Staatsanwaltschaft klagt zwei ehemalige Westfleisch-Manager an
12 Millionen Schaden

Münster/Bielefeld (WB) -

Der Vorfall reicht zurück bis ins Jahr 2014. Jetzt hat sich der Untreueverdacht der zuständigen Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Bielefeld gegen zwei ehemalige Manager des münsterischen Fleischkonzerns Westfleisch erhärtet.

Samstag, 06.03.2021, 04:11 Uhr aktualisiert: 06.03.2021, 04:20 Uhr
In der Abpackstation bei Westfleisch.

Oberstaatsanwalt Ralf Günther bestätigte am Freitag, dass Anklage gegen den früheren Vorstandschef Dr. Helfried Giesen und den damaligen Exportleiter erhoben worden ist. „Der Schaden für den Westfleisch-Konzern beläuft sich auf knapp zwölf Millionen Euro“, erklärte Günther.

Die möglicherweise strafbaren Handlungen stehen in Zusammenhang mit Exportgeschäften, bei denen eine russische Firmengruppe eine zentrale Rolle spielt. 2014 stoppte Russland wegen Ausbrüchen der Afrikanischen Schweinepest den Import von Schweinefleisch aus der EU. Laut Oberstaatsanwalt hat Westfleisch das Embargo umgangen, indem zwischen süd- und nordamerikanischen Lieferanten und dem Moskauer Kunden direkte Liefergeschäfte vermittelt wurden. Allerdings habe Westfleisch die Rechnungen der Amerikaner gezahlt und sich das Geld beim russischen Kunden zurückgeholt. Als der Moskauer Konzern in Insolvenz ging, sei Westfleisch auf mehr als 16 Millionen Euro sitzen geblieben. Nach Abzug der Zahlung einer Kreditausfall-Versicherung belaufe sich der Fehlbetrag auf knapp zwölf Millionen. Eine persönliche Bereicherung sei beiden Managern aber nicht nachgewiesen worden.

Ex-Vorstand Helfried Giesen

Ex-Vorstand Helfried Giesen Foto: Achim Giersberg

Der Oberstaatsanwalt verwies auf ähnliche Vorfälle in den Jahren 2006 und 2009, die den Verdacht erneut auf den Exportleiter gelenkt hätten. Der Schaden für Westfleisch damals: jeweils rund eine Million. Giesen wird vorgeworfen, „den Exportleiter nicht kontrolliert zu haben“, so Günther. Jetzt muss das Landgericht Münster entscheiden, ob und wann es zum Prozess kommt.

Derweil steigerte Westfleisch 2020 seinen Umsatz zum Vorjahr um 1,3 Prozent auf 2,83 Milliarden Euro. Der Jahresüberschuss sank vor allem aufgrund zusätzlicher Kosten im Zuge der Corona-Pandemie und Afrikanischen Schweinepest von 10,7 auf 8,1 Millionen Euro.

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