Hessischer Getränkehersteller will Bielefelder Traditionsunternehmen weiterentwickeln
Hassia kauft Carolinen-Brunnen

Bielefeld/Bad Vilbel -

Der Getränkehersteller Wüllner – in der Region bekannt für seine Marke Carolinen – hat überraschend einen neuen Eigentümer bekommen. Zum 1. Januar übernimmt der Wettbewerber Hassia mit Sitz im hessischen Bad Vilbel das Bielefelder Traditionsunternehmen. Am Dienstag wurden die Mitarbeiter über den bislang streng geheim gehaltenen Deal informiert.

Mittwoch, 02.12.2020, 15:20 Uhr
Hassia übernimmt die Wüllner-Brunnenstandorte in Bielefeld (Foto oben Zentrale), Güstrow (Mecklenburg-Vorpommern) und Hecklingen (Sachsen-Anhalt) sowie die Marken Carolinen, Güstrower Schlossquell und Gaensefurther Schloss Quelle. Foto: Bernhard Pierel

Damit gehen drei Brunnenbetriebe in Bielefeld, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt mit zusammen rund 360 Beschäftigten an das Familienunternehmen (1400 Mitarbeiter) aus Bad Vilbel bei Frankfurt. Enthalten sind auch die Marken- und Vertriebsrechte für die Mineralwassermarken Carolinen, Güstrower Schlossquell sowie Gaensefurther Schloss Quelle, heißt es. Ferner gehört zu dem Paket die Biermarke Braumeister, deren Zukunft derzeit aber noch ungeklärt ist.

Hassia will jedenfalls alle drei Mineralwasser-Betriebe von Wüllner weiterführen und das Markengeschäft ausbauen, sagte der geschäftsführende Gesellschafter Dirk Hinkel. Alle Mitarbeiter würden übernommen und alle bestehenden Verträge und getroffenen Vereinbarungen behielten ihre Gültigkeit, betonten die Unternehmen in einer gemeinsamen Erklärung.

Ein Kaufpreis wurde nicht genannt. Hier hätten die Vertragspartner Stillschweigen vereinbart. Kreisen zufolge soll es sich um eine niedrige zweistellige Millionensumme handeln. Hassia, zu dessen Sortiment auch die einst zu Dr. Oetker gehörende Marke Bionade zählt, machte zuletzt einen Umsatz von 282 Millionen Euro.

Wüllner gehört seit Jahren zur Top 10 der deutschen familiengeführten Mineralbrunnenbetriebe und ist unter anderem Marktführer in der Region Ostwestfalen-Lippe, in Sachsen-Anhalt und in der Gastronomie von Mecklenburg-Vorpommern.

Die bisherige Inhaberfamilie Wüllner werde sich zum Jahreswechsel aus der operativen Geschäftsführung der Mineralbrunnengruppe Wüllner zurückziehen. Um einen nahtlosen Übergang zu gewährleisten, werde sie aber für die Übergangsphase im Hintergrund weiter beratend tätig sein, betont Beiratsvorsitzende Heike Wüllner für die Eigentümerfamilie.

Gesellschafter des im Jahr 1925 gegründeten Unternehmens waren zuletzt neben Heike Wüllner (59) ihre Kinder Arne Lauritz Wüllner (24) und Birte Wüllner (25). „Nach fast 100 erfolgreichen Jahren in der Getränkebranche sehen wir die Zukunft unserer Familie in anderen Bereichen“, erklärt Heike Wüllner. Konkretere Gründe für den Verkauf nennt sie nicht. Heike Wüllner hat das Geschäft mit ihrem Mann und Geschäftsführer Maik Ramforth-Wüllner geleitet.

Hassia-Chef Dirk Hinkel betont derweil, mit der Wüllner-Gruppe habe sein Unternehmen – bereits 156 Jahre alt – sein Geschäft geografisch deutlich erweitern und so seine Marktposition weiter gestärkt. Überschneidungen gebe es nur in Mecklenburg-Vorpommern. Hinkel: „Wir freuen uns sehr darüber, die Unternehmen der Wüllner-Gruppe mit ihren Mitarbeitern und Marken in unserer Familie begrüßen zu dürfen.“ Und: „Unsere Strategie basiert darauf, starke Marken in unterschiedlichen Regionen Deutschlands zu führen und weiter zu entwickeln. Darauf bauen wir weiter.“

Heike Wüllner betont, die Eigentümerfamilie sehe sich aber auch in der Verantwortung für die Mitarbeiter. „Wir haben deshalb einen starken Partner gesucht, der unser Unternehmen in unserem Sinne und zum Wohle aller unserer Mitarbeiter erfolgreich weiterführt.“

Die Hassia-Gruppe vereint künftig (mit Wüllner) elf Standorte und rund 1750 Beschäftigte unter ihrem Dach. Im Geschäftsjahr 2019 stand das Familienunternehmen für einen Absatz von 820 Millionen Litern alkoholfreier Erfrischungsgetränke sowie Apfelwein.

Zu der Gruppe, die sich als stärkster deutscher Markenanbieter im Bereich der alkoholfreien Getränke in Deutschland sieht und die in fünfter Generation geführt wird, gehören aktuell das Stammhaus Hassia Mineralquellen in Bad Vilbel, der Wilhelmsthaler Mineralbrunnen und die Keltereien Rapp’s, Höhl (alle Hessen) und Kumpf (Baden-Württemberg) sowie die Unternehmenstöchter Lichtenauer Mineralquellen (Sachsen), Glashäger Brunnen (Mecklenburg-Vorpommern), Thüringer Waldquell Mineralbrunnen (Thüringen) und die Bionade GmbH (Bayern).

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