Zielke-Nachfolger gefunden
Sanierer von der Deutschen Bank wird neuer Commerzbank-Chef

Schneller als erwartet ist die wichtigste Personalie bei der Commerzbank geklärt. Der neue Konzernchef kommt ausgerechnet von der benachbarten Konkurrenz. Nun muss es rasch um Inhalte gehen.

Sonntag, 27.09.2020, 11:45 Uhr
Manfred Knof soll die Nachfolge von Martin Zielke als Chef der Commerzbank antreten. Foto: Tobias Hase

Frankfurt/Main (dpa) - Der Deutsche-Bank-Manager Manfred Knof soll die Commerzbank zurück in die Erfolgsspur führen. Die einstimmige Entscheidung des Aufsichtsrats vom Samstag ist ein deutliches Signal.

Statt die Nachfolge des zum Jahresende ausscheidenden Konzernchefs Martin Zielke intern zu regeln, soll ein externer Kandidat für frischen Wind bei dem Frankfurter MDax-Konzern sorgen.

Knof kann seine neue Aufgabe am 1. Januar 2021 mit Vertrauensvorschuss antreten. Auch der Finanzinvestor Cerberus, dessen harsche Kritik an der bisherigen Führung der Bank die Neubesetzung provoziert hatte, setzt auf Knofs Erfahrung in Sachen Restrukturierung.

Der derzeitige Leiter des Privatkundengeschäfts der Deutschen Bank sei «ein erfahrener und umsetzungsstarker Topmanager, der sich in unterschiedlichsten Aufgaben in der Finanzdienstleistungsindustrie bewiesen hat», begründete Commerzbank-Aufsichtsratschef Hans-Jörg Vetter in einer Mitteilung vom Samstagabend die Wahl.

Was er vom künftigen Vorstandschef erwartet, hatte Vetter, der selbst erst seit knapp zwei Monaten im Amt ist, kürzlich im Intranet der Bank deutlich gemacht: «Die Commerzbank hat viel Gutes, aber in Sachen Effizienz und Profitabilität gibt es noch Luft nach oben. Es gibt noch viele althergebrachte Strukturen, die den heutigen Anforderungen und der Größe der Bank nicht mehr angemessen sind.»

Knof (55) gilt als Spezialist für schwierige Missionen. Von 1995 an war der Jurist in unterschiedlichsten Führungspositionen im Allianz-Konzern tätig, zuletzt bis 2017 als Chef für Deutschland, die Schweiz sowie Mittel- und Osteuropa. Knof trieb bei dem Versicherungskonzern die Digitalisierung voran und trat - auch mittels Stellenstreichungen - auf die Kostenbremse.

Aber auch bei der Dresdner Bank, die in der Finanzkrise 2008 von der Commerzbank geschluckt wurde, hat Knof Erfahrungen gesammelt: 2003 bis 2005 war er bei der damaligen Allianz-Tochter in verschiedenen Funktionen tätig - zuletzt als Leiter des Privatkundengeschäfts Deutschland Süd mit Verantwortung für rund 1000 Filialen.

Als ihn die Deutsche Bank im August 2019 - eine Ebene unterhalb des Vorstands - zum Leiter ihres Privatkundengeschäfts machte, erklärte Deutschlands größtes Geldhaus, Knof stehe «für Kundennähe, digitalen Aufbruch und strikte Kostendisziplin». Bei der Deutschen Bank läuft seit Sommer 2019 ein radikaler Konzernumbau. Gerade erst hat der Dax-Konzern angekündigt, die Zahl der Filialen in Deutschland im nächsten Jahr von gut 500 auf 400 Standorte zu reduzieren.

Im noch wesentlich dichteren Filialnetz der Commerzbank werden noch drastischere Einschnitte erwartet. Von 1000 Filialen könnten gerade einmal 200 übrig bleiben, in denen Kunden sich beraten lassen können. Schon vor der Corona-Krise liefen in der Commerzbank Diskussionen über eine Verschärfung des im Herbst 2019 verkündeten Sparkurses. Die Pandemie hat der Digitalisierung einen weiteren Schub gegeben. Bei der Commerzbank könnte die Zahl der zuletzt knapp 40 000 Vollzeitstellen um bis zu ein Viertel gekappt werden.

«Die neue Strategie ist eine radikale Kehrtwende und geht über alles Bisherige weit hinaus», erklärte der zum 30. September ausscheidende Privatkundenchef Michael Mandel jüngst. Wegen der Folgen der Pandemie und Kosten für den Konzernumbau rechnet die Bank für das laufende Jahr mit roten Zahlen. Analysten gehen davon aus, dass die Commerzbank erst 2022 wieder die Gewinnzone erreichen wird.

Zufall oder nicht: Knofs Berufung fällt genau auf den Jahrestag der Verkündung der Strategie «Commerzbank 5.0». Die Ungeduld der Investoren hat zugenommen, nachdem die vor einem Jahr von Zielke vorgestellten Schritte nicht wirklich überzeugten: Etwas weniger Personal, etwas weniger Filialen, Eingliederung der Online-Tochter Comdirect. Den Verkauf der Mehrheitsbeteiligung an der polnischen mBank blies der Commerzbank-Vorstand ab, weil sich die Preisvorstellung in Corona-Zeiten nicht durchsetzen ließ.

In diesem Frühjahr zeigte der «Höllenhund» Cerberus Zähne: Die Commerzbank-Führung habe «über Jahre eklatant versagt», urteilte der Großaktionär und kritisierte «die unausgereiften und schlecht umgesetzten Bemühungen der Geschäftsführung, den Niedergang der Commerzbank zu verhindern». Cerberus, der auch an der Deutschen Bank beteiligt ist, ist mit gut fünf Prozent zweitgrößter Aktionär der Commerzbank - nach dem deutschen Staat, der infolge der Rettung mit Steuermilliarden in der Finanzkrise heute 15,6 Prozent hält.

Die harsche Kritik zeigte Wirkung: Zielke räumte ein, dass die im Herbst 2019 beschlossenen Maßnahmen nicht durchschlagend genug waren, um das Institut im Zinstief profitabler zu machen - und kündigte seinen Rücktritt als Konzernchef spätestens zum Jahresende an. Der damalige Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann warf gleich mit hin.

Mit der Berufung Knofs hat der neue Chefkontrolleur Vetter die Nachfolge von Zielke überraschend schnell geregelt. Und: Statt einer internen Lösung mit Finanzvorständin Bettina Orlopp oder Firmenkundenvorstand Roland Boekhout hat Vetter sogar einen externen Kandidaten für die nicht einfache Aufgabe gewonnen - vorausgesetzt, die Aufseher der Europäischen Zentralbank (EZB) stimmen noch zu.

Der Großaktionär Bund hatte sich zuletzt zuversichtlich zur Zukunft der Bank geäußert. «Ich glaube, dass wir ja jetzt doch sehen, dass sich viele bemühen, der Commerzbank eine gute Zukunft zu geben und auch mutige Entscheidungen zu treffen», sagte Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) bei einer Bankentagung Anfang September. «Ich finde, das sollte jetzt erstmal begleitet werden.»

© dpa-infocom, dpa:200926-99-722549/5

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