Bau Megafusion: Holcim und Lafarge wollen weltgrößten Zementkonzern bauen

Zürich/Paris (dpa) - Die Baustoffriesen Holcim und Lafarge wollen durch eine Fusion ihre weltweite Vormachtstellung auf dem boomenden Zement-Markt sichern.

Von dpa
Lafarge-Präsident Bruno Lafont (r) wird Chef des neuen Mega-Konzerns. Rolf Soiron von Holcim gratuliert. Foto: Ian Langsdon
Lafarge-Präsident Bruno Lafont (r) wird Chef des neuen Mega-Konzerns. Rolf Soiron von Holcim gratuliert. Foto: Ian Langsdon Foto: dpa

Die aktuelle Nummer eins aus der Schweiz und die Nummer zwei aus Frankreich hoffen, durch den «Zusammenschluss unter Gleichen» international noch wettbewerbsfähiger zu werden. Derzeit kommen sie mit ihren Aktivitäten in rund 90 Ländern gemeinsam auf einen Umsatz von 32 Milliarden Euro und einen Gewinn von rund 6,5 Milliarden Euro.

Wie die Unternehmen am Montag gemeinsam mitteilten, soll der Zusammenschluss im ersten Halbjahr 2015 abgeschlossen werden. Mehrere Kartellbehörden müssen dem Deal allerdings noch zustimmen. Die Fusion wäre vermutlich die größte seit der Verschmelzung der Rohstoffgiganten Glencore und Xstrata im vergangenen Jahr.

Von dem neuen Zusammenschluss könnte auch das deutsche Unternehmen HeidelbergCement profitieren. Der derzeit drittgrößte Player auf dem Weltmarkt bekommt durch Fusionsauflagen möglicherweise die Chance, Kapazitäten in Ländern und Regionen zu erweitern, in denen er Aufholbedarf hat. Auf Verkäufe könnten Behörden nach Einschätzung der Analysten von der US-Bank Morgan Stanley unter anderem in Frankreich, Kanada, Philippinen, Rumänien und Marokko pochen sowie im großen US-Markt, wo die Fusionswilligen zusammen auf einen Anteil von fast 25 Prozent kommen. HeidelbergCement wollte die Fusion am Montag zunächst nicht öffentlich kommentieren.

Chef des neuen Mega-Konzerns soll der bisherige Lafarge-Präsident Bruno Lafont werden. Er sagte am Montag in Paris, das neue Unternehmen solle schneller und innovativer werden, Standortschließungen seien nicht geplant.

Als Präsident des Verwaltungsrats ist der deutsche Manager Wolfgang Reitzle vorgesehen, der seit 2012 Mitglied des Holcim-Verwaltungsrates ist und in diesem Jahr den Vorstandsvorsitz des Industriegase-Spezialisten Linde (München) abgibt. «Ich habe einen sehr großen Respekt davor, was Herr Reitzle in seinem Unternehmen geleistet hat», kommentierte Lafont. Man teile viele Ansichten.

Um die Fusion umzusetzen, soll den Lafarge-Aktionären angeboten werden, ihre Titel im Verhältnis 1:1 gegen neu ausgegebene Stammaktien von Holcim umzutautauschen. Das neue Unternehmen wird den Planungen zufolge LafargeHolcim heißen.

«Die einmalige Positionierung von LafargeHolcim wird es uns erlauben, der Bauwirtschaft die Baustoffe zu liefern, um für die Herausforderungen der Zukunft gerüstet zu sein», kommentierte Holcim-Verwaltungsratspräsident Rolf Soiron. Der neue Konzern solle von Marktchancen in entwickelten Märkten sowie den am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt profitieren. Lafont erklärte, der Zusammenschluss ermögliche «außerordentliche Synergien». Der Effekt wird auf rund 1,5 Milliarden Euro geschätzt.

Als mögliches Hindernis für die Fusion gelten mögliche Bedenken der Wettbewerbsbehörden. Man stehe bereits mit ihnen in Kontakt, teilten Soiron und Lafont in einer Telefonkonferenz mit. Insgesamt müssen sie nach eigenen Angaben mit Wettbewerbswächtern in 15 Ländern verhandeln. Weltweit müssen sie sich nach eigener Einschätzung von bis zu 15 Prozent ihrer Unternehmungen trennen. Dies soll rasch geschehen, sagte der Lafarge-Präsident.

Die zentrale Steuerung des Konzerns wird den Plänen zufolge auf die Standorte in Paris und Zürich aufgeteilt. Der juristische Sitz soll in Rapperswil-Jona im Kanton St. Gallen angesiedelt werden. Dort befindet sich der traditionelle Sitz von Holcim.

Holcim und Lafarge betonten, das Zusammengehen solle nicht zu Standortschließungen führen. «Wir fusionieren nicht, um die Gruppe tiefgreifend zu restrukturieren», sagte Lafont. Dies schließe nicht aus, dass der neue Konzern seine Strukturen laufend überprüfen werde. In vielen Ländern seien die Aktivitäten von Lafarge und Holcim komplementär. So sei Lafarge stark in Afrika verankert, während Holcim eine starke Stellung in Lateinamerika habe.

Holcim hat im vergangenen Jahr 139 Millionen Tonnen Zement verkauft und kam auf 19,7 Milliarden Schweizer Franken (gut 16 Mrd Euro). Lafarge kam auf 137 Millionen Tonnen und einen Umsatz von gut 15 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Der deutsche Konzern HeidelbergCement hatte 2013 einen Umsatz von rund 14 Milliarden Euro.

Die Aktien von Holcim zogen am Montag im frühen Handel um mehr als fünf Prozent an und gaben im Laufe des Vormittags einen Großteil der Gewinne wieder ab. Zuletzt notierten sie noch 0,12 Prozent höher. Die Lafarge-Papiere stiegen um 0,70 Prozent. Bereits am Freitag hatten beide Anteilsscheine kräftig an Wert gewonnen, nachdem die Fusionspläne an die Öffentlichkeit durchgesickert waren. HeidelbergCement-Aktien drehten im Handelsverlauf ins Minus und verloren zuletzt mehr als ein Prozent.

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