsweise auch.

Exzessivem Kauen liegen unterschiedliche Ursachen zugrunde. Ungelöste Konflikte, aber auch anspannende Situationen, akute Langeweile oder Angstzustände lösen die Knabberei aus. Ein Unterschied zwischen Kinder und Erwachsenen besteht darin, dass die Kleinen als Ersatzhandlung knabbern. Dies passiert etwa, wenn sie natürliche Emotionen wie Wut oder Aggressivität nicht ausleben dürfen oder gezwungen sind, ungelöste Konflikte zu verarbeiten. Insbesondere Kinder und Jugendliche finden im Nägel kauen eine Art emotionales Ventil, das ihnen dabei hilft, mit stressigen Situationen und negativen Gefühlen besser umzugehen.

Nägelkauen behandeln: Diese Möglichkeiten gibt es

Beim Nägelkauen lässt sich keine Tendenz zu einem bestimmten Geschlecht erkennen, wie es bei anderen Krankheiten der Fall ist. Während Frauen aufgrund des allgemeinen Schönheitsideals häufiger von Krankheiten wie Magersucht betroffen sind, gibt es beim Nägelkauen keine Geschlechter-spezifische Präferenz. Kauen betroffene lediglich gelegentlich an ihren Nägeln, besteht vor allem aus ästhetisch-kosmetischer Sicht Handlungsbedarf. Ist das Nägelkauen als lästige Angewohnheit einzuordnen, helfe die nachfolgenden Mittel:

Spezielle Nagellacke: Betroffene, die zum Knabbern neigen, kann mit einem speziellen Nagellack geholfen werden. Dieser weist einen bitteren Geschmack auf, durch den das Kauen unangenehm wird.

Kurze Nägel: Menschen mit kurzen Nägeln kommen gar nicht erst in Versuchung, daran zu knabbern. Hilfreich ist es also, die Nägel zu kürzen, um weniger „Angriffsfläche“ zu haben.

Verbot: Mit viel Selbstdisziplin lässt sich ein persönliches Kauverbot aussprechen. In der ersten Zeit betrifft dieses Verbot lediglich einen bestimmten Nagel. Nach und nach weitet es der Betroffene auf alle Nägel aus, sodass er schrittweise eine „Entwöhnung“ erreicht.

Maniküre: Frauen und Mädchen können schön lackierte Fingernägel helfen, von dem persönlichen Laster loszukommen.

Ursachenforschung: Wichtig ist es, neben den genannten Maßnahmen Ursachenforschung zu betreiben. Falls sich das Nägelkauen in belastenden Stresssituationen zeigt, helfen etwa Entspannungstechniken und Gesprächstherapien dabei, negative Gefühle verarbeiten zu lernen. Auch erweisen sich Bewegungseinheiten in der Natur als hilfreich, um nervös-negative Gefühlszustände zu verarbeiten. Gibt es hingegen keine erkennbare Ursache, lässt sich ein „Nägel-Tagebuch“ einführen. Darin listen Betroffene die Situationen auf, in denen sie plötzlich ihre Fingernägel abkauen.

Wann aus der lästigen Angewohnheit ein medizinisches Problem erwächst

Ein medizinisches Problem liegt vor, sobald Betroffene exzessiv, unkontrolliert und in kurzen Abständen regelmäßig ihre Nägel kauen. Mit solch einem Verhalten steigt die Wahrscheinlichkeit, gesundheitliche Folgen zu erleiden. Schlimmstenfalls sind die betroffenen Nägel entweder dauerhaft geschädigt oder entzündet. Auch Zahnfleisch und Zähne können infolge des Lasters in Mitleidenschaft geraten. Seltener klagen Nägelkauer über Magen-Darm-Probleme, sofern sie in größeren Mengen abgebissene Hornhautzellen hinunterschlucken. 

Nägelkauen als Zeichen psychischer Erkrankungen

Psychische Krankheiten stehen mit dem Nägelkauen in Zusammenhang. Psychologen vermuten, dass Menschen, die an Zwangs- oder Impulsstörungen leiden, häufig ebenfalls zu selbstverletzenden Verhaltensweisen neigen. Davon betroffen sind unter anderem Patienten mit ADHS, Angst- oder Bindungsgestörte. Bei diesen Patienten raten Experten das sogenannte „Habit Reversal Training“ an. Bei dieser Methode geht es um eine Reaktionsumkehrhaltung. Ziel ist es, sich den Situationen des Nägelkauens bewusst zu werden – und für diese Falle Handlungsalternativen einzuüben. In erster Linie können dies andere körperliche Reaktionen wie Faustballen sein. 

Auch die Entkopplungsmethode ist eine weitere Variante, bei der Nägelkauer ihr Verhalten nachahmen, aber zum Ende hin abändern. Das bedeutet, dass die Bewegung nicht zu Ende geführt, sondern abgefälscht und somit „entschärft“ wird. Es kommt dabei auf eine ruckartige Bewegung an, die dem Betroffenen signalisiert, genau in diesem Moment von seiner lästigen Angewohnheit abzuweichen.

Betroffene müssen ernst genommen werden

Häufig leiden Betroffene unter der Situation, schrecken aber gleichzeitig davor zurück, ärztlichen Rat einzuholen. Zu groß sind in diesem Fall Schuld- und Schamgefühle, die an der Seele nagen. Für Mediziner und Psychologen besteht die Herausforderung darin, Betroffene ernst zu nehmen und weiterführende Hilfsangebote zu unterbreiten. Wichtig ist vor allem, bei einem vorliegenden medizinischen Problem der Ursache auf den Grund zu gehen – und langfristige Behandlungsmöglichkeiten zu schaffen.

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