Finanzen Deutsche gehören zu Hauptopfern des Milliardenbetrügers Madoff

Washington (dpa) - Der Wall-Street-Betrüger Bernard Madoff hat auch viele Deutsche um ihr Geld gebracht. Das legt eine Liste nahe, die der Opferfonds des US-Justizministeriums veröffentlichte. Danach haben lediglich US-Amerikaner mehr Schadensfälle geltend gemacht.

Von dpa
Mitten in der Finanzkrise flog der größte Anlagebetrug aller Zeiten auf. Bernard Madoff hatte Zehntausende Anleger um ihr Geld gebracht. Foto: Justin Lane
Mitten in der Finanzkrise flog der größte Anlagebetrug aller Zeiten auf. Bernard Madoff hatte Zehntausende Anleger um ihr Geld gebracht. Foto: Justin Lane Foto: dpa

Es folgen Deutsche, Italiener, Franzosen und Schweizer. Insgesamt gingen 51 700 Anträge auf Entschädigungen ein. «Es scheint, als ob mindestens doppelt so viele Investoren wie zuvor gedacht in dem Madoff-Betrug Geld verloren haben», erklärte Richard Breeden, der den «Madoff Victim Fund» verwaltet. Der Fall habe «wahrhaft globale Ausmaße». Es seien Anträge auf Entschädigungen aus 119 Ländern eingegangen. «Nur wenige Plätze auf dieser Erde wie die Wüste Gobi und die Polkappen scheinen von diesem Betrug verschont geblieben zu sein.»

Madoff hatte Anleger über Jahrzehnte mit Traumrenditen gelockt, die er aber mit dem frischen Geld anderer Investoren zahlte. 2008 in der Finanzkrise brach das Schneeballsystem zusammen und Madoff wurde zu 150 Jahren Haft verurteilt. Erst jüngst hatte ein Gericht fünf seiner ehemaligen Mitarbeiter wegen Beihilfe zur Rechenschaft gezogen.

Treuhänder Irving Picard, der Madoffs Firma abwickelt, geht von einem Schaden von 20 Milliarden Dollar aus. Bei Fondsverwalter Breeden gingen indes Anträge über die doppelte Summe ein: mehr als 40 Milliarden Dollar. Die Forderungen müssten zwar noch auf ihre Rechtmäßigkeit geprüft werden, sagte Breeden. Doch gehe er schon jetzt von «wesentlich höheren Verlusten aus als bislang dokumentiert». Zwei Drittel der Antragsteller hätten zudem angegeben, dass sie noch keinen Cent Entschädigung bekommen hätten.

Treuhänder Picard versucht seit dem Zusammenbruch, verbliebene Gelder bei ehemaligen Madoff-Geschäftspartnern aufzutreiben. Er hat bislang 9,8 Milliarden Dollar gefunden oder erstritten - etwa von Gewinnlern des Schneeballsystems. Der von Breeden verwaltete Opferfonds verfügt über weitere gut 4 Milliarden Dollar, die vor allem aus Vergleichen mit Madoffs einstiger Hausbank JPMorgan Chase sowie den Erben des verstorbenen Madoff-Freundes und -Investors Jeffry Picower stammen.

Dass es in Europa Madoff-Opfer gab, war schon früh bekannt. Auf der Kundenliste standen namhafte Großbanken, die teils auf eigene Rechnung und teils im Auftrag ihrer eigenen Kunden bei Madoff investiert hatten. Aufgeführt waren unter anderem die Deutsche Bank, die Commerzbank, die Dresdner Bank und die Bayerische Landesbank. Die damalige Liste enthielt jedoch keine Summen und es war unklar, wie aktuell die Daten waren.

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