Handel beklagt verschärfte Quadratmeter-Regelung – Schlangen vor Geschäften befürchtet
„Das ist kontraproduktiv“

Bielefeld (WB) -

Warteschlangen vor den Supermärkten, leere Modehäuser in den Innenstädten: Der Handel warnt vor dramatischen Folgen der von Bund und Ländern beschlossenen Verschärfung und Verlängerung des Teil-Lockdowns.

Freitag, 27.11.2020, 02:48 Uhr aktualisiert: 27.11.2020, 06:18 Uhr
So war es zu Ostern im ersten Lockdown: Vor einem Geschäft bildete sich eine lange Menschenschlange. Foto: Frank Rumpenhorst

„Wir verstehen den Sinn der Maßnahmen nicht“, ärgert sich auch Thomas Kunz, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes OWL.

Gerade die neue Quadratmeter-Regelung zur Eindämmung der Kundenströme in den Geschäften werde zu Warteschlangen vor den Läden führen. Kunz: „Das ist kontraproduktiv.“

Davon dürfte vor allem der Lebensmittelhandel betroffen sein. Gerade zu Weihnachten sei mit einem großen Andrang zu rechnen. Edeka-Chef Markus Mosa warnte, der Lebensmittelhandel könne unter diesen Vorgaben „die hohe Nachfrage gerade im Weihnachtsgeschäft nicht bedienen“.

Die neue Regelung für Geschäfte über 800 Qua­dratmeter hat Kunz zufolge am Donnerstag für viele Nachfragen beim Verband gesorgt. Bisher galt: pro zehn Quadratmeter Verkaufsfläche ein Kunde. Nun wird die Regel verschärft. Beispiel: Ein Geschäft mit 1000 Quadratmetern darf für 800 Quadratmeter 80 Kunden einlassen, für die folgenden 200 Quadratmeter aber nur noch zehn weitere Kunden – in Summe also 90 statt 100 Kunden. Das heißt: Weniger Kunden als bisher dürfen gleichzeitig einkaufen als bisher.

„Der große Verlierer sind viele Innenstadt-Händler, denen unter den Corona-Bedingungen die Kunden und die Umsätze wegbrechen“, klagt auch der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Stefan Genth.

Kunz rechnet nun damit, dass ausgerechnet im wichtigen Weihnachtsgeschäft weitere Umsätze ins Internet abwandern – zu Lasten der Mode- und Schuhhäuser, Parfümerien, Uhren-, Schmuck- und Spielwarengeschäfte in den Innenstädten. Schon in den ersten drei Wochen des Teil-Lockdowns seien die Umsätze im Innenstadthandel um durchschnittlich 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr eingebrochen. Im Bekleidungshandel liege das Minus sogar bei 40 Prozent. Der Verband fordert nun die finanzielle Unterstützung des Staates der Kaufleute. „Viele Innenstadthändler stehen vor der Insolvenz. Jetzt bricht auch noch das normalerweise umsatzstarke Weihnachtsgeschäft weg. Das ist ohne staatliche Unterstützung nicht zu schaffen“, sagte Genth.

Die IHK Ostwestfalen sieht die Halbierung der Kundenanzahl im Einzelhandel ab 800 Quadratmeter Verkaufsfläche in der umsatzstärksten Zeit des Jahres mit Sorge. Durch die geschlossene Gastronomie sind die Frequenzen in den Innenstädten seit dem Lockdown ohnehin deutlich zurückgegangen. Der fachpolitische Sprecher Handel der IHK NRW, Sven Schulte, betonte, den Geschäften sei es bislang sehr gut gelungen, Hygiene- und Abstandsregelungen einzuhalten. „Ein besonderes Infektionsrisiko im Handel ist derzeit nicht nachweisbar.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7696767?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2509831%2F2198339%2F
Lockdown bis 14. Februar - Abschied von der Alltagsmaske
Kanzlerin Angela Merkel (CDU), Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (l, SPD) und der CSU-Vorsitzende Markus Söder kommen zur Pressekonferenz im Bundeskanzleramt.
Nachrichten-Ticker