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Wirtschaft
Franchising: ein Überblick

Soll auch Frankreich bereits im 12. Jahrhundert den Grundstein zum Franchising gelegt haben, waren es am Ende die USA, die das partnerschaftliche Vertriebssystem schließlich zu dem heute weltweit genutzten und beliebten Geschäftskonzept entwickelten. Auf Anhieb scheint es auch nur Vorteile zu geben, einen Neuunternehmer gegen ein Entgelt an einem florierenden Betrieb teilhaben zu lassen. Wer sich selbstständig machen möchte, sollte dennoch genau hinsehen, bevor er sich in das Wagnis Franchise stürzt.

Dienstag, 04.05.2021, 04:01 Uhr aktualisiert: 04.05.2021, 08:10 Uhr
Foto: Colourbox

Tausend und ein Franchisesystem

Ob in Westfalen, Bayern oder Berlin: Franchising hat sich inzwischen einen festen Platz im gesamten Bundesgebiet erobert. Die Umsatzentwicklung verläuft seit Jahren positiv, ob auf dem Dienstleistungssektor mit Handwerk und Gastronomie oder beim Waren- und Produktionsfachhandel. An der Auswahl scheitert es also nicht: Wer Interesse daran hat, sich als Franchisenehmer einem bereits existierenden Unternehmen anzuschließen, wird auf seinem Interessensgebiet fündig werden. Neben etablierten Businessplattformen bieten auch zukunftsorientierte Firmen wie ein CBD Franchise mit Frankys Farm aussichtsreiche Perspektiven. Die Nachfrage an dem gesundheitsfördernden Pflanzenstoff steigt kontinuierlich an und lässt sich über unterschiedlichste Kanäle wie Kioske oder Tankstellen vertreiben.

Zwischen zwei Stühlen

Auf den ersten Blick scheint das System nicht kompliziert: Ein erfolgreich wirtschaftender Unternehmer beschließt eine Expansion, indem er die Verbreitung seiner Geschäftsidee an einen Partner mit eigenen Rechten und Pflichten überträgt. Damit gibt er allerdings die Kontrolle über seinen Betrieb zum Teil ab, der Franchisenehmer wird zwar selbstständiger Partner, ist jedoch an bestimmte Auflagen gebunden. Beide Parteien gehen also hinsichtlich ihrer alleinigen Entscheidungsfreiheit einen Kompromiss ein – allerdings zahlt sich genau dieser Kompromiss in der Regel aus. Denn beide ziehen am selben Strang und haben das identische Ziel vor Augen: die Bekanntheit und den Umsatz des Unternehmens zu steigern.

Wird die Vertragsgestaltung auch individuell ausgearbeitet, darf der Franchisenehmer grundsätzlich das vorhandene Geschäftskonzept in rechtlicher Eigenverantwortung nutzen und entrichtet dafür an den Franchisegeber eine einmalige oder fortlaufende Nutzungsgebühr. Das Konzept jedoch darf er trotz seiner Selbstständigkeit nicht verändern: Name, Design und weitere fallabhängig zu bestimmenden Vorgaben müssen beim Warenverkauf oder Dienstleistungsangebot beibehalten werden.

Geteiltes Risiko ist doppelter Gewinn

Die allgemeine Beliebtheit und der oftmals wirtschaftliche Erfolg von Franchiseunternehmen sind zunächst einfach nachzuvollziehen. Beide Vertragsparteien können sich auf ihre jeweiligen Kernkompetenzen konzentrieren: Der Franchisegeber auf die Weiterentwicklung und Modernisierung seiner Marke, das Werbekonzept und Controlling, der Franchisenehmer auf den Kontakt mit den Konsumenten vor Ort, die Verbreitung des guten Rufes des Markennamens und die Erfüllung der Kundenwünsche.

  • Im Einzelnen profitiert der Franchisegeber  
  • in finanzieller Hinsicht: Er erhält ein Entgelt für eine Idee
  • durch den zusätzlichen Standort, durch den seine Markenbekanntheit gesteigert wird
  • von einem grundsätzlich hohen Engagement seines neuen Vertriebspartners

Der Franchisenehmer verzeichnet ebenfalls viele Vorteile: Er

  • steigt in ein funktionierendes Geschäftsmodell ein
  • wird bei seiner Standortanalyse durch den Franchisegeber unterstützt
  • übernimmt ein ausgearbeitetes Marketingkonzept  
  • erhält Spezialkonditionen und Einkaufsvorteile
  • zieht Nutzen aus einer erhöhten Kreditwürdigkeit, die die Beschaffung von Fremdkapital erleichtert

Wie in jeder Partnerschaft gilt allerdings auch beim Franchising: Gemeinsam ist man stärker – kann allerdings auch gemeinsam untergehen:

Wo liegen die Tücken?

Franchisenehmer und Franchisegeber sitzen im selben Boot. Zerstört der Franchisenehmer das Vertrauensverhältnis zu seiner Kundschaft, kann dies den Ruf der gesamten Marke schädigen. Entwickelt sich andererseits eine Werbekampagne des Franchisegebers zu einem Flop, wirkt sich dies auch auf den angeschlossenen Franchisepartner negativ aus. Und es bleiben ihm kaum Möglichkeiten der Wiedergutmachung: Hinsichtlich Kreativität und eigener Ideen sind ihm die Hände gebunden, von der Geschäftsausstattung über die Kleiderordnung bis hin zur Kundenansprache muss er sich nach den vertraglich vereinbarten Vorgaben richten. Und das alles bei einem normalerweise hohen Anfangsinvestment.

Alles oder nichts?

Wer sich selbstständig machen möchte und die Möglichkeit einer Franchise-Partnerschaft ins Auge fasst, muss kompromissbereit sein. Eine komplette Unabhängigkeit wie bei der Umsetzung einer eigenen Unternehmensidee wird er nicht erhalten – für eine absolute Eigenständigkeit bleibt nur die individuelle Betriebsgründung. Wer allerdings willens ist, sich nach den Vorgaben eines bestehenden und augenscheinlich erfolgreich wirtschaftenden Systems zu richten, wird bei einem Franchising am Ende von genau dieser Rentabilität und Markenbekanntheit profitieren können.

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