AOK Westfalen-Lippe stellt wissenschaftliche Studie vor
Deutlich weniger Asthma-Tote

Dortmund -

Die Behandlung von Asthmatikern mit Medikamenten hat sich in 20 Jahren erheblich verbessert. Starben 1998 in NRW noch fast sechs Menschen pro 100.000 Einwohner an den Folgen der Krankheit, so war es 2018 nur noch einer. Und auch die Zahl der asthmabedingten Krankenhauspatienten in Nordrhein-Westfalen nahm ab – von etwa 12.500 (2000) auf 7.700 (2018).

Mittwoch, 11.11.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 11.11.2020, 06:32 Uhr
Oft wird bei Jungen bis 14 Asthma festgestellt. Ein regelmäßig inhaliertes Kortison-Spray kann die Krankheit lindern. Foto: AOK

Diese Zahlen nannte die AOK Westfalen-Lippe, als sie am Dienstag in Dortmund ihren Gesundheitsatlas zum Thema Asthma vorstellte. Dazu hatten das wissenschaftliche Institut der Krankenkasse und die Uni Trier AOK-Patientendaten auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet. Die AOK vertritt etwa ein Drittel der gesetzlich Versicherten.

In Deutschland leidet fast jedes zehnte Kind irgendwann einmal an Asthma, bei den Erwachsenen ist es fast jeder 20. Bei diesen Menschen reagieren die Bronchien übersensibel auf Dinge wie Stäube oder Pollen. Die Bronchien sind deshalb dauerhaft entzündet, und die Atemwege werden enger: durch Schleimhautschwellung, durch eine Verkrampfung der Bronchialmuskulatur und auch durch das Sekret. Zu den Folgen zählen Husten, Atemnot, zäher Schleim in den Atemwegen, ein Engegefühl in der Brust und Atemgeräusche.

Galt früher vor allem die Luftverschmutzung, etwa im Ruhrgebiet, als ein Auslöser der Krankheit, so weiß man heute, dass es viele allergene Stoffe sein können: Mehl, Tierhaare, Holzstaub, Klebstoff, Friseur-Chemie... Aber auch Übergewicht, Fettleibigkeit (Adipositas), genetische Faktoren und Tabakrauch können das Risiko für die Entstehung von Asthma vergrößern.

Der Gesundheitsatlas der AOK zeigt, dass die Zahlen der Betroffenen von Region zu Region variieren. Während sich der Studie zufolge im Kreis Minden Lübbecke nur 3,6 Prozent der Menschen wegen Asthma behandeln lassen, sind es in Gelsenkirchen 5,6 Prozent. „Wir können diese Unterschiede nicht erklären“, sagt AOK-Sprecher Jens Kuschel. „Besonders auffällig ist es im Münsterland. Da steht die Stadt Münster mit einem Wert von 3,7 Prozent sehr gut da, während es im benachbarten Kreis Warendorf 5,3 Prozent sind.“

Insgesamt liegt Westfalen-Lippe mit einer Asthmatikerquote von 4,7 Prozent über dem Bundesdurchschnitt von 4,2 Prozent. Am häufigsten bekommen laut AOK Frauen über 70 und Männer über 80 die Diagnose Asthma, aber auch Jungen bis 14 sind oft betroffen. In allen Altersgruppen ab 25 aufwärts sind mehr Frauen asthmakrank als Männer.

Was empfehlen Mediziner diesen Patienten? Dr. Ralf Schipmann ist Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie, Allergologie und Sozialmedizin und leitet die Klinik Martinusquelle in Bad Lippspringe. Er sagt: „Wie bei anderen chronischen Krankheiten empfehlen wir auch bei Asthma eine gesunde Lebensführung mit mediterraner Küche und viel Bewegung. Dazu kommt beim Asthmatiker, dass er täglich ein kortisonhaltiges Mittel inhalieren sollte.”

Dieses Medikament hemme die Entzündung der Bronchien und reduziere ihre Überempfindlichkeit gegen Staub, Pollen und Schimmelsporen. Häufig werde das Mittel mit einem „Weitsteller“ für die Bronchien kombiniert. Dr. Schipmann: „Ein Asthmatiker ist dann gut eingestellt, wenn er mit seiner täglichen Inhalation ein weitgehend normales Leben führen kann. Jeder Asthmatiker hat ein Notfallspray bei sich, um bei Atemnot die Atemwege zu weiten. Aber häufiger als zwei Mal in der Woche sollte er das Spray nicht einsetzen müssen.” Es gebe allerdings Patienten, die nicht regelmäßig Kortison inhalierten und stattdessen mehrmals am Tag das Notfallspray nähmen. „Aber das ist der falsche Weg.”

Hinweise darauf, dass Corona-Infektionen überproportional oft Asthmatiker treffen, hat die AOK in ihrer Untersuchung übrigens nicht gefunden. Vorstands-Chef Tom Ackermann: „Studien weisen darauf hin, dass gut eingestellte Asthmatiker kein erhöhtes Risiko haben.“ Deshalb rät der Lungenfacharzt Dr. Ralf Schipmann, gut eingestellte Patienten sollten nichts an ihrer Therapie ändern. „Denn eine entzündete Bronchialschleimhaut kann das Einfallstor für Corona-Viren sein.“

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