Bielefelder Jugendreiseveranstalter Ruf kritisiert Umgang mit kleineren Anbietern
Branche „mehr als Tui und Lufthansa“

Bielefeld -

„Tui und die Lufthansa werden gerettet, aber die anderen Reiseveranstalter, überwiegend mittelständisch, lässt der Staat weitgehend allein.“ Burkhard Schmidt-Schönefeldt (58), Mitgründer und gesellschaftsführender Gesellschafter des Jugendreiseanbieters Ruf in Bielefeld, ist frustriert – zumal auch beim neuen Hilfspaket Hotellerie und Gastronomie geholfen werde, aber nicht den Veranstaltern.

Freitag, 06.11.2020, 20:06 Uhr aktualisiert: 08.11.2020, 11:24 Uhr
Jugendliche Ruf-Reisende an einem Strand.

 

Schmidt-Schönefeldt un­terstützt die gerade eingereichte Klage des Deutschen Reiseverbands gegen die Ungleichbehandlung. Sicher, die Kurzarbeit – bei der Belegschaft von Ruf derzeit 75 Prozent – helfe auch mittelständischen Reiseveranstaltern. Doch die gerade bis Jahresende verlängerte Überbrückungshilfe sei mit ihrer Begrenzung auf höchstens 50.000 Euro monatlich allenfalls ein „Tropfen“ auf den heißen Stein, jedenfalls bei Firmen zwischen 10 und 100 Millionen Euro Umsatz.

Ruf war zu Beginn des Geschäftsjahres 2019/20 „wie die gesamte Reisebranche auf einem guten Weg“. Doch der wegen des Coronavirus erfolgte Lockdown im März habe alles von einem auf den anderen Tag still stehen lassen. Statt Reiseleiter zu schulen und weitere Vorbereitungen für das Sommergeschäft zu treffen, arbeiteten die 80 hauptberuflich bei Ruf Beschäftigten vor allem an der Rückabwicklung bestehender Verträge. Die Kunden hätten ihre Zahlungen inzwischen überwiegend zurückerhalten, sagt Schmidt-Schönefeldt.

Gleichzeitig sei man froh gewesen, wenigstens einige Jugendreisen doch durchführen zu können. Da betraf zum Teil neue Destinationen in Deutschland, besonders die Burg Hohensolms, Sankt Peter-Ording an der Nordsee und Regen im Bayerischen Wald. Auslandsreisen vor allem nach Spanien fielen jedoch wie in der gesamten Branche der Pandemie und den Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes zum Opfer. Selbst in der Zeit zwischen 10. Juli und 15. August, als es keine Reisewarnung für Spanien gab, habe kaum jemand dort Urlaub machen wollen. Anders bei Kroatien: Schon lange ein Schwerpunkt im Ruf-Angebot, galt der Balkanstaat im gesamten Sommer weitgehend coronafrei. Von den Reiseteilnehmern habe sich „zum Glück und dank unserer Hygienemaßnahmen“ niemand mit dem Virus angesteckt.

Mit großer Skepsis blickt Schmidt-Schönefeldt auf die Wintersaison. Vielleicht könne ja die eine oder andere Skitour nach Österreich stattfinden. Große Hoffnung hat er nicht. Unterm Strich ging Rufs Umsatz in dem Ende September beendeten Geschäftsjahr 2019/20 wie in der gesamten Branche um 70 bis 80 Prozent zurück. In normalen Jahren beschäftigen die Bielefelder 1200 Reiseleiter für etwa 50.000 Kunden.

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