In OWL fällt neben einem hohen Kurzarbeiteranteil vor allem der Abbau von Minijobs auf
Corona-Krise erfasst Arbeitsmarkt

Bielefeld -

Zehntausende Kurzarbeiter, mehr Ar­beitslose, weniger Beschäftigte und ein Rückgang an Stellenangeboten: Die Folgen der Corona-Krise hinterlassen zusehends Spuren am Arbeitsmarkt in OWL. Wie Daten der Arbeitsagenturen in der Region zeigen, sind neben Gastgewerbe und Handel vor allem auch die Bereiche Verkehr und Lagerei, das verarbeitende Gewerbe und Dienstleister von Werbeagenturen bis hin zu Friseuren sowie der Freizeitbereich betroffen.

Samstag, 27.02.2021, 02:15 Uhr aktualisiert: 27.02.2021, 14:54 Uhr
Spuren der Corona-Krise sind in den Innenstädten und in vielen Branchen in OWL zu erkennen. Das zeigen auch Daten vom Arbeitsmarkt Foto: Bernhard Pierel / Quelle: Arbeitsagentur

Während der Abbau von Vollzeitstellen zwischen Juni 2019 und Juni 2020 – also nach dem ersten Lockdown – von 845.838 auf 844.714 noch relativ moderat ausfällt, sind im gleichen Zeitraum vor allem Minijobs weggefallen: Die Zahl der geringfügig Beschäftigten sank um mehr als 14.000 oder fast sieben Prozent von 206.359 auf noch 192.062. Über die Entwicklung in der laufenden zweiten Lockdown-Phase liegen noch keine Zahlen vor. Es ist aber mit weiteren Stellenverlusten zu rechnen – trotz Kurzarbeit, um Entlassungen von Fachkräften möglichst zu vermeiden.

Dafür sprechen auch die im Vergleich zum Vorjahr – vor Ausbruch der Pandemie – gestiegenen Arbeitslosenzahlen. Mitte Januar lag die Arbeitslosenzahl in OWL mit 69.551 um 11,1 Prozent oder 6925 über dem Wert des Vorjahresmonats.

Mehr als 500 Millionen Euro Kurzarbeitergeld in OWL

Auch die Zahl der Kurzarbeiter dürfte im zweiten Lockdown wieder deutlich gestiegen sein. Der bisherige Höchstwert war im Mai mit 152.932 Kurzarbeitern in 12.516 Betrieben verzeichnet worden. Im September – das sind die jüngsten vorliegenden Hochrechnungen – waren es noch 57.724 Kurzarbeiter in 5984 Unternehmen. „Aufgrund der aktuellen Lage ist davon auszugehen, dass die Inanspruchnahme aktuell um einiges höher ist“, sagt Arbeitsagentur-Sprecherin Janine Billerbeck. Von März bis Dezember 2020 zahlte die Behörde in OWL 539 Millionen Euro an Kurzarbeitergeld.

Seit Ausbruch der Pandemie gingen rund 29.000 Kurzarbeitsanzeigen von Betrieben für mehr als 440.000 Beschäftigte ein – tatsächlich realisiert worden ist Kurzarbeit aber nur für einen Bruchteil. In den Zahlen sind auch Verlängerungsanzeigen enthalten, die unter anderem abgegeben werden müssen, wenn Kurzarbeit für mindestens drei Monate unterbrochen war.

Zweigeteiltes Bild im Handel – viel Kurzarbeit in der Industrie

Beim Blick auf die besonders von der Krise betroffenen Branchen fällt auf, dass im Sektor Verkehr und Lagerei, zu dem neben Logistikern auch Taxiunternehmen und Flughäfen gehören, die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um 16,8 Prozent oder fast 6700 gesunken ist. Im Gastgewerbe fiel die Zahl der Festangestellten in der ersten Corona-Phase um 6,1 Prozent. Dort traf es vor allem Aushilfen, deren Zahl um fast 20 Prozent sank.

Im Handel drückt sich die Spaltung in Krisengewinner (wie dem Lebensmittelhandel) und Verlierer (wie von Schließungen betroffene Fachhändler) in zweigeteilten Entwicklungen aus. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg zwar leicht an. Zugleich sank aber die Zahl der Minijobber um 18 Prozent.

Im verarbeitenden Gewerbe, der Industrie, blieb der Rückgang fester Kräfte mit rund einem Prozent moderat, aber auch hier musste jeder zehnte Minijobber gehen. Zudem galt noch im Juli für 40.000 Beschäftigte – und damit jeden sechsten – Kurzarbeit, um auf diesem Wege Entlassungen von Fachkräften zu vermeiden. Im Gastgewerbe lag die Kurzarbeiterquote sogar bei 31,2 Prozent. Auch relativ hoch war der Kurzarbeiteranteil mit 13,4 Prozent im Bereich der freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleister – darunter fallen Werbe- und Kommunikationsagenturen, Grafiker und Designer.

Zahl der neu gemeldeten freien Stellen sinkt um fast ein Fünftel

Die große Unsicherheit vieler Arbeitgeber drückt sich in einem deutlich rückläufigen Angebot neu gemeldeter Stellen aus. Von Januar 2020 bis Januar 2021 registrierten die Arbeitsagenturen in OWL 43.568 freie Stellen – rund 10.000 oder fast 19 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Im Gastgewerbe lag das Minus sogar bei 41,4 Prozent, bei sonstigen Dienstleistungen bei 33 Prozent.

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