Flughafen Paderborn-Lippstadt
Sozialplan steht

Paderborn -

Mit der Unterzeichnung eines Sanierungstarifvertrages und eines Sozialplanes ist die Rettung des Regionalflughafens Paderborn-Lippstadt am Freitagvormittag ein gutes Stück vorangekommen. Die Beendigung des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung hängt jetzt noch an der Zustimmung der Gläubiger zum Insolvenzplan. Er soll nun mit dem Gläubigerausschuss abgestimmt und Anfang Dezember dem Amtsgericht Paderborn vorgelegt werden.

Freitag, 06.11.2020, 13:54 Uhr aktualisiert: 07.11.2020, 17:52 Uhr
Flughafen Paderborn Foto: Flughafen Pad

Die endgültige Entscheidung fällt nach Angaben von Insolvenzverwalter Dr. Yorck Streitbörger (Bielefeld) im Januar bei der Gläubigerversammlung.

Indessen sind Stefan Meyer von der Pluta Rechtsanwalts GmbH als Interessenvertreter der Gläubiger und der Vorsitzende der Geschäftsführung Dr. Marc Cezanne an den den Verhandlungen über die Sanierung beteiligt gewesen. Demnach soll die Belegschaft des Flughafens von vormals 170 auf rund 65 Beschäftigte reduziert werden. Dem stimmten der Betriebsrat und die Gewerkschaft Komba, die vor allem die Feuerwehrleute des Flughafens vertritt, zu, weil, so heißt es in der gemeinsamen Mitteilung, nur so die drohende Stilllegung verhindert werden könne. Die 65 Beschäftigten, die bleiben, werden ohne Lohnabschläge weitermachen können. Teilweise werden sie für neue Aufgaben geschult. Von den 105, die nicht übernommen werden, können 65 in eine Transfergesellschaft wechseln, die sie bis zu zwölf Monate lang bei der Suche nach neuen Beschäftigungsverhältnissen unterstützt und Angebote zur Weiterbildung organisiert. Die Gehälter werden in Höhe von 60 bis 67 Prozent von der Bundesanstalt für Arbeit gezahlt und von der Flughafengesellschaft aufgestockt. Acht Personen haben bereits neue Beschäftigung gefunden. 17 sind auf der Basis von Teilzeitverträgen als „Aushilfen“ beschäftigt und werden deshalb nicht in die Transfergesellschaft übernommen.

Künftig jährlich 300.000 Passagiere erwartet

Die Reduzierung des Personal ist verbunden mit der erwarteten Reduzierung des Flugbetriebs. Statt mit früher jährlich 700.000 Passagieren rechnet die Flughafengesellschaft jetzt noch bis zu 300.000 Fluggästen. Das ergebe sich aus der Entwicklung des Marktes. Sollten die Passagierzahlen darüber hinaus steigen, werde der Airport dem zusätzlichen Rechnung tragen. Auch während der Umstrukturierungen bleibt „PAD“ aber ein Verkehrsflughafen im 24 Stunden-Betrieb für Flugzeuge bis zur Kategorie E, zu der etwa eine Boeing 777 zählt. Für die Fluggäste und Kunden bedeute die Umstrukturierung keinerlei Einschränkungen, versichert die Geschäftsführung. Das der Flugverkehr auch in Paderborn-Lippstadt aktuell stark verringert sei, ergebe sich aus den Einschränkungen durch die Corona-Pandemie, nicht durch das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung.

Die Sanierung wird den Verlust des Flughafens reduzieren. Gleichwohl werden die Gesellschafter nach Angaben Streitbörgers auch künftig jährlich maximal 2,5 Millionen Euro zuschießen müssen –nach bisher allerdings fünf Millionen Euro. Streitbörger betont in der Pressemitteilung, dabei handle es sich nicht um die Abdeckung des Verlustes, sondern um eine Finanzierung der hoheitlichen Aufgaben, die der Flughafen wahrnehme. Die Kosten der Sanierung sind bis zu einer Höhe von 12,5 Millionen Euro durch die Gesellschafter abgesichert.

Die Verhandlungen über die künftige Zusammensetzung des Gesellschafterkreises dauern an. Bislang halten die Kreise Paderborn 56,38, Soest 12,26, Gütersloh und Lippe jeweils 7,84, der Hochsauerlandkreis und Höxter je 3,92, die Stadt Bielefeld 5,88 sowie die Industrie- und Handelskammern Bielefeld 1,57 und Detmold 0,39 Prozent der Anteile. Bielefeld gibt seine Anteile an den Kreis Paderborn ab und zahlt diesem dafür einmalig 2,5 Millionen Euro. Gütersloh und Lippe verhandeln noch mit dem Kreis Paderborn über die Bedingungen für den beschlossenen Ausstieg. Die Gelder, die mit dem Ausscheiden Bielefelds und voraussichtlich der Kreise Lippe und Gütersloh fließen, sollen zur Sanierung des Flughafens mit herangezogen werden.

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