Umsätze nähern sich dem Niveau vor der Pandemie – Bau ist Vorreiter
OWL-Handwerk erholt sich

Bielefeld (WB). Das Handwerk kommt im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen in Ostwestfalen-Lippe unterm Strich relativ gut durch die Corona-Krise. Der Einbruch beim Geschäftsklima-Indikator, mit dem die Kammer die aktuelle Lageeinschätzung der Betriebe und ihre Zukunftserwartung zusammenfasst, ist nach dem Rückgang von 134 auf 100 Punkte im Frühjahr schon wieder auf 122 gestiegen.

Donnerstag, 08.10.2020, 02:00 Uhr aktualisiert: 08.10.2020, 08:44 Uhr
Auf dem Bau und beim Ausbau (zum Beispiel Bodenleger, Sanitär, Maler, Tischler) hinterlässt die Pandemie bisher kaum Spuren. Foto: dpa

53 Prozent bewerten ihre aktuelle Geschäftslage nach Angaben von OWL-Handwerkspräsident Peter Eul sogar als gut, nur 13 Prozent als schlecht. Das seien zwar doppelt so viele wie vor einem Jahr. Doch habe das Handwerk damals auch den Höhepunkt der bislang stärksten konjunkturellen Aufschwungphase erreicht.

Wolfgang Borgert (links) und Präsident Peter Eul präsentieren die aktuelle Konjunkturumfrage.

Wolfgang Borgert (links) und Präsident Peter Eul präsentieren die aktuelle Konjunkturumfrage. Foto: Ulrike Wittenbrink

Unterm Strich aber gibt es, so der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Wolfgang Borgert, innerhalb des Handwerks große Unterschiede. Während die Bau- und Ausbauberufe weiter vom Immobilienboom profitierten, überwögen etwa im Kfz-Gewerbe und bei den Lebensmittelhandwer­kern negative Einschätzungen.

Im Kraftfahrzeughandwerk ist die Zahl derer, die eine weitere Verschlechterung befürchten, besonders groß. Die strukturellen Probleme der Autoindustrie , die sich durch die Pandemie verstärkten, hätten auch Einfluss auf die Handwerker im Bereich Gewerblicher Bedarf, sagt Borgert. Vor allem die Betriebe, die Autozulieferer als Kunden hätten, müssten ihre Produktion zurückfahren. So kämen aktuell aus der Branche, die – Beispiel Feinmechaniker – in der Vergangenheit besonders unter Fachkräftemangel litt, derzeit kaum Beschäftigungsimpulse. Nicht wenige seien in Kurzarbeit.

Handwerklich arbeitende Fleischerbetriebe erhielten neue Kunden durch die anhaltende Diskussion um Schweinehaltung und Großschlachthöfe.

Handwerklich arbeitende Fleischerbetriebe erhielten neue Kunden durch die anhaltende Diskussion um Schweinehaltung und Großschlachthöfe. Foto: dpa

Die Lebensmittelhandwerker wurden in der Corona-Krise vor allem vom Wegfall des Cateringgeschäfts getroffen. Doch anders als bei den Bäckern konnten die Fleischer den Einbruch relativ gut kompensieren – vermutlich unter dem Einfluss der neuen Diskussion um Schweinehaltung und die Vorgänge bei Tönnies.

Die Friseure sind nach Angaben des Präsidenten Eul, der selbst zwei Salons betreibt, froh, wieder öffnen zu können . Allerdings machten es die aktuellen Bedingungen schwer, rentabel zu wirtschaften. Eul erwartet, dass die Preise für Friseurbesuche steigen.

Wegen der Einschränkungen durch die Pandemie werden einige Friseure ihre Preise erhöhen müssen.

Wegen der Einschränkungen durch die Pandemie werden einige Friseure ihre Preise erhöhen müssen. Foto: dpa

Wegen der guten Auftragslage sind die Wartezeiten im Bau- und Ausbauhandwerk nur auf 11,7 bzw. 8,5 Wochen zurückgegangen. Für akute Notlagen ihrer hätten die Handwerker aber immer Zeit, erklärte Borgert.

Finanziell seien die meisten Betriebe trotz Pandemie gut abgesichert. Trotzdem könne es dann zu Probleme können, wenn Insolvenzen in Industrie, Handel oder Dienstleistung zur Forderungsausfällen führten, sagte Borgert.

An der Umfrage der OWL-Handwerkskammer beteiligten sich diesmal 1200 Betriebe mit 14.400 Beschäftigten. Insgesamt werden in OWL 21.500 Betriebe mit 160.000 Mitarbeitern gezählt, darunter 10.500 Auszubildende.

Höxter Spitze, Bielefeld auf dem Abstiegsplatz

Nicht nur hinsichtlich der Branchen, auch regional stellt die OWL-Handwerkskammer große Unterschiede bei der konjunkturellen Entwicklung der Branche fest. So liegen, was den Geschäftsklimaindex angeht, die Kreise Höxter um neun und Minden-Lübbecke um acht Punkte über dem Durchschnitt in Ostwestfalen-Lippe. Noch einen Punkt über der Marke ist der Kreis Gütersloh. Paderborn liegt auf den Punkt genau auf dem Durchschnitt.

Dagegen landen die Kreise Herford um zwei, Lippe um vier und die Stadt Bielefeld sogar um neun Punkte unterhalb der Marke. Ähnlich sieht es bei den Indizes für Beschäftigung und Investitionen im Handwerk aus.

 

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