Ex-Poggenpohl-Chef führt nach sechs Jahren Unterbrechung erneut Industrieverband
Duffner: Comeback als Möbelpräsident

Herford/Konstanz (WB). Der Verband der deutschen Möbelindustrie (VDM) hat wieder einen Präsidenten. Gewählt wurde auf der Jahresversammlung an diesem Mittwoch Ex-Poggenpohl-Chef Elmar Duffner (60). Er kennt die Branche, Ostwestfalen-Lippe und den Verband aus dem Effeff: Schließlich war Duffner schon einmal von 2008 bis 2014 Möbelpräsident.

Mittwoch, 04.11.2020, 13:00 Uhr aktualisiert: 04.11.2020, 13:50 Uhr
Vivonio-Chef Elmar Duffner erlebt mit sechsjähriger Unterbrechung als Präsident der deutschen Möbelindustrie ein Comeback. Foto: Ina Zabel

Sein damaliger Nachfolger Axel Schramm hat sich im März 2020 nach einem öffentlich ausgetragenen heftigen Streit in seinem Familienunternehmen im pfälzischen Winnweiler Möbelhersteller vorzeitig zurückgezogen. Die Aufgabe an der Spitze des VDI übernahm der Vizevorsitzende Michael Stiehl (Rauch Möbelwerke), der deshalb auch für die nun turnusmäßig anstehende Neuwahl als Nachfolger im Gespräch war. Die beiden Zentralen des VDM befinden sich in Bad Honnef und in Herford.

Von Optifit über Poggenpohl und Alno zu Vivonio

Mit Duffner entschieden sich die Delegierten bei der virtuellen Jahresversammlung am Mittwoch für einen Manager, der die Möbelbranche von vielen Seiten her kennt. Nach dem Start beim Küchen- und Badmöbelhersteller Optifit in Stemwede kam er 2002 zu Poggenpohl nach Herford . Neun Jahre stand Duffner an der Spitze des weltweit renommierten Küchenherstellers. Von hier wechselte er in den Vorstand der Alno AG in Pfullingen, zu der auch die Marke Wellmann (Enger) gehörte. Jedoch verließ er schon nach weniger als drei Jahren die damalige Nummer 3 der Küchenbranche; 2017 ging Alno in die Insolvenz.

Schon im Juli 2014 heuerte Duffner bei der 2012 neu gegründeten Münchner Möbelholding Vivonio an, übernahm den Vorsitz der Geschäftsführung. Inzwischen gehören dem Verbund sieben Firmen an. Er beschäftigt 1900 Mitarbeiter und erzielt einen Umsatz von 400 Millionen Euro. Das Portfolio umfasst mit FM Büromöbel (Bösel) und Leuwico (Coburg) zwei Büromöbelhersteller, mit Staud (Bad Saulgau) einen Schlafraum-Spezialisten, mit Maja Wittichenau und Maja Kassendorf zwei Produzenten von Kommoden, Raumteilern und Regalen sowie zwei kleinere Möbelfirm en in den Niederlanden und in Dänemark. Zwar gehören weder ein Küchenhersteller noch ein Unternehmen in der Möbelhochburg Ostwestfalen zu Vivonio; aber beide kennt Duffner, der heute in Konstanz lebt, aus seinen früheren Engagements.

„Möbelindustrie ist ein deutsches Erfolgsmodell“

Die nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gut 1000 Unternehmen der deutschen Möbelindustrie erzielen mit ihren etwa 100.000 Beschäftigten einen Umsatz von insgesamt fast 20 Milliarden Euro. Damit gehört sie nach Angaben des alten und neuen Verbandspräsidenten weltweit mit China und den USA zu den Top 3. „Sie ist wie die Autoindustrie und der Maschinenbau eine deutsche Erfolgsgeschichte“, sagt Duffner. Ihr Einfluss in Politik und Gesellschaft spiegele dies aber kaum wider. „Als Präsident will ich in den nächsten drei Jahren dazu beitragen, dass sich das ändert.“

„Kulturgut Möbel“ gewinnt in der Pandemie an Bedeutung

Aktuell gewinne das „Kulturgut Möbel“ an Bedeutung. In einer Zeit, in der das Coronavirus viele Aktivitäten außerhalb der eigenen vier Wände sehr einschränke, gewinne die Wohnungseinrichtung stark an Bedeutung . Die Kundschaft achte zudem heute stärker auf Herkunft, Qualität und Nachhaltigkeit der Möbel. Derzeit schichteten viele das Geld, dass sie ursprünglich für Reisen eingeplant hatten, in Möbelkäufe um. Die niedrigere Mehrwertsteuer sei ein zusätzlicher Anreiz. „Solange die Menschen nicht das Vertrauen in ihre Zukunft verlieren, steht einem weiteren Wachstum der Möbelbranche nichts im Wege“, sagte Duffner dem WESTFALEN-BLATT.

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