Wirtschaft
Die landwirtschaftliche Nutztierhaltung auf permanentem Modernisierungskurs

Die landwirtschaftliche Nutztierhaltung unterliegt einem ständigen Wandel. In der heutigen Zeit hat sie besonders mit den unterschiedlichen Interessen von Verbrauchern und Wirtschaft sowie der Umwelt zu kämpfen. Ein Blick zurück kann helfen, eine Zukunft zu gestalten, in der die unterschiedlichen Interessen gleichermaßen Berücksichtigung finden.

Montag, 05.10.2020, 01:47 Uhr aktualisiert: 05.10.2020, 07:51 Uhr
Foto: Colourbox

Nutztierhaltung früher

Nutztiere gehören zum Menschen seit seiner Sesshaftwerdung. Die Art und Weise ihrer Haltung bestimmt maßgeblich auch ihren kulturellen und sozialen Stellenwert. Bäuerliche Haltungsformen charakterisieren sich durch kleinere Anzahlen von Tieren, die in direktem Kontakt mit ihren Endverbrauchern und gleichzeitigen Pflegern standen. Die Abwanderung der Menschen in die Städte läutete die Entfernung zwischen Mensch und Tier ein. Bauern mussten immer größere Mengen Fleisch, Milch oder Eier produzieren und führten neuere, effizientere Maßnahmen und Haltungsformen ein, um der gestiegenen Nachfrage gerecht zu werden.

Industrielle Nutztierhaltung

Damit einher ging natürlich der Verlust der bis dato guten Lebensqualität der Nutztiere. Immer engere Käfige und eine kürzere Lebensdauer machen die typische industrielle Nutztierhaltung aus, ebenso wie die immer effizientere Mast. Das Tier wurde nun in Europa ab Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts nicht mehr als Mitlebewesen wahrgenommen, sondern mehr und mehr wie ein Objekt behandelt. In gewisser Weise tat und tut dies auch Not. Nach dem Krieg mussten neue Wege gefunden werden, Hungersnöte zu vermeiden oder zu beenden. Und auch heute noch steigt die Zahl der Menschen auf der Erde rasant an. Sie alle wollen ernährt werden. Das funktioniert am ehesten mit wirtschaftlich lukrativen Haltungsformen.

Das Problem industrieller Tierhaltung

Das Problem jedoch ist, dass die Akzeptanz einer solchen Tierhaltungsform in der Gesellschaft sinkt. Verbraucher fordern einen artgerechteren Umgang mit den Tieren, gleichzeitig schadet die sogenannte "Massentierhaltung" auch der Umwelt, denn Gülle muss irgendwo entsorgt werden. Auch lassen sich auf diesem Wege Krankheiten schnell zwischen den Tieren übertragen. Massive Antibiotikagaben haben neue Probleme geschaffen wie zum Beispiel multiresistente Keime. Die industrielle Nutztierhaltung krankt also an dem, was sie ausmacht. Es bedarf neuer Konzepte, um die Interessen der Verbraucher und der Umwelt mit denen der Wirtschaft zu vereinen.

Was heute schon anders ist

Viele Betriebe haben bereits aufgrund der Gesetzesänderungen der vergangenen Jahre gehandelt und für mehr Tierwohl einiges Geld in die Hand genommen. So wurde die automatische Hühnerklappe eingeführt, Tieren mehr Platz und Zugang zum echten Tageslicht gewährt. Verstümmelungen wurden und werden Schritt für Schritt weiter verboten und auch das sogenannte "Schreddern" männlicher Küken steht inzwischen vor dem Aus. Neueste Technologien ermöglichen schon heute automatische Vorgänge zur Verbesserung der Haltungsbedingungen von Nutztieren. Die Erkennung männlicher Küken bereits im Ei ist technisch möglich und wird mehr und mehr in der Landwirtschaft eingesetzt.

Wohin die Reise geht

Doch damit soll nicht Schluss sein. Neue Modelle und Haltungsformen werden auf ihre Wirtschaftlichkeit und die Vereinbarkeit mit Umwelt und Tierwohl getestet. Mehr und mehr soll für den Verbraucher erkennbar werden, wofür er sein Geld ausgibt. In den kommenden Jahren treten noch weitere Gesetzesänderungen inkraft und werden die landwirtschaftliche Nutztierhaltung maßgeblich verändern. Hochwertiges Fleisch, schmackhafte Milch und gute Eier bedingen nunmal auch einen fairen Umgang mit den Tieren. Eine Rückbesinnung auf Altbewährtes kann der Zukunft neue Impulse geben.

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