Alltours-Inhaber Willi Verhuven zu seiner Strategie für die eigenen Hotels des Konzerns ab Herbst
Urlaub nur für Geimpfte

Düsseldorf (WB) -

Seine eigenen Hotels will der Alltours-Inhaber und -Gründer Willi Verhuven (70) ab Herbst nur noch für Geimpfte öffnen. Im Gespräch mit Reinhard Kowalewsky sagt er, warum sich niemand benachteiligt fühlen muss.

Sonntag, 07.03.2021, 20:56 Uhr
Nicht nur das Impfen gegen Corona, auch die Tests werden das Reisen bald wieder möglich machen. Davon ist der Gründer und Inhaber des Reisekonzerns Alltours, Willi Verhuven, überzeugt. Foto: imago images, Montage: Lunk

Im Geschäftsjahr 2018/2019 erzielte Alltours 1,45 Milliarden Euro Umsatz mit 1,7 Millionen Gästen.

Herr Verhuven, Sie wollen ab Ende Oktober in den 34 Hotels Ihrer Marke Allsun nur noch Geimpfte reinlassen. Da ist die Sommersaison aber schon zu Ende. Ein Werbegag?

Willi Verhuven: Nein. Unsere Hotels sind im Winter keineswegs alle geschlossen. Gerade in unseren sechs Hotels auf den Kanaren fängt die Hochsaison da erst an. Davon abgesehen, hatten wir zwei Gründe für diese Entscheidung: Im Winter verbringen vorwiegend Stammgäste, die sehr häufig älter als 60 Jahre alt sind, ihren Urlaub in unseren Allsun-Hotels. Für die ist ein vor Corona geschützter Aufenthalt besonders wichtig. Zweitens rechnen wir damit, dass spätestens im Oktober alle Deutschen, wie von Angela Merkel angekündigt, ein Impfangebot erhalten haben.

Fallen dann die Corona-Regeln in diesen Hotels weg?

Verhuven: Ich hoffe, dass wir wieder zurück zur Normalität in diesen Häusern zurückkehren können. Aber wir halten uns natürlich an alle Auflagen der Behörden.

Läuft ihre Forderung eines Impfnachweises in den Allsun Hotels auf eine Art Impfzwang hinaus?

Verhuven: Nein, auf keinen Fall. Jeder kann über Impfungen denken, was er will. Wir als Alltours halten sie für klug, um das individuelle Risiko und das Risiko der gesamten Gesellschaft zu senken.

Kostet ein Aufenthalt im Hotel der Geimpften einen Premiumpreis?

Verhuven: Wir freuen uns, wenn unsere Stammgäste, von denen ich viele persönlich kenne, wieder ohne Sorge kommen können. Aufschläge wird es nicht geben.

Erhalten Kinder Hausverbot, weil es für sie keine Impfungen gibt?

Verhuven: Kinder bleiben willkommen. Ich halte es für denkbar, dass es bis zum Ende Oktober auch für sie Impfangebote gibt. Aber klar, wie reißen keine Familien auseinander.

Warum nicht eine Testpflicht als Ergänzung zur Impflicht?

Verhuven: Wir begrüßen Tests, um Reisen im Frühling und Sommer deutlich sicherer zu machen. Aber eine Impfung betrachten wir zur Zeit als einzige Möglichkeit, die Pandemie zu besiegen. Denn ein Test ist nur eine Momentaufnahme und die betreffende Person kann schon einige Stunden später ansteckend sein. Eine Impfung hingegen schützt vor einer Erkrankung und nach neuesten Studien auch vor einer Infizierung anderer.

Werden die Tests das Reisen dann bald wieder möglich machen?

Verhuven: Ja, die Airlines, die Flughäfen und auch viele Gastländer sind schon dabei, immer stärker auf Corona-Tests zu setzen, um Reisen wieder stärker möglich zu machen. Schon jetzt ist eine Einreise auf die Kanaren oder in die Türkei ohne vorherigen Test nicht möglich. Einige Fluglinien bereiten Flüge mit Tests vor dem Abflug vor oder bieten sie schon an. Ich begrüße das alles, weil es den Schutz vor einer Infektion erhöht.

Welche Ziele werden im Sommer besonders gefragt sein?

Verhuven:Wir merken jetzt schon an den Buchungen, dass die vielen schönen Ecken Deutschland wie Bayern, die Nordsee- und Ostseeregion und andere Ziele sehr beliebt sein werden. So war es bereits im Jahr 2020. Grundsätzlich liegen Gebiete gut im Rennen, zu denen eine Anfahrt mit dem eigenen Auto möglich ist – also auch Österreich, Dänemark, Polen und die Niederlande.

Und welche Flugziele sind gefragt?

Verhuven: Unsere Kunden zeigen viel Interesse an Griechenland sowie an der Türkei, auch wegen der aktuell besonders niedrigen Preise von manchmal nur 350 Euro pro Woche. Ansonsten müssen wir abwarten, wie sich Spanien inklusive Mallorca und den Kanaren entwickeln. Darüber hinaus sehen wir ein hohes Interesse der Länder Südeuropas, Tourismus wieder zuzulassen, damit die Menschen Arbeit haben. Es bedrückt mich auch persönlich, wie stark die Armut beispielsweise auf Mallorca zugenommen hat.

Sie rechnen also mit hoher Nachfrage im Sommer?

Verhuven: Ich erwarte, dass die Lockdowns und die Reisebeschränkungen bis Juni/Juli weitgehend zurückgenommen werden. Wir werden bis dahin die große Mehrheit der besonders gefährdeten Menschen geimpft haben. Dann sind zu starke Einschränkungen für die breite Bevölkerung nicht mehr zumutbar.

Und dann?

Verhuven: Wir rechnen im Sommer mit sehr vielen kurzfristigen Buchungen.

Bleibt es dabei, dass Alltours keine Staatshilfe will?

Verhuven: Ja. Wir haben ein Eigenkapital von 290 Millionen Euro und fast keine Schulden. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2019/2020 konnten unsere Reiseveranstalter trotz Krise einen Gewinn erzielen. Darum gibt es keinen Grund für einen Antrag auf staatliche Unterstützung. Und der Bau unserer neuen Firmenzentrale am Düsseldorfer Mannesmannufer ist auch abgesichert.

Ärgert es Sie dann, dass Marktführer Tui insgesamt mehr als fünf Milliarden Euro vom Staat erhält?

Verhuven: Wir sind froh, dass ein Zusammenbruch von Tui verhindert wird. Das hätte die ganze Branche beschädigt und Millionen Kunden verunsichert. Gleichzeitig sehe ich die hohen Schulden von Tui schon kritisch.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7855414?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2509831%2F2198339%2F
Bundestag beschließt bundeseinheitliche Corona-Notbremse
Im Kampf gegen die Pandemie hat der Bundestag bundeseinheitliche Maßnahmen zur Kontaktreduzierung abgesegnet.
Nachrichten-Ticker