Branche kommt 2020 mit blauem Auge durch die Corona-Krise – hohe Auftragseingänge zum Jahresende
Fast jedes fünfte Möbelstück online

Bielefeld/Bad Honnef (WB/dpa) -

Die Möbelbranche ist bislang mit einem blauen Auge durch die Covid-19-Pandemie gekommen.

Donnerstag, 21.01.2021, 13:30 Uhr
in Mitarbeiter ist beim Verladen von Möbeln eines Büromöbelherstellers. Die deutsche Möbelbranche ist bislang ohne Umsatzeinbußen durch die Covid-19-Pandemie gekommen. Foto: Jens Büttner/dpa

Der Möbel-, Küchen- und Einrichtungsfachhandel konnte seine Umsätze 2020 trotz des Lockdowns wohl sogar um rund ein Prozent auf etwa 34,5 Milliarden Euro steigern, wie der Geschäftsführer des Handelsverbandes Möbel und Küchen (BVDM), Christian Haeser, am Mittwoch berichtete.

Nach dem Umsatzeinbruch durch den ersten Lockdown im Frühling 2020 habe die Branche ab dem Sommer von der wachsenden Bedeutung der eigenen vier Wände in der Krise und dem Trend zum Homeoffice profitiert.

Da Urlaubsreisen oft ausgefallen seien, hätten die Verbraucher das dafür eingeplante Geld oft in die ei­gene Wohnung investiert. Auch die zeitlich begrenzte Senkung der Mehrwertsteuer habe sich positiv bemerkbar gemacht.

Zu den größten Gewinnern gehörte dabei der Online-Möbelhandel, auf den nach Schätzungen des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie (VDM) inzwischen 18 Prozent der Branchenumsätze entfallen. Damit wird rechnerisch fast jedes fünfte Möbelstück im Internet gekauft. Noch ein Jahr zuvor habe dieser Wert bei 12 bis 14 Prozent gelegen, sagte VDM-Geschäftsführer Jan Kurth. Das Online-Geschäft mit Möbeln wuchs damit um bis zu 40 Prozent. Allerdings komme es hier stark auf die Art des Möbelstücks an. Polstermöbel würden mehr im Netz gekauft, Küchen weniger.

Im Gegensatz zum Möbelhandel musste die deutsche Möbelindustrie den Hochrechnungen zufolge 2020 pandemiebedingt ein Umsatzminus von rund vier Prozent hinnehmen. Doch dafür startet sie dank eines Auftragsbooms im November und Dezember mit gut gefüllten Auftragsbüchern ins neue Jahr. In der deutschen Wohnmöbelindustrie seien die Auftragseingänge 2020 um 14,1 Prozent, in der Küchenmöbelindustrie um 11,8 Prozent und in der Polstermöbelindustrie um 5,5 Prozent gestiegen, sagte Kurth. Der hohe Auftragsbestand helfe der Branche auch im aktuellen Lockdown.

Dennoch drängt die Branche auf eine Öffnungsperspektive. Kurth betonte, der Januar sei eigentlich „der mit Abstand umsatzstärkste Monat im Möbelhandel“. Der aktuelle Lockdown treffe die Branche deshalb besonders hart. Er plädierte dafür, dem Möbelhandel so rasch wie möglich wenigstens Einzelberatungen für Kunden nach Terminvereinbarung und unter Beachtung der Maskenpflicht zu ermöglichen.

Auf das laufende Jahr blickt die Branche aber nicht nur wegen der ungewissen Dauer des Lockdowns mit gemischten Gefühlen. Auch ein Ende der Pandemie dürfte Auswirkungen auf die Branche haben. Wenn die Impfungen voranschreiten und das Reisen durch Europa wieder möglich wird, rechnet der BVDM nur noch „mit bestenfalls stagnierenden Auftragseingängen“. Denn dann würden die Ausgaben für Urlaubs- und Privatreisen wieder steigen, prognostizierte Haeser.

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