Im Buch und bei Lanz: Kritik an der verschleppten Digitalisierung
Middelhoff ist wieder da

Hamburg (WB). Nach seiner Abrechnung mit der Justiz im Anschluss an die fast dreijährige Haftzeit („A 115 – Der Sturz“), der religiös begründeten Abkehr von der Gier nach Reichtum („Schuldig: Vom Scheitern und Wiederaufstehen“) und nach einem Krimi, der allerdings nicht über das Ankündigungsstadium hinaus kam, ist der frühere Bertelsmann- und Arcandor-Chef Thomas Middelhoff (67) mit seinem neuesten Buch „Zukunft verpasst?“ zu einem Lieblingsthema zurückgekehrt: Die Zukunft der deutschen Wirtschaft liegt im Digitalen.

Samstag, 10.10.2020, 03:00 Uhr
Thomas Middelhoff: vor sechs Jahren im Landgericht Essen. Foto: Oliver Schwabe

Thomas Middelhoffs drittes Buch nach der Haftentlassung

Middelhoffs These , die er auf 330 Seiten zusammen mit Mitautor Cornelius Boersch, Start-up-Investor aus Hannover, erläutert, lautet: Deutschland hat die Digitalisierung verschlafen. In der Zeit von 2000 bis 2010 habe sich die Wirtschaft von der Pleite zahlreicher Start-Ups und dem Niedergang des Börsensegments Neuer Markt zu Unrecht abschrecken lassen und pauschal die Digitalisierung abgelehnt. Nun, nach diesem „verlorenen Jahrzehnt“, hinke Europa schon deshalb fast uneinholbar hinter den USA und China hinterher, weil in der digitalisierten Welt normalerweise nur Platz für ein, höchstens zwei Topunternehmen sei.

Koautor von Thomas Middelhoff ist Start-up-Investor Cornelius Boersch (links).

Koautor von Thomas Middelhoff ist Start-up-Investor Cornelius Boersch (links). Foto: Buchcover

Am Donnerstagabend hat Middelhoff seine Thesen in der ZDF-Talksrunde bei Markus Lanz erläutert – und fand sich wiederholt auf einer Linie mit einem anderen Gast, der Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht. Ein Beispiel: die von beiden kritisierte Verbindung von Militär und Ökonomie in den USA. Middelhoff berichtete, dass er im Aufsichtsrat von AOL auf vier Militärs getroffen sei, darunter die Generäle Alexander Haig und Colin Powell.

„Bertelsmann hat sich zu lange nicht um Digitalisierung gekümmert“

In weiteren Passagen der Diskussion bei Lanz erschien Middelhoff schon wieder fast wie früher . Das war dann der Fall, wenn er über seine eigenen Verdienste bei Bertelsmann berichten konnte. Im Mittelpunkt der Einstieg und die Kooperation mit AOL: „Investiert haben wir 50 Millionen D-Mark. Erlöst hat Bertelsmann beim Verkauf sieben Jahre später acht Milliarden Euro.” Danach jedoch habe sich der Gütersloher Medienkonzern zu lange nicht mehr um das Thema Digitalisierung gekümmert und stehe jetzt vor der schwierigen Aufgabe, das „verlorene Jahrzehnt“ aufzuholen.

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