Konzern will Schlachtkapazitäten erhöhen – bisher 170.000 Corona-Tests
Tönnies strebt 80 Prozent an

Rheda-Wiedenbrück/Damme (WB/ef/dpa). Nach wie vor beklagen Landwirte, dass Hunderttausende Schweine auf ihre Schlachtung warten – der Überhang beträgt laut Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) in Damme rund eine halbe Million Tiere.

Mittwoch, 28.10.2020, 02:00 Uhr
Wegen der Corona-Pandemie und der zwischenzeitlichen Stilllegung von Schlachthöfen – wie am Tönnies-Stammsitz in Rheda – gibt es in den Ställen einen „Schweinestau“ von rund 500.000 Tieren. Foto: dpa

Coronabedingt sind die Kapazitäten in den Schlachtereien derzeit begrenzt. Drei Schlachthöfe sind wegen Infektionen unter der Mitarbeiterschaft noch mehr eingeschränkt. Mit Sonntagsarbeit wollen sie einen Teil des „Schweinestaus“ in den Ställen abbauen. Beim Sozialministerium in Hannover gingen bisher zwei Anträge für Sonntagsarbeit ein. Danach dürfen die beiden Schlachthöfe bis Ende November sonntags arbeiten – ausgenommen ist allerdings der Reformationstag.

Eine Ausweitung des Schlachtbetriebs ist nicht so einfach möglich. Derzeit sei der Arbeitsmarkt für Mitarbeiter der Fleischunternehmen so gut wie leergefegt, erklärt dazu die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes der Fleischwirtschaft, Heike Harstick. Einerseits stellen die Schlachtbetriebe von Werkvertragsarbeit auf Arbeitsplätze mit festangestellten Mitarbeitern um. Teilweise seien zudem wegen der bestehenden Quarantänebestimmungen ausländische Arbeitnehmer nicht aus ihrem Heimaturlaub zurückgekommen oder seien aufgrund der ansteigenden Corona-Infektionen hierzulande in ihre Heimatländer abgereist, sagte Harstick. Daher würde die Erlaubnis von Schlachtungen an Sonn- und Feiertagen kaum etwas bewirken.

Es geht vor allem um drei große Schlachthöfe

Helfen würde es, wenn der Betrieb bei drei großen Schlachthöfen, die derzeit coronabedingt nur eingeschränkt tätig sind, wieder vollumfänglich möglich wäre. Das gilt für den Stammsitz des Branchenführers Tönnies in Rheda-Wiedenbrück, für den ebenfalls zur Tönnies-Gruppe gehörenden Schlachthof Weidemark im emsländischen Sögel und für Vion in Emstek (Kreis Cloppenburg). Wenn all diese Betriebe wieder komplett am Netz wären, könnten pro Woche 100.000 bis 120.000 Tiere mehr geschlachtet werden, heißt es bei der ISN.

Bei Weidemark in Sögel liegt die Auslastung inzwischen wieder bei etwas mehr als 50 Prozent. Hier will das Unternehmen auch am Reformationstag 31. Oktober sowie am Sonntag schlachten. Das Land Niedersachsen aber habe lediglich der Zerlegung, nicht aber der Schlachtung an Sonntagen zugestimmt.

Präventionsmaßnahmen bei Tönnies müssen sich jetzt bewähren

In Rheda-Wiedenbrück sind es nach Angaben von Sprecher André Vielstädte rund 70 Prozent. „Wir sind im Gespräch mit den Behörden, die Kapazitäten auf rund 80 Prozent zu steigern“, sagt Vielstädte. Die Mitarbeiter stünden dafür zur Verfügung. Vor der Corona-Pandemie lag die Höchstauslastung in Rheda bei rund 25.000 Schweinen pro Tag. Ziel sei es, die Landwirte zu entlasten. Zugleich solle der Infektionsschutz gewährleistet werden, betont Vielstädte. „Unsere Präventionsmaßnahmen sind sehr vielfältig und müssen jetzt bei dem hohen gesellschaftlichen Infektionsdruck ihre Wirksamkeit beweisen.“ Die Mitarbeiter würden bei Tönnies zwei bis dreimal pro Woche auf das Corona-Virus getestet. Vielstädte: „Mittlerweile sind fast 170.000 Tests bei uns durchgeführt worden.“

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