Dr. Alfons Gunnemann (64) ist Chefarzt im Klinikum Lippe und Präsident der Urologie-Gesellschaft
Roboter hilft Ärzten bei Prostata-OP

Detmold -

Mit mehreren hundert Prostata-Eingriffen im Jahr gehört das Klinikum Lippe zu den Häusern mit der größten Erfahrung in Ostwestfalen-Lippe.

Mittwoch, 06.01.2021, 02:48 Uhr aktualisiert: 06.01.2021, 02:50 Uhr
OP-Roboter Im Klinikum Lippe.   Foto: Klinikum Lippe

„Die Operationsmethoden wurden in den vergangenen Jahren revolutioniert. Wir arbeiten heute nervenschonender und können Inkontinenz und Impotenz als OP-Folgen häufiger vermeiden“, sagt Chefarzt Dr. Alfons Gunnemann (64), Präsident der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie.

Mit dem Alter wächst die Prostata. „Die größte, die ich gesehen habe, entsprach einem Straußenei und wog 480 Gramm“, sagt der Urologe. Eine Vergrößerung sei meistens gutartig, aber eben nicht immer. Gesetzlich Versicherte haben deshalb ab 45 Anspruch auf eine Vorsorgeuntersuchung, die im Wesentlichen aus einer rektalen Tastuntersuchung besteht. Wer etwa 25 bis 35 Euro zahlt, kann außerdem seinen sogenannten PSA-Wert bestimmen lassen. Dr. Gunnemann empfiehlt das jedem Mann ab 45. „Und wenn der Vater Prostatakrebs hatte, sollte man das auch schon mit 40 tun.“

Der PSA-Wert alleine sage aber nichts über einen möglichen Tumor aus, er könne auch durch Entzündungen oder mechanische Einwirkungen wie das Fahrradfahren steigen. „Wenn der Wert erhöht ist, also über vier liegt, sollte er weiter beobachtet werden. Und wenn er im Laufe der Zeit steigt, sollte ein Urologe genauer hinsehen.“

Bestehe ein Tumor-Verdacht, werde die Prostata mit Ultraschall und im MRT untersucht. „Erhärtet sich der Verdacht, muss mit einer speziellen Nadel Gewebe zur Untersuchung aus der Prostata entnommen werden“, sagt Dr. Gunnemann. Die Standard-Methode sei die Gewebeentnahme durch den Darm. „Wegen der Keime dort besteht allerdings das Risiko einer Sepsis. Der Arzt sollte sich deshalb vorher mit einem Abstrich ein Bild von der Darmflora machen und mit Antibiotika vorbeugen.“ Er selbst bevorzuge die Biopsie durch den Damm, sagt der Chefarzt. „Das birgt weniger Risiken, ist aber aufwendiger, weil der Patient in der Regel in Kurznarkose gelegt werden muss.“

Dr. Alfons Gunnemann vom Klinikum Lippe ist Präsident der Urologie-Gesellschaft NRW.

Dr. Alfons Gunnemann vom Klinikum Lippe ist Präsident der Urologie-Gesellschaft NRW. Foto: Christian Althoff

Bestätigt sich der Tumor-Verdacht, gibt es mehrere Optionen: „Entscheidend ist die Lebensqualität des Patienten. Es gibt Männer, die sich aus Angst vor Inkontinenz und Impotenz nicht operieren lassen möchten und bewusst auf den Eingriff verzichten. Andere wiederum wollen den Krebs auf jeden Fall loswerden.“ Zum Glück gebe es im Klinikum Lippe nicht den wirtschaftlichen Druck, möglichst viele Operationen durchzuführen. „Das ist der Vorteil vieler Krankenhäuser in kommunaler Trägerschaft“, sagt der Chefarzt.

Muss die Prostata oder ein Teil entfernt werden, setzen die Ärzte im Klinikum Lippe den sogenannten Da-Vinci-Roboter ein. Die Methode eignet sich allerdings nicht für jeden: Die Patienten müssen zweieinhalb Stunden in 30-Grad-Schräglage mit tiefliegendem Kopf verbringen und dabei beatmet werden, was bei Kranken mit Lungenproblemen nicht so einfach ist. „In diesen Fällen operiere ich deshalb klassisch mit einem Schnitt zwischen Schambein und Bauchnabel“, sagt Dr. Alfons Gunnemann.

Für die Da-Vinci-Methode habe er dagegen zwei Spezialisten „aus der Generation Videospiel“, wie er sagt, denn Auge-Hand-Koordination sei sehr wichtig. Bei dieser Art zu operieren sitzt der Arzt abgesetzt vom OP-Tisch an einer Bildschirmkonsole. Durch fünf Löcher in der Bauchdecke werden eine Kamera und vier Werkzeuge in den Körper geführt. An seinem Arbeitsplatz sieht der Urologe das Operationsgebiet in zehnfacher Vergrößerung und steuert Scheren und Werkzeuge zum Veröden mit seiner Fernbedienung. Ist die Prostata herausgelöst, wird sie durch die größte Öffnung, die der Kamera, aus dem Bauch geholt.

Das Risiko für Inkontinenz liege nach so einer Prostata-OP bei fünf Prozent, sagt Dr. Gunnemann, das für Impotenz bei 40 Prozent. „Aber auch die anderen 60 Prozent der Patienten haben kein Sexualleben mehr wie vorher.“ Mit Schwellkörper-Implantaten, Medikamenten und Spritzen könnten die Folgen aber gemildert werden. „Auch wegen dieser Nebenwirkungen lautet unser Rat: So spät wie möglich operieren, aber so früh wie nötig. Es darf nicht zu Metastasen kommen.“

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