Erst wenig Optimismus in Handel und Dienstleistung Ostwestfalens
Kein schnelles Ende der Krise

Bielefeld (WB). Als die Vorstellung der IHK-Umfrage unter den ostwestfälischen Händlern und Dienstleistungsunternehmen am Montag eigentlich schon zu Ende war, ist der neue Hauptgeschäftsführerin Petra Pigerl-Radtke noch ein Stoßseufzer herausgerutscht: „Ich wünsche mir, dass wir auch mal wieder bessere Zahlen verkünden dürfen.”

Dienstag, 06.10.2020, 03:00 Uhr
Sie stellten im Auftrag der IHK Ostwestfalen die Konjunkturumfrage vor (von links): Vizepräsident Rainer Döring, stellvertretender Hauptgeschäftsführer Harald Grefe, Hauptgeschäftsführerin Petra Pigerl-Radtke, Vizepräsident Holger Piening und Referatsleiter Marco Rieso. Foto: Bernhard Hertlein

Doch damit könnte es noch dauern. Von den Handelsunternehmen in der Region geht 32,9 Prozent – also knapp ein Drittel – dass sich ihre Geschäfte frühestens in einem Jahr oder teilweise überhaupt nicht mehr normalisieren werden. Im Dienstleistungsbereich sind es sogar 36,2 Prozent. Vorkrisenniveau erreichen aktuell nur 23,7 Prozent der Händler und 25 Prozent der Dienstleister.

Von der Mehrwertsteuer haben die meisten Händler nicht profitieren können, sagt die IHK: Ausnahme etwa die Einrichtungsbranche.

Von der Mehrwertsteuer haben die meisten Händler nicht profitieren können, sagt die IHK: Ausnahme etwa die Einrichtungsbranche. Foto: dpa

Dabei haben sich die Umfrageergebnisse im Vergleich zum Juni 2020 sogar deutlich verbessert. Der IHK-Index, der sich zu gleichen Teilen aus der Bewertung der aktuellen Lage und der Geschäftserwartung für die nächsten Monate zusammensetzt, stieg beim Handel von 69 auf 93 und im Dienstleistungssektor von 76 auf 106 Punkte. Bei der 100er Marke halten sich positive und negative Einschätzungen die Waage. Insgesamt beteiligten sich aus beiden Sektoren 1441 Unternehmen mit 51.814 Beschäftigten.

Innerhalb des Handels gingen, wie IHK-Vizepräsident Rainer Döring (Löhne) erläuterte, die Umfrageergebnisse noch nie so weit auseinander wie jetzt. Positive Signale senden demnach Möbelhäuser, Baumärkte, Fahrrad- und Elektrogeschäfte sowie der Onlinehandel. Dagegen sei die Lage im Bekleidungs- und Schuhhandel schlecht.

Der Kfz-Handel gehört auch in Ostwestfalen zu den großen Verlierern der coronabedingten konjunkturellen Talfahrt.

Der Kfz-Handel gehört auch in Ostwestfalen zu den großen Verlierern der coronabedingten konjunkturellen Talfahrt. Foto: dpa

Das Gleiche gelte für den Kfz-Handel und Reparatur. Angesichts eines prognostizierten Rückgangs von deutschlandweit 20 Prozent bei den Neuzulassungen, von sieben Prozent bei Gebrauchtwagen und von vier Prozent bei der Auslastung der Werkstätten hätten die meisten das Jahr 2020 schon abgeschrieben.

Sonntagöffnung und Mehrwertsteuer

Nachdem die bisherigen Versuche, Sonntagsöffnungen im Handel auch ohne ein Volksfest oder anderen Anlass durchzuführen, selbst jetzt in der Pandemie vor Gericht gescheitert sind, hilft nach Ansicht des IHK-Handelssprechers Rainer Döring nur noch eine Grundgesetzänderung. „Ich appelliere an die Bundesländer, dies gemeinsam und schnell auf den Weg zu bringen”, sagte Döring.

Eine weitere Forderung an die Politik betrifft die Rücknahme der Mehrwertsteuersenkung. Die Anhebung auf 7 bzw. 19 Prozent komme für die Händler am 1. Januar zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Als Grund nennt Döring das Weihnachtsgeschäft, das Arbeitskraft binde und sich auch zunehmend in den Januar hinein verlängere.

Die IT-Dienstleister in Ostwestfalen erholen sich allmählich von dem Tief zu Beginn der Pandemie.

Die IT-Dienstleister in Ostwestfalen erholen sich allmählich von dem Tief zu Beginn der Pandemie. Foto: dpa

Auch innerhalb des Dienstleistungssektors entwickeln sich die Branchen nach Angaben von Holger Piening sehr unterschiedlich. Die IT-Dienstleister mussten zwar, so berichtet der Bielefelder Zeitarbeitsunternehmer und IHK-Vizepräsident, zu Beginn der Pandemie Rückschläge kompensieren. Doch habe sich sowohl die aktuelle Lage als auch die Erwartung an weitere Nachfrage durch die Digitalisierung verbessert.

Bei den Zeitarbeitsfirmen seien die Geschäfte aufgrund neuer gesetzlicher Rahmenbedingungen schon seit 2017 unter Druck. Nun gehörten sie zu den ersten, die die Folgen der Pandemie zu spüren bekamen. Wenn die Kunden selbst Kurzarbeit anmelden mussten, brauchten sie auch keine zusätzlichen Arbeitskräfte.

Von den aktuellen Verbotsplänen der Regierung für Werksarbeitverträge in der Schlachtindustrie seien legale Zeitarbeitsfirmen zwar nicht betroffen. Piening fürchtet, dass hier wieder ein Tor geöffnet werde, um die Branche durch mehr Bürokratie zu schädigen.

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