Sonderveröffentlichung

„Vorteile für Käufer und Verkäufer“
Private Immobilienauktionen

Nach wie vor hohe Nachfrage, steigende Preise und Mieten, historisch günstige Bauzinsen – zumindest bislang haben Corona und dessen ökonomische wie soziale Folgen dem Immobilienmarkt in Deutschland so gut wie nichts anhaben können. Je nach Region und Lage werden interessante und vor allem bezahlbare Objekte für Investoren und Selbstnutzer zunehmend rar. Deshalb weichen Käufer oft auf private Immobilienauktionen aus – in der Hoffnung, für möglichst wenig Geld möglichst viel Haus, Wohnung oder Grundstück zu bekommen.

Montag, 04.01.2021, 08:07 Uhr aktualisiert: 04.01.2021, 09:11 Uhr
Foto: Colourbox

Insbesondere auch Firmen bedienen sich solcher Auktionen, um nicht mehr benötigtes Betriebsvermögen möglichst schnell und zum Höchstgebot  zu veräußern. Im Interview erläutert Gabor Kaufhold, was es mit solchen Immobilienauktionen auf sich hat und wo aus seiner Sicht die Vorteile für Käufer und Verkäufer liegen. Kaufhold ist Vorstand des Immobilienvermarkters Westdeutsche Grundstücksauktionen AG in Köln sowie öffentlich bestellter und vereidigter Auktionator.

Herr Kaufhold, Zwangsversteigerungen und auch Teilungsversteigerungen kennt fast jeder Mensch, die meisten haben zumindest schon davon gehört. Anders private Immobilienauktionen. Für viele Käufer und Verkäufer sind diese, wie es scheint, nach wie vor ein weitgehend unbeschriebenes Blatt...

Teilungsversteigerungen und auch Zwangsversteigerungen erfolgen, vereinfacht gesagt, auf juristische Veranlassung. Bei einer Zwangsversteigerung etwa kommt der momentane Immobilieneigentümer in der Regel – leider – seinen finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nach. Mit der Folge, dass die Bank das Haus oder die Wohnung im Rahmen einer Zwangsversteigerung verwertet, um den eigenen finanziellen Schaden so gering wie möglich zu halten. Der Klassiker bei einer Teilungsversteigerung ist die Erbengemeinschaft zum Beispiel eines Mehrfamilienhauses, die zügig Geld sehen möchte. Solche rechtlichen Regularien gibt es bei privaten Immobilienauktionen nicht. Deshalb kann jeder, ob nun eine Familie oder eine Firma als juristische Person, Häuser, Grundstücke, Wohnungen, Gewerbe und Spezialimmobilien im Rahmen einer privaten Immobilienauktion – etwa von der WDGA – veräußern lassen.

Sind denn private Auktionen genauso rechtssicher wie Zwangs- und Teilungsversteigerungen?

Zweifellos ja. Denn für Rechtssicherheit haben der Gesetzgeber und auch die Rechtsprechung in den vergangenen Jahren gesorgt. Dies betrifft gleichermaßen private Käufer und Verkäufer wie auch Unternehmen.

Versteht sich das nicht von selbst? Fast immer haben Firmen versierte externe Rechtsbeistände oder gar eigene Rechtsabteilungen, die im Vorfeld alles auf Herz und Nieren prüfen…

Ein paar Sätze zum Hintergrund, ohne in die juristischen Einzelheiten zu gehen: Öfter hatten Geschäftsführer von Unternehmen oder Finanzvorstände Probleme, wenn sie nicht mehr betriebsnotwendige Immobilien vermarkteten. So bezweifelten Kritiker, dass der Zuschlagspreis im Rahmen einer privaten Auktion mit dem Verkehrswert der jeweiligen Immobilie identisch sei. Daraus konnten Haftungsprobleme resultieren. Gleich in zwei Fällen hat das Landgericht (LG) Berlin in den Jahren 1995 und 2007 festgestellt, dass der Zuschlagspreis für eine Immobilie im Rahmen einer privaten Auktion mit dem  jeweiligen Verkehrswert gleichzusetzen ist (Aktenzeichen: 86 T 77/95 und 20 O 114/07).

