Markenverband gegen Abgabe an die großen Ketten Edeka und Kaufland
Stoppt Kartellamt Verkauf der Realmärkte?

Berlin/Frankfurt (WB). Der Deutsche Markenverband fordert ein Verbot der Übernahme von Real-Märkten durch Edeka und die zum Lidl-Konzern gehörende Kaufland-Gruppe durch das Bundeskartellamt. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“, fragt Christian Köhler in einem Interview mit der „Lebensmittelzeitung”. Köhler ist Hauptgeschäftsführer der Organisation, in der viele Markenhersteller zusammengeschlossen sind.

Samstag, 26.09.2020, 04:00 Uhr
Real-Supermarkt in Köln Foto: dpa

Mit der Aufteilung der ehemaligen Metro-Supermarktkette entstünde in Deutschland im Lebensmittelhandel endgültig ein enges marktbeherrschendes Oligopol, so der in Berlin ansässige Markenverband. Dem müsse das Kartellamt einen Riegel vorschieben, fordert Köhler. Abseits von Edeka, Lidl/Kaufland, Aldi und Rewe gebe es sonst für die Lieferanten keine Alternative mehr. Das Marktvolumen von Real werde nicht verschwinden, sondern nur unter den bestehenden Marktriesen aufgeteilt.

Köhler beklagt in dem Interview aktuelle Forderungen Kauflands an die bisherigen Lieferanten von Real. Sie sollten sich mit einer neuen Kondition in Höhe von 0,02 Prozent des jeweiligen Bruttoumsatzes eines Marktes erkenntlich zeigen. Solche Forderungen gelten als wettbewerbsschädlich und sind verboten. Köhler zufolge hat der Markenverband das Bundeskartellamt bereits vor Wochen über die Kaufland-Forderung informiert. Die Organisation ist schon einmal 2009 gegen sogenannte Hochzeitsrabatte vor Gericht gezogen. Damals ging es um Forderungen von Edeka nach der Übernahme von Plus-Märkten. Tatsächlich entschied der Bundesgerichtshof später, dass einige der damaligen geforderten Konditionen rechtswidrig waren.

Nach Bekanntwerden der Verkaufspläne von Metro hat zunächst der russische Finanzinvestor SCP den Zuschlag für die Übernahme von deutschlandweit 256 Real-Märkten erhalten. Er kündigte an, die Kette zerschlagen und den weitaus größten Teil weiterveräußern zu wollen. Kaufland, das wie Lidl zur Schwarz-Gruppe gehört, meldete Interesse für 101 größere Märkte an. Edeka will Berichten zufolge 72 Standorte übernehmen. Erst vor wenigen Tagen hat auch die Globus-Kette erklärt, dass sie Interesse an 16 Real-Märkten hat. Der Umsatz von Globus, dessen 47 Warenhäuser sich bislang vor allem im Südwesten und in Ostdeutschland befinden, beträgt etwa sechs Prozent des Branchenführers Edeka.

Acht Real-Filialen in Ostwestfalen-Lippe

In Ostwestfalen-Lippe hat Kaufland Interesse an sechs der acht Real-Märkte angemeldet. Konkret geht es um drei Filialen in Bielefeld sowie Supermärkte in Paderborn, Gütersloh und Detmold. Die beiden anderen Standorte in OWL sind Espelkamp und Brakel. Insgesamt zählen die acht Filialen in der Region 950 Beschäftigte.

Reinhard Zinkann, geschäftsführender Gesellschafter von Miele (Gütersloh), ist Vizepräsident des Deutschen Markenverbandes. Dr. Oetker gehört zu den Gründungsmitgliedern.

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