Ermittlungen nach Razzia – Fleischkonzern will Branchentarifvertrag
Tönnies-Partner im Visier

Rheda-Wiedenbrück/Weißenfels (WB). Nach der Razzia gegen zwei Leiharbeitsfirmen wegen des Verdachts der illegalen Einschleusung und Beschäftigung von Arbeitern in der Fleischbranche werten die Ermittler die am Mittwoch sichergestellten Beweismittel aus. Mindestens 82 Menschen aus Nicht-EU-Staaten wie der Ukraine, Belarus, dem Kosovo und Georgien sollen mithilfe gefälschter Papiere oder als Scheinstudenten nach Deutschland gebracht worden sein. Womöglich sind einige im Tönnies-Schlachthof in Weißenfels (Sachsen-Anhalt) eingesetzt worden.

Freitag, 25.09.2020, 21:05 Uhr aktualisiert: 25.09.2020, 21:10 Uhr
Das Tönnies-Werk in Weißenfels. Foto: dpa

Der Rheda-Wiedenbrücker Konzern bestätigte, dass einer der beiden im Fokus der Ermittlungen stehenden Personaldienstleister, Berkana, „ein paar Dutzend“ der 2200 Tönnies-Mitarbeiter in Weißenfels stelle. Ob sich darunter auch illegal eingeschleuste Menschen befinden, ist bislang unklar. Die Bundespolizei betonte, dass sich die Ermittlungen nicht gegen Unternehmen aus der Fleischbranche, sondern nur gegen die zwei Leiharbeitsfirmen – Berkana und IRC – und zehn damit verbundene Hauptbeschuldigte richten.

Bei den Durchsuchungen von mehr als 60 Wohn- und Geschäftshäusern am Mittwoch sei umfangreiches Beweismaterial sichergestellt worden, das nun ausgewertet werde. Bei mehr als 20 in Unterkünften angetroffenen Arbeitern bestehe der Verdacht, dass sie „unter Nutzung ge- und verfälschter Dokumente oder aber als Scheinstudenten illegal beschäftigt werden“. Sollte sich der Verdacht bestätigen, sollen diese Menschen umgehend ausgewiesen werden. Die Arbeiter sind dem Vernehmen nach mit gefälschten Dokumenten als Bürger eines EU-Staates bei den örtlichen Meldeämtern und auch bei Arbeitgebern vor allem in der Fleischindustrie angemeldet worden.

Die Behörden beschlagnahmten zudem bei den beiden Firmen Vermögen in Höhe von 1,5 Millionen Euro – so viel sollen sie durch die Machenschaften erlöst haben.

Derweil bekräftigte der Fleischkonzern Tönnies sein Interesse an einem umfassenden allgemeinverbindlichen Tarifvertrag für die Fleischindustrie, der nicht nur den Mindestlohn regelt. Die Gewerkschaft NGG und die SPD fordern dies als zweiten Schritt nach dem für Anfang 2021 geplanten gesetzlichen Verbot der Werkvertragsarbeit bei Schlachtung und Zerlegung. Konzernsprecher André Vielstädte: „Wir sind bereit, als Branchenprimus voranzugehen.“

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