Archäologen finden Spuren aus dem 12. und 13. Jahrhundert
Aus Rhedas Anfängen

Rheda-Wiedenbrück (WB/epd). Neueste archäologische Funde im Rheda-Wiedenbrück (Kreis Gütersloh) erlauben Forschern Einblicke in die mittelalterliche Siedlungsentwicklung der westfälischen Stadt. Auf einem Baugrundstück in der Altstadt wurden Pfostengruben mit Holzresten, Keramik und Mauerreste aus dem zwöften und 13. Jahrhundert entdeckt, wie der Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) am Dienstag mitteilte.

Mittwoch, 07.10.2020, 02:00 Uhr aktualisiert: 07.10.2020, 10:14 Uhr
Das Grabungsteam legt die aufgedeckten Strukturen nach und nach weiter frei, um sie sachgerecht zu dokumentieren. Foto: LWL

Die auf dem Areal einer alten Brennerei entdeckten Siedlungsspuren reichten in die Bauzeit der 1170 erstmals erwähnten Burg Rheda sowie der 1221 vor deren Toren angelegten Burgmannsiedlung zurück.

„Wir haben bisher dutzende Pfostengruben sowie Wand- oder Parzellengräbchen entdeckt, die zu Holzbauten verschiedener Zeiten gehören”, berichtet Grabungsleiter Robert Süße. Sogenannte Parzellengräbchen dienten zur Kennzeichnung der einzelnen Grundstücke. Sie zeichnen sich als dunkle Streifen im Boden ab.

Das Drohnenfoto von der Grabungsfläche in Rheda zeigt noch bauliche Überreste der ehemaligen Brennerei auf dem Grundstück. Da des neue Gebäude, das hier entsteht, nicht unterkellert wird, besteht die Chance, ein sichtbares Bodendenkmal zu errichten.

Das Drohnenfoto von der Grabungsfläche in Rheda zeigt noch bauliche Überreste der ehemaligen Brennerei auf dem Grundstück. Da des neue Gebäude, das hier entsteht, nicht unterkellert wird, besteht die Chance, ein sichtbares Bodendenkmal zu errichten. Foto: LWL

„In mehreren Pfostenreihen und -konzentrationen haben sich noch bis zu 60 Zentimeter tief im Boden steckende Reste der tragenden Holzpfosten erhalten. Sie gehören zu unterschiedlichen Bauphasen auf dem Gelände. Keramikfunde zeigen uns, dass hier bereits in der Zeit um 1200 Gebäude gestanden haben”, so Süße.

Einige Befunde auf der Fläche sind Gruben und Mauerreste, die zum jetzigen Zeitpunkt der Untersuchung nicht genauer datiert werden können, die aber ebenfalls von der langen Siedlungsentwicklung in Rheda zeugen. Aus dem 11. Jahrhundert sind Historikern die ersten urkundlichen Erwähnungen einer Ansiedlung in Rheda bekannt.

Siedlungsentwicklung der Altstadt

.„Die Ausrichtung der Pfostengruben lässt erkennen, dass die im Hochmittelalter üblichen Holzbauten zur Widumstraße hin ausgerichtet waren. Diese muss also bei der Errichtung der Gebäude bereits bestanden haben, und wahrscheinlich wurde die Ansiedlung vor der Burg mit einer gewissen Planmäßigkeit errichtet”, erläutert Dr. Julia Hallenkamp-Lumpe von der Außenstelle Bielefeld der LWL-Archäologie für Westfalen. „Hinter solchen zur Straße ausgerichteten Wohnbauten lagen üblicherweise Garten- bzw. Hofareale mit Brunnen, Kloaken und Abfallgruben.“

Dass mit solchen Spuren auch auf dem aktuellen Grabungsgelände zu rechnen ist, zeigt ein erster aufgedeckter Steinbrunnen. Für die Experten ist die Fundstelle in Rheda von besonderer Bedeutung. Sie erlaubt erstmals Einblicke in die Siedlungs- und Stadtentwicklung der Altstadt. Im weiteren Verlauf der archäologischen Arbeiten werden mit großer Wahrscheinlichkeit noch weitere Spuren der Vergangenheit ans Licht kommen. Da der geplante Bau nicht unterkellert wird, sollen diese Zeugnisse als ortsfestes Bodendenkmal unter dem Neubau erhalten bleiben.

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