In NRW sollen inzwischen wieder 1000 Tiere leben
Der Biber breitet sich aus

Düsseldorf (dpa). Er kann bis zu 30 Kilogramm schwer und einen Meter lang werden: Der Biber breitet sich mehr als 100 Jahre nach seiner Ausrottung wieder in den Landschaften des heutigen Nordrhein-Westfalens aus. „Wir reden derzeit über mehr als 1000 Tiere“, sagte ein Sprecher des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz. Landesweit gebe es ungefähr 340 Biberreviere.

Donnerstag, 06.02.2020, 05:15 Uhr aktualisiert: 06.02.2020, 05:20 Uhr
Im 19. Jahrhundert waren Biber in Deutschland fast ausgerottet, jetzt hat sich die inzwischen geschützte Art wieder erholt. Foto: dpa

Sowohl sein besonders weiches und dichtes braunes Fell als auch sein Fleisch, das per mittelalterlichem Papstedikt auch während der Fastenzeit gegessen werden durfte, waren bei den Menschen begehrt. Im 19. Jahrhundert hatten Jäger die seit 15 Millionen Jahren in Europa heimischen Biber fast in ganz Deutschland ausgerottet. 1877 gab es dann die für lange Zeit letzte Bibersichtung im Rheingebiet. Ab 1981 wurden zwölf Biber in der Eifel und ab 2002 weitere 26 im nördlichen Rheinland ausgesetzt.

Biber breitet sich von allein in NRW aus

Die biologische Station Düren berichtet von der guten Anpassungsfähigkeit der Biber, die entlang der Ruhr unter anderem Mühlenteiche, Stau- und Baggerseen besiedelten. Die Wiederansiedlung in der Eifel gelang mit Tieren aus einer Zuchtstation in Polen.

„Der Biber breitet sich glücklicherweise wieder von allein in Nordrhein-Westfalen aus“, sagte der Landesvorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) NRW, Holger Sticht. Das geschehe an mehreren Stellen und in der Regel über Bäche und Flüsse. Die Ausbreitung der Tiere in NRW erfolge aus Richtung Eifel und dem Niederrhein kommend. So sei er an der Lippe und der Ems eingewandert. Auch in der Weseraue bei Bad Oeynhausen ist der Biber heimisch geworden.

Andere Arten profitieren

„Der Biber ist ein natürlicher Wasserbauingenieur“, erklärte Sticht. Das Tier sorge mit Dämmen dafür, dass Flächen unter Wasser stünden. „Das führt dazu, dass die biologische Vielfalt regelrecht explodiert.“ Andere Arten profitierten von den Wasserflächen. Dazu gehörten Libellen, die teilweise sogar abhängig vom Biber seien. Zudem schaffe er offene Wiesen, die auch für Insekten wichtig seien.

Auch aus dem Blickwinkel des Klimaschutzes und des Hochwasserschutzes hat der Biber nach Ansicht von Sticht eine wichtige Rolle. Wasser werde durch seine Dämme an vielen Stellen zurückgehalten, statt schnell und gefährlich von den Flächen abzufließen. Zudem könnten sich Moore und Sümpfe entwickeln, die CO 2 speicherten. „Der Biber macht es kostenfrei und kann es so gut wie kein anderer“, erklärt Sticht.

Auch Konflikte mit Menschen

Allerdings gibt es auch Konflikte mit Menschen. Der Verband Familienbetriebe Land und Forst NRW weist darauf hin, dass der Biber nicht nur Bäume fälle, sondern auch entrinde. „Er liebt die Pappel“, sagt der Landesvorsitzend des Verbandes, Max Freiherr von Elverfeldt. Je mehr der Biberbestand zunehme, umso mehr werde er zu einem Problem. Der Biber habe keinen natürlichen Feinde. Deshalb sollten Biber – wie andere Wildtiere auch – irgendwann wieder gefangen und getötet werden können, wenn es einen ausreichenden Bestand gebe.

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