Überschuldung trotz Pandemie leicht gesunken
Die Ruhe vor dem Sturm?

Neuss/Bielefeld -

Trotz Corona-Krise ist die Überschuldungsquote – also der Anteil der Bevölkerung, die ihren Zahlungsverpflichtungen nachhaltig nicht nachkommt – in Deutschland erstmals seit 2016 wieder unter die Zehn-Prozent-Marke gesunken.

Dienstag, 10.11.2020, 19:06 Uhr
Post von Inkassounternehmen: Fast jeder Zehnte kommt seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nach. Foto: dpa

Dabei ist sie allerdings in Nordrhein-Westfalen mit 11,63 Prozent deutlich höher als im Bundesdurchschnitt mit 9,87.

In Ostwestfalen-Lippe sind derzeit 9,91 (Vorjahr: 9,97) Prozent überschuldet, erklärte Udo Roggenbuck, Prokurist der Auskunftei Creditreform in Bielefeld, auf Anfrage.

Wie andere Experten geht Roggenbuck allerdings davon aus, dass die Zahlen in Kürze schon wieder steigen können. Neben den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie könnten Privatpersonen mit dem Antrag auf Privatinsolvenz gezögert haben, weil sich zum 1. Oktober die gesetzlich vorgeschriebene Wohlverhaltensfrist für eine Entschuldung von sechs auf drei Jahre halbiert hat. Hinzu kommen zeitweise Lockerungen bei der Insolvenzanmeldepflicht für Unternehmen.

Bundesweit spricht Creditreform deshalb sogar von einer trügerischen „Ruhe vor dem Sturm“. So weit will Roggenbuck mit Blick auf OWL und die noch relativ stabile wirtschaftliche Situation nicht gehen. Gleichwohl sei zu befürchten, dass die gestiegene Zahl „weicher“ Überschuldungen ein Vorbote für harte, juristisch relevante Fälle sei. Für die weiche Form reicht es unter Umständen aus, wenn Verbraucher mehr als zweimal erfolglos gemahnt wurden.

Bei einer Umfrage von Creditreform nach den Gründen für sinkende Haushaltseinkommen gaben im Oktober 40 Prozent der Befragten Kurzarbeit als Grund an. Im Mai waren es sogar 43 Prozent. Beim Jobverlust stieg der Anteil in nur fünf Monaten von 7 auf 17 Prozent. 15 Prozent – im Mai 13 – nennen als Grund, dass sie als Selbstständige derzeit ihrer Arbeit nicht nachkommen können.

Hauptauslöser für Überschuldung ist trotz eines Rückgangs um 30 Prozent seit 2008 weiterhin die Arbeitslosigkeit. An zweiter Stelle folgen Erkrankung, Sucht und Unfall, danach mit stark wachsendem Anteil eine unwirtschaftliche Haushaltsführung.

Hinsichtlich des Alters bilden die 30- bis 39-Jährigen die größte Gruppe; den geringsten Anteil haben die über 70-Jährigen, allerdings mit steigender Tendenz.

Bei den 167.890 (Vorjahr: 168.730) überschuldeten Per­sonen in OWL stellt Bielefeld mit 30.635 (31.053) zahlenmäßig die größte Gruppe. Im Kreis Höxter ging die Zahl leicht um sieben zurück. Trotzdem erhöhte sich die Quote wegen der gleichzeitig sinkenden Bevölkerungszahl im Kreisgebiet Höxter von 8,68 auf 8,72 Prozent. Besser als der Durchschnitt in Deutschland sind noch die Kreise Gütersloh und Paderborn.

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