Studie: Millionen Jobs fallen weg, Millionen neue entstehen – Weiterbildung wird immer wichtiger
2025 arbeiten Roboter mehr als Menschen

Bielefeld (WB). Unsere Arbeitswelt wandelt sich radikal . Eine Studie des Weltwirtschaftsforums kommt zu dem Ergebnis, dass bis 2025 mehr Aufgaben von Robotern erledigt werden als von Menschen. Millionen Arbeitsplätze werden dadurch wegfallen, schreiben die Wissenschaftler in der Unter­suchung »The Future of Jobs« – aber auch neue entstehen.

Mittwoch, 06.03.2019, 10:00 Uhr
Mitarbeiter von Mercedes-Benz überwachen im Werk in Bremen, wie ein Roboter in das C-Klasse-Hybridmodell eine Batterie einsetzt. Foto: dpa

Laut der Studie aus dem vergangenen Jahr werden derzeit noch 71 Prozent der Arbeitsstunden von Menschen verrichtet. Dieser Anteil soll bis 2022 auf 58 Prozent sinken. Die übrigen 42 Prozent erledigten dann Maschinen und Algorithmen. 2025 sollen mehr als die Hälfte der Arbeitsstunden von Maschinen erledigt werden. 75 Millionen Arbeitsplätze könnten bis 2022 weltweit wegfallen beziehungsweise durch Maschinen ersetzt werden, heißt es in der Untersuchung. Es gibt aber auch gute Nachrichten: Zugleich würden 133 Millionen neue Stellen geschaffen. Für die seien dann aber zum Teil ganz neue Fachkenntnisse notwendig.

Das Weltwirtschaftsforum ist eine Stiftung, die zu Zukunfts­themen rund um das Thema Arbeit forscht. Bekannt sind ihre Wirtschaftskonferenzen in aller Welt. Für die Studie wurden Top-Manager und Personalchefs von weltweit mehr als 300 Unternehmen in Industrie- und Schwellenländern befragt, die zusammengenommen 70 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung repräsentieren. Außer einer Gesamtanalyse enthält die Studie zwölf Branchenprofile und 29 Länder- und Regionalprofile.

In Zukunft Gefragte Berufe

Die Gewinner der Entwicklung sollen Datenanalysten, Wissenschaftler, Software- und Anwendungsentwickler sowie Experten für elektronischen Handel und ­Social Media sein. Zugleich soll die Zahl jener Jobs wachsen, die besondere menschliche Fähigkeiten erfordern – zum Beispiel Verkaufs- und Marketing-Manager sowie Kundenberater. Auch die Bereiche Gesundheit und Pflege hätten Wachstumspotenzial.

Überflüssig würden dagegen klassische Bürojobs sowie Lohnbuchhalter und Sachbearbeiter. Die Tätigkeiten in diesen Berufen ließen sich sehr gut digitalisieren oder automatisieren. In Regionen wie Afrika, Nahost, Lateinamerika und Südasien seien hingegen weiterhin Fabrikar­beiter gefragt, wenn auch mit besserer Aus­bildung als heute.

Prognose für Deutschland

Auch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sieht Maschinen nicht als Job­killer. Laut einer Studie des IAB könnten in einer bis 2035 voll digitalisierten Arbeitswelt in Deutschland zwar fast 1,5 Millionen Jobs verloren gehen, es entstünden aber ähnlich viele Arbeitsplätze neu. Die Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group (BCG) hat ausgerechnet, dass der technische Wandel hierzulande bis 2025 fast acht Millionen Beschäftigte erfassen dürfte. Das müsse aber nicht in jedem Fall bedeuten, dass diese Jobs verschwinden und die Berufstätigen arbeitslos würden.

Digitale Kompetenzen wichtig

Allen Studien gemein ist, dass die Digitalisierung die Arbeitswelt radikal verändert. Unterschied­liche Auffassungen gibt es darüber, welche Folgen das für die Gesellschaft hat. Viele Forscher gehen davon aus, dass sich das tradierte gesellschaftspolitische Leitbild des sogenannten Normalarbeitsverhältnisses auflöst. Sie sagen, dass sich der ­Typus eines »Arbeitnehmerselbstständigen« herausbilde. Er sei prinzipiell überall verfügbar und vereine die Merkmale der Erwerbsgesellschaft von morgen in sich, zu denen vernetztes Arbeiten, Denken und Handeln zählten.

Flexible Arbeitszeitmodelle mit Gleitzeit, Arbeitszeitguthaben und Heimarbeit würden zum Standard. Digitale Kompetenz werde zu einer Schlüsselkompetenz, denn soziale und wirtschaftliche Teilhabe sei künftig ohne digitale Teilhabe kaum mehr denkbar. Laut der Studie des Weltwirtschaftsforums wird der lebenslange Job bei einer Firma immer seltener: Unternehmer wollten flexiblere Arbeitsverhältnisse, mehr Subunternehmer und Tele-Arbeit.

Soziale Kompetenzen schulen

Forscher betonen, dass Bildung und Weiterbildung künftig eine viel wichtigere Rolle einnehmen werden. »Die alten Rezepte sich weiterzubilden sind einfach nicht mehr gültig«, sagt Dennis Snower, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW). Aus seiner Sicht wird das Tempo der Digitalisierung unterschätzt: »Man darf nicht vergessen, dass die Produktivität der Maschinen nach dem Mooreschen Gesetz steigt, alles verdoppelt sich alle zwei Jahre.« Snower fordert einen stärkeren Fokus von Schulen, Ausbildungs­betrieben und Hochschulen auf soziale Kompetenzen wie Mitgefühl und Respekt vor anderen: »Jeder Student kriegt Noten, er wird für die eigenen Leistungen bewertet, Teamarbeit steht aber erst an zweiter Stelle.«

Lebenslange Weiterbildung

Saadia Zahidi, eine der Autorinnen der Studie des Weltwirtschaftsforums, sagt: »Unternehmen müssen Automatisierungspläne mit Ausbildungsstrategien begleiten, das ist eine moralische und unternehmerische Verpflichtung.« Damit sie im Zeitalter der Maschinen dynamisch, differenziert und wettbewerbsfähig bleiben, müssten sie in ihr Human­kapital investieren. Sonst ließen sie das Potential der vierten Industriellen Revolution ungenutzt, sagt Zahidi. Darüber hinaus müssten Regierungen die Schulaus­bildung anpassen, lebenslange Weiterbildung ermöglichen und diejenigen unterstützen, die in der automatisierten Welt keinen Arbeitsplatz mehr finden.

Laut der Studie des Weltwirtschaftsforums sind in Deutschland nur 46 Prozent der Mitarbeiter für die digitale Arbeitswelt gewappnet. 73 Prozent der befragten deutschen Unternehmen wollen die Beschäftigten schulen. 54 Prozent rechnen damit, dass sie Mitarbeitern, die nicht mit den neuen Technologien umgehen können, kündigen müssen. Andreas Schleicher, Forscher der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), drückt es so aus: »Vor Generationen brachten Lehrer ihren Schülern etwas bei, das fürs ganze Leben halten sollte. Heute müssen sie ihre Schüler auf Technologien und Jobs vorbereiten, die erst noch erfunden werden.«

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