Immobilien gelten gemeinhin als der Sachwert schlechthin und als auch in Krisenzeiten sehr sicher. Da ist es kaum verständlich, dass sich Firmen vom „Tafelsilber“ trennen wollen…

Sobald in unseren WDGA-Auktionen größere Grundstücke, Lagerhallen oder Büroobjekte vermarktet werden, geht es nicht um die Immobilie als Kapitalanlage. Sondern um Liegenschaften, die für Unternehmen nicht mehr betriebsnotwendig sind. Etwa, weil eine Firma ihr Geschäftsmodell ändert oder rationalisieren muss. Der schnelle und termingebundene Verkauf soll meist für rasche Liquidität sorgen, die anderswo im Unternehmen benötigt wird, oder auch Kosten reduzieren. Vergleichbares gilt übrigens auch für Stiftungen, Family Offices und größere Vermögensverwalter, sobald Immobilien nicht mehr zur Strategie des Asset-Managements passen.

Und weshalb beauftragen Firmen nicht einfach einen Makler? Was im Übrigen auch wohl die meisten Privatleute tun, sobald sie eine Immobilie aus zweiter Hand erwerben möchten.

Kann eine Firma sicher machen. Muss sie aber nicht, sobald nicht mehr betriebsnotwendiges Vermögen schnell, effizient, rechtssicher und zum höchstmöglichen Preis veräußert werden soll. Zugegeben, wenn Geschwister ein kleineres Mehrfamilienhaus geerbt haben, kann zwar ein guter Makler vor Ort die Immobilie vermarkten. Aber aus Erfahrung wissen wir, dass bei unseren Auktionen häufig – teils spürbar – höhere Gebote erzielt werden können. Grund hierfür ist, dass wir überregional tätig sind und so mehr potenzielle Käufer ansprechen können als ein regional arbeitender Makler. Bei größeren Paketen mit manchmal zehn Objekten an unterschiedlichen Standorten ist der einzelne lokale Makler oft überfordert. Weil wir für den Bund, die Deutsche Bahn AG, Konzerne und auch Stiftungen arbeiten, werden tatsächlich oft größere Immobilienpakete zu einer Versteigerung eingeliefert – mit einer bunten Mischung aus Produktionshallen, Büroobjekten, Grundstücken, Waldflächen und größeren Mehrfamilienhäuser.

Insbesondere private Auktionshäuser wie die WDGA sind auf einen funktionierenden Immobilienmarkt mit ausreichend Angebot und Nachfrage angewiesen. Ist durch Corona da Sand ins Getriebe geraten?

Aus unserer Sicht eher im Gegenteil. Denn die ökonomischen Folgen der Pandemie haben vielen Menschen gezeigt, wie anfällig etwa die internationalen Aktienmärkte sind. Im Frühjahr wurden durch den Sturz der Börsenkurse gleichsam im Handumdrehen etliche Billionen Euro Marktkapitalisierung vernichtet. Zwar erholten sich die Aktienmärkte vergleichsweise schnell wieder, doch die Unsicherheit der Investoren bleibt. Zudem bieten vermeintlich sichere Häfen wie etwa deutsche Bundesanleihen eine Minusverzinsung, was sie nicht gerade attraktiv macht. Aus unserer Sicht haben Corona und die Folgen die Nachfrage nach soliden Sachwerten spürbar erhöht.

Kann das Angebot überhaupt der anhaltend hohen Nachfrage standhalten?

Hier gibt es große regionale Unterschiede. In den Metropolregionen, den Großstädten und ihren Einzugsgebieten herrscht ein Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage. In eher ländlichen Gebieten halten sich Angebot und Nachfrage hingegen in etwa die Waage.

Die Rede war eben von Unternehmen, Stiftungen, Vermögensverwaltern und vereinzelt auch Privatleuten als Immobilienverkäufer bei Ihren Auktionen. Gibt es auf der Gegenseite den „typischen“ Käufer?

Die Käuferseite ist ähnlich heterogen wie die Verkäuferseite. Wir haben hier Selbstnutzer, die eine Immobilie preiswert ersteigern und mit viel handwerklichem Geschick schön machen wollen. Vor allem sehen wir auf der Käuferseite zunehmend private Anleger und Unternehmen, die nach geeigneten Immobilien Ausschau halten. Übrigens: Die Käufer kommen vermehrt auch aus dem Ausland, da jeder Auktionskatalog nicht nur auf unsere Internetseite zu sehen ist, sondern auch in einer Auflage von 60.000 Stück aktuell in mehr als 50 Länder ganz altmodisch mit der Post verschickt wird.

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