Homeoffice
Jeder Dritte hat häufiger Rückenschmerzen

Aufgrund der Corona-Krise arbeiteten deutlich mehr Menschen im Homeoffice. Ihren Rücken scheint das nicht gut zu bekommen, zeigt eine Umfrage

Mittwoch, 08.07.2020, 03:59 Uhr aktualisiert: 08.07.2020, 14:04 Uhr
Foto: kaboompics, pixabay.com

Auf dem Küchenstuhl vor dem Laptop, vielleicht auch mit dem Notebook auf der Couch: Was zunächst als kleine Unannehmlichkeit oder, im Fall des Sofas, als Luxus erscheinen mag, ist auf Dauer eher schädlich für den Rücken. Dass nach einigen Wochen am provisorischen Heimarbeitsplatz durch ungewollte Zwangshaltungen, einseitige Belastungen und Bewegungsmangel Rückenprobleme auftreten können, liegt nahe – und wurde jetzt durch eine repräsentative Civey-Umfrage bestätigt: Knapp 34 Prozent der Umfrage-Teilnehmer geben an, häufiger unter Rückenbeschwerden zu leiden, seit sie im Homeoffice arbeiten. Dabei sind Frauen (40 Prozent) öfter betroffen als Männer (27 Prozent). Überraschend ist: Das Homeoffice scheint besonders bei jungen Menschen zwischen 18 und 29 Jahren zu mehr Rückenschmerzen zu führen, nämlich bei 40 Prozent. Möglicherweise haben die älteren Befragten (50 bis 64 Jahre) sich ergonomisch besser im Homeoffice eingerichtet. Bei ihnen berichten nur 30 Prozent von vermehrten Rückenschmerzen.

Eine Frage der Haltung – und der Bewegung 

Passen die Höhen von Stuhl, Tisch und Bildschirm nicht ergonomisch zueinander, ist es schwierig, mit geradem Rücken, ausbalanciertem Nacken und entspannten Schultern zu arbeiten. Fehlhaltungen, die sich anfangs durch Lockerungsbewegungen wettmachen lassen, führen nach Tagen oder Wochen zu manifesten Verspannungen. In der Phase der strikteren Corona-Einschränkungen kam hinzu, dass eines der besten Gegenmittel gegen Rückenschmerzen nur eingeschränkt verfügbar war: Bewegung, sei es der flotte Marsch zum Bus oder der Besuch im Fitnesscenter. Auch vermeintlich kleine Bewegungseinheiten, etwa der Gang in der Mittagspause zur Kantine oder das Treppensteigen zum Meeting im oberen Stockwerk, bringen einiges – und fehlen im Homeoffice. Um dafür einen Ausgleich zu schaffen, braucht es einen Plan. Heimarbeiter können beispielsweise auch im Homeoffice mittags einmal um den Block gehen oder alle zwei Stunden Dehnübungen absolvieren.

Vorbeugen ist besser als leiden

Um Rückenproblemen vorzubeugen, empfiehlt die Aktion Gesunder Rücken e.V., auch zu Hause für eine gute Sitzhaltung zu sorgen – und beim Arbeiten in Bewegung zu bleiben: Bei Telefonaten beispielsweise zu stehen oder zu gehen, häufiger die Sitzposition zu verändern und wenn möglich zwischendurch im Stehen zu arbeiten. Regelmäßige spezielle Dehnübungen für Menschen , die viel am Schreibtisch sitzen, helfen ebenfalls.

Den Rücken ernst nehmen

Halten die Rückenschmerzen länger an, sollten sie beim Hausarzt oder Orthopäden abgeklärt werden – schließlich könnte auch ein Bandscheibenvorfall oder eine Wirbelblockade dahinterstecken. Zudem kann der Arzt die passende Therapie verordnen, damit aus „ich habe seit Tagen Rücken“ nicht ein monatelanges chronisches Rückenleiden wird.

Doch nicht immer haben Rückenschmerzen „mechanische“ Ursachen: Wenn bei jüngeren Menschen unter 35 Jahren Schmerzen und Steifigkeit im Kreuz vermehrt nachts auftreten und sich durch Bewegung verbessern, kann das auf eine entzündlich-rheumatische Erkrankung wie Morbus Bechterew hindeuten. Dann ist nicht der Orthopäde, sondern der Rheumatologe der richtige Ansprechpartner. Bei Morbus Bechterew gilt besonders: Je frühzeitiger die richtige Diagnose gestellt und die passende Therapie gefunden wird, desto besser.

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