Nach dem ÖPNV nimmt Verdi nun das Gesundheitssystem ins Visier
Streiks in Bielefeld und Extertal

Düsseldorf/Bielefeld/Extertal (WB/in/ms/dpa). Viele Berufstätige haben sich am Dienstag nach anderen Verkehrsmöglichkeiten für den Weg zur Arbeit umsehen müssen: Busse und Bahnen standen wegen eines bundesweiten Warnstreiks in zahlreichen Städten still. In Ostwestfalen-Lippe konzentrierte die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi die Streiks auf Bielefeld und Extertal. Heute sollen schwerpunktmäßig Einrichtungen des Gesundheitswesens bestreikt werden.

Mittwoch, 30.09.2020, 03:00 Uhr
In Bielefeld – hier die Zentrale von Mobiel – legte Verdi den ÖPNV am Dienstag weitgehend lahm. Busse fuhren nur zu 20 Prozent. Die Stadtbahnlinien standen komplett still. Foto: Bernhard Pierel

In Bielefeld beteiligten sich nach Angaben von Sebastian Schulze, Verdi-Generalsekretär für den Bereich Verkehr in OWL und im Münsterland, etwa 410 der 700 Beschäftigten der Verkehrsbetriebe Mobiel an dem Warnstreik . Die zentrale Kundgebung fand um 8.30 Uhr vor dem Mobiel-Werkstor in Bielefeld-Sieker statt. Infolgedessen konnten nur etwa 20 Prozent der Busverbindungen stattfinden. Auf den vier Stadtbahnlinien ruhte der Verkehr komplett.

Vor Bielefeld war Schulze in Extertal. Dort beteiligten sich seinen Angaben zufolge etwa 30 Personen an dem Warnstreik, der sich gegen die Omnibusbetriebe Karl Köhne richtete. Nicht gestreikt wurde etwa in Paderborn, wo für die Verkehrsbetriebe ein eigenständiger Haustarifvertrag gilt. In Gütersloh beteiligten sich die Mitarbeiter nach einem Bericht des WDR ebenso wie in Monheim und bei der Rhein-Erft-Verkehrsgesellschaft nicht an dem Warnstreik. Auch der S-Bahn- und der Regionalverkehr zwischen den Städten war von den Arbeitsniederlegungen diesmal nicht betroffen.

Mit ihrem Warnstreik will die Gewerkschaft Verhandlungen über einen neuen Manteltarifvertrag durchsetzen. „Der geltende Vertrag ist 19 Jahre alt und bildet die Arbeitswirklichkeit längst nicht mehr ab“, sagte Schulze.

„Drei-Klassen-Gesellschaft”

Bei den Fahrern von Mobiel gebe es zudem eine „Drei-Klassen-Gesellschaft“. Alt-Beschäftigte, die noch von besseren Leistungen profitierten, vor 2001 eingestelltes Fahrpersonal und Beschäftigte, die später angestellt worden sind. „Dabei kommt es zu Gehaltsunterschieden von bis zu 409 Euro im Monat für die gleiche Arbeit“, so Schulze.

„Der Öffentliche Personennahverkehr ist völlig unterfinanziert“, sagte die stellvertretende Verdi-Bundesvorsitzende, Christine Behle, bei einer Kundgebung der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) in der Hauptstadt. „Das ist ein strukturelles Problem, viele Kommunen haben kein Geld.“ Im Bündnis mit den Klimaaktivisten von Fridays for Future (FFF) gehe es deshalb auch darum, die Finanzierung des ÖPNV bundesweit neu zu regeln.

Finanzierung durch Fahrkarten und Kommunen

Die Betriebe finanzieren sich in der Regel zur Hälfte über den Verkauf von Fahrkarten und Abos. Die andere Hälfte kommt von den Kommunen, die dafür wiederum über die sogenannten Regionalisierungsmittel Geld vom Bund erhalten.

In der Corona-Pandemie hatten Bund und Länder zugesagt, die hohen Verluste der Betriebe mit jeweils 2,5 Milliarden Euro auszugleichen. „Dadurch bleibt aber die finanzielle Lage auf dem gleichen schlechten Niveau wie vor der Krise“, stellte Behle fest.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7608942?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2509831%2F2198339%2F
Neuer Erlass für Spiele ohne Fans
Arminia Bielefeld musste Mitte Oktober wegen hoher Coronazahlen in der Stadt das Spiel gegen Bayern München ohne Fans austragen – andere Bundesligisten in NRW spielten noch vor 300 Fans. Die Einhaltung der Regelung in der Coronaschutzverordnung soll nun ein Erlass des Gesundheitsministeriums sicherstellen. Foto: Thomas F. Starke
Nachrichten-Ticker